Schwein

Gentechnisch veränderte Tiere: Gibt es die schon?

Frage: Anders als bei Pflanzen gibt es offenbar noch keine Nahrungsmittel von gentechnisch veränderten Tieren. Wie kommt das?

Antwort: Die Methoden der klassischen Gentechnik sind gerade bei Nutztieren fehleranfällig, wenig effizient und mit hohen Kosten verbunden. Bei landwirtschaftlich genutzten Tieren gab es bisher wenig Ziele, wo es sich lohnen könnte, sie mit gentechnischen Verfahren zu bearbeiten. Hinzu kommt, dass Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Tieren in Europa und Nordamerika von der Mehrheit der Verbraucher wohl kaum akzeptiert würden.

Aber in den USA sind doch gentechnisch veränderte Lachse zugelassen.

Das ist richtig. Nach jahrelangem Streit haben die US-Behörden sie 2015 für den menschlichen Verzehr genehmigt. Im nächsten Jahr soll der gv-Lachs aber in die Supermärkte kommen.

Und wodurch unterscheiden sich diese gentechnisch veränderten Lachse von normalen?

In die Lachse wurden zwei Gene aus anderen Fischarten übertragen, damit die Lachse schneller wachsen und in kürzerer Zeit ihr Schlachtgewicht erreichen. Wenn man es mal positiv sieht: Auf diese Weise sollten Ressourcen in der Fischzucht - Nährstoffe, Wasser, Flächen - effizienter genutzt werden. Nach zwanzig Jahren und vielen wissenschaftlichen Studien sind die Lachse in den USA als Lebensmittel zugelassen worden. Die Aufzucht der gv-Lachse ist jedoch nur in dafür zertifizierten Fischfarmen mit abgeschlossenen Tanks erlaubt. Damit wird verhindert, dass schnell wachsende gv-Lachse in offene Gewässer gelangen und dort „natürliche“ Lachse verdrängen könnten.

Sind denn noch weitere gentechnisch veränderte Fische zu erwarten?

Speisefische wohl erst einmal nicht. Aber für’s Aquarium: In Taiwan und in den USA sind gentechnisch veränderte Zebrafische und Buntbarsche sehr beliebt. Dank eingeführter Gene für fluoreszierende Proteine leuchten sie in allen verschiedenen Farben. Die sind dort offenbar Kult. Mit Ausnahme Kaliforniens können diese Glofishes wie gewöhnliche Zierfische gehandelt werden.

Bei landwirtschaftlichen Nutztieren spielt die klassische Gentechnik überhaupt keine Rolle?

Geforscht wurde viel, aber kaum etwas ist anwendungsreif geworden. Relativ weit fortgeschritten war ein Projekt an einer kanadischen Universität. Die Wissenschaftler dort hatten Schweine so verändert, dass sie den Phosphoranteil in den Futtermitteln besser verwerten können und dadurch die Phosphatbelastung in der Gülle - oft ein großes Umweltproblem - sinkt. Das Konzept funktioniert, aber niemand wollte das finanzielle Risiko auf sich nehmen, diese Schweine auf den Markt zu bringen. Andere Forschungsvorhaben beschäftigten sich damit, die Widerstandsfähigkeit von Nutztieren gegen verschiedene Infektionskrankheiten zu stärken oder gar Resistenzen zu erzeugen.

Die Eigenschaften tierischer Produkte wie Fleisch, Milch, Eier oder Wolle zu verbessern – wie sieht es da aus mit der Gentechnik?

Auch hier: Es gab Forschung, aber bis heute keine Anwendungen. Bei der Kuhmilch ging es etwa um fettarme, besonders nährstoffreiche oder auch laktosearme Milch für Menschen mit einer Laktose-Intoleranz. Eine weitere Idee war es, über neue, in Schafe eingeführte Gene die Qualität von Wolle zu verändern oder zu optimieren. Wie gesagt: das alles ist weit von jeder kommerziellen Anwendung entfernt.

Gibt es überhaupt Gesetze, die Umwelt und Konsumenten vor möglichen Risiken gentechnisch veränderter Tiere schützen?

Gentechnisch veränderte Tiere unterscheiden sich nicht grundsätzlich von gv-Organismen. In Bezug auf Zulassung, Sicherheitsbewertung oder Kennzeichnung gelten die gleichen Rechtsvorschriften. Für Tiere gibt es jedoch spezielle Kriterien. So hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für die Risikobewertung von gv-Tieren und den daraus hergestellten Produkten umfangreiche Leitlinien erarbeitet. Bisher ist in Europa kein solcher Zulassungsantrag gestellt worden.

Dann ist die Gentechnik bei Tieren also ein Auslaufmodell?

Ja, was die klassische Gentechnik bei landwirtschaftlichen Nutztieren anbetrifft. Aber das hat auch damit zu tun, dass es mittlerweile neue molekularbiologische Verfahren (Genome Editing) gibt, die auch für die Tierzüchtung interessant sind. Damit können einzelne DNA-Bausteine „umgeschrieben“ werden, ohne dass neue Gene eingeführt werden müssen. Sie sind viel präziser als die klassische Gentechnik, aber auch als die herkömmliche Züchtung. Bisher ist noch nicht ganz klar, ob mit solchen Verfahren erzeugte Tiere unter die Gentechnik-Gesetze fallen oder nicht.

Und was ist mit diesen neuen Verfahren möglich?

Derzeit gibt es überall auf der Welt eine Vielzahl von Forschungsprojekten, in denen mit diesen neuen Verfahren gearbeitet wird. Dabei geht es etwa um Resistenzen gegen Infektionskrankheiten wie das PPRS-Virus bei Schweinen oder die Vogelgrippe, aber auch um Fleischqualität, die Unterdrückung bestimmter Allergene in der Kuhmilch oder Rinder, die keine Hörner mehr haben. Bisher scheinen diese Projekte weitaus Erfolg versprechender als solche mit Gentechnik. Genome Editing setzt allerdings voraus, dass der genetische Hintergrund der jeweiligen Eigenschaft ganz genau bekannt ist. Dafür ist viel Genomforschung erforderlich.

Noch mal zurück zur Gentechnik: Gibt es denn außerhalb von Landwirtschaft und Fischzucht gentechnisch veränderte Tiere?

Vergleichsweise neu sind gentechnisch veränderte Insekten. Meist versucht man, durch Einführung von „Sterblichkeits-“ oder „Sterilitäts“-Genen die Vermehrung unerwünschter Insekten einzuschränken, etwa Stechmücken, die an der Verbreitung von Infektionskrankheiten wie Dengue-Fieber oder Malaria beteiligt sind. Aber auch bei Pflanzenschädlingen wie der Olivenfruchtfliege wird das Konzept erprobt. In Nord- und Südamerika haben bereits mehrere Freilandversuche mit solchen Insekten stattgefunden. 2014 wurde in Brasilien erstmals eine gv-Mückenart für die kommerzielle Nutzung zugelassen.

Und in der Medizin?

Da sind gentechnisch veränderte Tiere ja nichts Neues. Schon seit Jahren werden in der medizinischen Forschung gentechnisch veränderte Versuchstiere eingesetzt, um an ihnen neue Arzneimittel oder Therapien zu testen. Ein Beispiel: Bei einer Knockout-Maus werden mithilfe der Gentechnik gezielt bestimmte Gene deaktiviert. Auf diese Weise können die Nagetiere als Modell für menschliche Erkrankungen mit genetischem Hintergrund dienen.

Tiere werden aber auch gentechnisch verändert, damit sie in ihrem Blut oder ihrer Milch bestimmte Arzneimittelstoffe produzieren (Gene Pharming). So sind gv-Ziegen entwickelt worden, die in ihrer Milch ein Medikament gegen Thrombose (Antithrombin) bilden. In Deutschland ist es seit dem Jahr 2008 im Handel erhältlich.

Und Klonen – ist das auch Gentechnik?

Nein, das Klonen ist keine Gentechnik. Da keine neuen Gene eingeführt werden, sind geklonte Tiere keine GVO (gentechnisch veränderte Organismen). Das Klonen ist eine Methode, mit der Wissenschaftler als wertvoll befundene Tiere außerhalb der geschlechtlichen Fortpflanzung vervielfältigen können. Das sind beispielsweise Zuchttiere, Haustiere oder auch bedrohte Tierarten.

In der Europäischen Union soll das Klonen von Nutztieren verboten werden, vor allem aus Gründen des Tierschutzes. Auch Produkte von geklonten Tieren, der Nachwuchs sowie der Import sollen in der EU verboten werden.