Ich habe mir nicht alle Kritikpunkte angeschaut. Aber der zu Glyphosat hat mich interessiert. Taube kritisiert m.E.eher den Tenor der DFG-Broschüre. Dass die DFG einen wissenschaftsfreundlichen Ton anschlägt, darf wohl kaum verwundern, es gibt ja nun wirklich reichlich Bedenkenträger in der Debatte - trotzdem hat Taube da m.E. recht.
Es ist allerdings auch kein Review....im Gegensatz zum Paper von Taube. Die von diesem angemahnte Kritik, aufgrund mangelnder Literaturhinweise sei an der Wertneutralität der Autoren zu zweifeln, den Schuh muss sich Taube dann doch selbst anziehen.
So gibt es zu Glyphosat und Mikronährstoffen ein durchaus vielfältigeres Bild, als es Taube und die DFG darstellen. So moniert Taube, dass das folgende Paper von Römheld nicht zitiert wird
http://www.greenfingers.com.au/702-R%F6mheld.pdfund mahnt eine Neubewertung von Glyphosate und entsprechenden GVOs an. Andererseits unterlässt er es, selbst Paper und Gutachten zu zitieren, die doch in der Summe einen anderen Eindruck vermitteln, als uns Taube suggerieren möchte - siehe z.B.:
http://www.escholarship.org/uc/item/3f53794z?query=Mn soybean
http://www.btny.purdue.edu/weedscience/ ... sateMn.pdfhttp://www.fluidjournal.org/1gsdgfs-S10/S10-A4.pdfhttp://www.weeds.iastate.edu/mgmt/2010/glyMndisease.pdfTaube: "An anderer Stelle wird zusammen fassend resümiert:
„Die von Kritikern postulierten negativen Folgen für Umwelt, Tier und Mensch sind in keinem Fall eingetreten“
Dazu ist anzumerken: Diese Aussage ist falsch."
Nun darf man sich schon die Frage stellen, ob die DFG also entweder lügt oder inkompetent ist. Die Praktiker in den USA scheinen es zumindest nicht als Problem anzusehen.
Interessant auch diese beiden Artikel:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18264954http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18283713Das klingt doch alles sehr bemüht. Den Höhepunkt erreicht Taube m.E. durch die immer noch substanzlose Wiederbelebung der AR-Gene als Risikofaktor. Mühsamst deutet er einen Satz in einem Papier von Martinez als Warnung und neue Erkenntnis im Zusammenhang mit AR-Genen. In einem ähnlichen Artikel in der Science erwähnt Martinez AR-Gene in GVOs nicht einmal.
Genial dann die Aufzählung möglicher Risiken, die sich aus dem Einsatz von GVOs ergeben...der Unterschied zwischen Spekulation und Hypothese ist bei Taube et al. fließend:
unerwartete Gen-Gen-Interaktionen (gibt es nur bei GVOs?)
Krebs (erinnert mich an eine Bildschlagzeile von 1993)
Allergien (da fallen mir gleich die philippinischen Maisbauern von Traavik ein)
Horizontaler Gentransfer (wie zufällig tauchen da Namen wie Ebola, HIV, Lyme, CJ auf...ein Narr, der Böses dabei denkt)
und wieder AR-Gene....s.o.
Mit anderen Worten. Es ist der DFG anzulasten, dass ihre Broschüre diese Spekulationen nicht aufnimmt.
Taube et al weisen auch auf den Verlust biologischer Vielfalt auf dem Acker hin, auf die Bedeutung von Mais, Weizen, Reis, auf den Verlust von 90% der indigenen Weizensorten in China....von 1949-1970.
Dann noch Brasilien...
Taube et al versuchen hier die Abholzung des Regenwaldes, den Verlust der Biodiversität mit GVOs in Verbindung zu bringen - dabei sind dies doch Folgen eines erhöhten Bedarfs, der letztlich nur durch höhere Flächenerträge und ggf eine Nutzugsänderung der Konsumenten zu befriedigen ist. Wie kann man einen möglichen Beitrag zur Lösung der Probleme als Ursache umzudeuten versuchen...
Und die Klage, dass die Kosten für die Gentechnik, Investitionen in anderen Bereichen verhindere. Ja, das gilt aber dann wirklich nur für die vergleichsweise bescheidene öffentliche Förderung - und wir in Deutschland geben dafür ja wohl gar kein Geld mehr aus. Oder kennt jemand irgendein Projekt, in dem transgene Nutzpflanzen in Kooperation mit EWL entwickelt werden?
Mein Fazit: ein bemühter, aber doch zu plumper und durchsichtiger Versuch, durch Kritik an der DFG Broschüre, die alten Kritikpunkte zu revitalisieren.
Ich bin nicht begeistert von der DFG-Broschüre....aber Taube schießt den Vogel ab ;-)