In Bayern gibt es Landwirtschaftliche Lehranstalten, die als Ausbildungsstätten für Landwirte renommiert sind. Sie unterstehen nicht der Landesregierung, sondern den jeweiligen Bezirksregierungen. Nun hatte die mittelfränkische Lehranstalt in Triesdorf (in der Nähe von Ansbach) den Auftrag, die Entwicklung heimischer Eiweißpflanzen voranzutreiben. Da denkt man als wohlwollender Betrachter bei Körnerfrüchten an Futtererbsen oder Ackerbohnen, es könnten aber auch Klee oder Luzerne gemeint sein. Ganz so einfach ist das aber nicht.
Einem Bericht der Süddeutschen zufolge (
http://www.sueddeutsche.de/T5X38U/35194 ... chnik.html) hatte sich nämlich der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) für ein gentechnikfreies Bayern engagiert. Schließlich würden Jahr für Jahr 800.000 Tonnen zumeist gentechnisch manipuliertes Soja aus Übersee als Futtermittel nach Bayern importiert. Mit seinem Aktionsprogramm 'Heimische Eiweißfuttermittel' setze Brunner nun darauf, dass die Bauern garantiert gentechnikfreies Futter für ihre Rinder, Schweine und Hühner kaufen können.
„Man möchte meinen,“ so hieß es in der Süddeutschen, „dass die Staatsgüter und Ausbildungsstätten für Bauern die ersten sind, die Brunners Kurs gutheißen. Doch weit gefehlt. Die Landwirtschaftlichen Lehranstalten im mittelfränkischen Triesdorf etwa lehnen es strikt ab, an ihre Kühe, Schweine, Schafe und Hühner nur noch gentechnikfreies Soja zu verfüttern“.
So was aber auch – das darf doch wohl nicht wahr sein!
„Die Lehranstalten hätten deshalb eine besondere Vorbildfunktion für die Bauern wie für die Verbraucher – so dächten zumindest SPD und Grüne in Mittelfranken. Getreu Brunners Bestrebungen forderten sie deshalb, dass die Triesdorfer Lehranstalten nur noch gentechnikfreies Soja verfüttern sollen“. Der Chef der Triesdorfer Tierhaltungsschule, Uwe Mohr wird zitiert mit der Äußerung,: „Das Gensoja, das wir an unsere Tiere verfüttern, ist für die Verbraucher unbedenklich, das sind alles kontrollierte und zugelassene Futtermittel“.
Recht hatte er ja. Doch genützt hat es ihm nix. Denn er wurde „einbestellt“ wie es irgendwo in den Medien hieß, zum Bezirkstagspräsidenten Richard Bartsch (CSU), der nun entschied, dass die Tiere in den Lehranstalten ausschließlich gentechnikfreie Futtermittel bekommen. Die Lehranstalt darf nach dem Verbrauch des jetzt vorhandenen Gen-Futters nur noch gentechnikfreie Futtermittel zukaufen. Das kostet zwar die Lehranstalt zusätzlich 27.000 Euro pro Jahr, aber nun erfüllen sie wenigstens die von SPD und Grünen geforderte Vorbildfunktion für Bauern und Verbraucher. Der schöne Schein ist hergestellt, auch wenn es den Steuerzahler überflüssigerweise etliche zichtausend Euro mehr kostet. Was das ganze Theater mit der Förderung einheimischer Eiweiß-Futtermittel zu tun hat, verstehe ich in meiner Dummheit mal wieder nicht, aber was macht’s. Der spezifisch bayerische Blick, der fehlt mir.
Immerhin, ein kleines bißchen darf Herr Mohr noch gegen die wundervolle Gen-Sauberkeit seiner Futtertröge den Finger heben: „Die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf des Bezirks Mittelfranken werden im Jahr 2012 eine öffentliche Expertenanhörung zu gentechnisch veränderten und gentechnikfreien Futtermitteln durchführen“, heißt es in der Pressemitteilung des Bezirks (
http://www.triesdorf.de/index.php?optio ... Itemid=572)
Fazit: Die vielgerühmte Liberalitas Bavariae hört bei Gentechnik auf. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder popelige Lehranstalts-Fachmann seine Kühe füttern könnte wie er wollte!