Innate, Kartoffel

Neue Kartoffeln: Weniger Acrylamid, keine Braunfärbung - und auch noch krankheitsresistent

In den USA ist eine neue Gentechnik-Kartoffel auf dem Markt. Anders als die bisher genutzten gentechnisch veränderten Pflanzen, soll sie vor allem den Verbrauchern Vorteile bringen: Kartoffeln, die robuster sind, länger frisch bleiben und vor allem beim Erhitzen und Frittieren weniger Arcylamide entstehen lassen. Bei der Kartoffel kam ein gentechnisches Verfahren zum Einsatz, mit dem sich bestimmte Gene „abschalten“ lassen. Inzwischen haben die Behörden in den USA und Kanada weitere Versionen dieser Kartoffel genehmigt. Sie besitzen zusätzlich eine Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule, die überall auf der Welt gefürchtete Kartoffelkrankheit.

White Russet Gentechnik-Kartoffel Innate 1. Generation

Innate-Kartoffeln der 1.Generation sind in den USA bereits in vielen Supermärkten unter dem Markennamen „White Russet“ erhältlich. In einer offensiven Marketingstategie werden ihre besonderen Vorteile herausgestellt. Großes Foto oben: Geschälte Innate-Kartoffel der zweiten Generation im Vergleich mit einer konventionellen Kartoffel. Fotos : J.R.Simplot Company

Fritten

French Fries sind beliebte Kartoffelprodukte in den USA. In den gv-Kartoffeln wird die Bildung von Stoffen reduziert, die bei Verarbeitung unter hohen Temperaturen zu gesundheitlich problematischen Acrylamiden umgewandelt werden können.

Foto: iStockphoto

Innate-Kartoffel 1. Generation

-weniger Acrylamide, weniger grau-schwarze Flecken an Druckstellen, kein Braunwerden nach dem Aufschneiden

-Abschalten bestimmter Gene (Gene silencing)

-in den USA zugelassen November 2014; in Kanada März 2016

-Markteinführung ab 2015

Innate-Kartoffel 2. Generation

-zusätzlich Resistenz gegen Kraut- und Knollenfäule durch ein Gen aus Wildkartoffeln

-in den USA zugelassen September 2015, zwei weitere Sorten Oktober 2016

-Markteinführung ab 2017

-Kanada: Zulassung aller drei Sorten der Innate-Kartoffel der zweiten Generation (Juli 2017)

Die neuen Kartoffeln mit dem Markennamen Innate wurden von der J.R.Simplot Company entwickelt, die als einer der führenden Agrarhändler in den USA Fast Food-Ketten wie McDonalds mit Kartoffeln und French fries (Pommes Frites) beliefert.

Eigentlich erfüllen die neuen gv-Kartoffeln die Anforderungen der Großabnehmer: Sie sind widerstandsfähiger gegen unschöne grau-schwarze Flecken, die bei Transport und Lagerung entstehen, nach dem Schälen und Aufschneiden bleiben sie länger frisch und werden nicht so schnell braun. Vor allem aber sollen bei der Verarbeitung der Kartoffelprodukte weniger unerwünschte Acrylamide entstehen. Diese stehen im Verdacht, das Erbgut zu verändern und Auslöser von Krebs zu sein. Acrylamide bilden sich bei den für das Aroma wichtigen Bräunungsvorgängen, wenn stärkehaltige Produkte unter hohen Temperaturen gegrillt, gebacken oder geröstet werden, besonders beim Frittieren von Kartoffeln.

Bei der Innate-Kartoffeln wurden in den Knollen die für die Bildung von Acrylamiden notwendigen Ausgangsstoffe reduziert: die Aminosäure Asparagin sowie bestimmte Zucker. Um das zu erreichen, haben die Wissenschaftler bei Simplot entsprechende Stoffwechselwege in den Knollen unterdrückt oder eingeschränkt, indem sie Gene für daran beteiligte Enzyme durch eingeführte passende DNA-Sequenzen „stillgelegt“ haben (RNA-Interferenz, Gene Silencing). Mit der gleichen Technologie wurden noch weitere Gene „abgeschaltet“ und damit die Bildung weiterer Enzyme blockiert. Damit wurde erreicht, dass die Kartoffel nicht so schnell Druckstellen bekommt und nach dem Anschneiden länger „weiß“ bleibt. Aus anderen Pflanzenarten oder Organismen stammende Gene wurden nicht übertragen.

Die ersten Innate-Kartoffeln (1. Generation) wurden im November 2014 von der US-Landwirtschaftsbehörde (USDA) zugelassen. 2015 wurden sie auf zunächst 160 Hektar kommerziell angebaut, 2017 waren es schon 2500 Hektar.

Die Firma Simplot will sich zunächst auf die Vermarktung der gv-Kartoffel als frische Speisekartoffel (White Russet) konzentrieren, um die Verbraucher von ihren Vorteilen zu überzeugen - in der Hoffnung, dass die großen Fast-Food-Ketten dann nachziehen. Das ist bislang jedoch nicht der Fall. So haben McDonalds und Frito-lay bereits deutlich gemacht, die Innate-Kartoffel nicht verarbeiten zu wollen. Dennoch sind nach Angaben von Simplot 2015 und 2016 bereits etwa 18.000 Tonnen der Innate-Kartoffeln (ein Prozent des Kartoffelverbrauchs) verkauft worden. In aufwändigen Marketingkampagnen werden die besonderen Eigenschaften herausgestellt: Druckfestigkeit, weniger Abfälle, weniger Acrylamid beim Braten und Frittieren. Seit Frühjahr 2017 sind Innate-Kartoffeln der 1. Generation auch in Australien und Neuseeland als Lebensmittel zugelassen. Weitere Länder sollen bald folgen.

Im September 2015 wurde in den USA der Anbau einer weiteren Innate-Kartoffel (2. Generation, W8) zugelassen, die zusätzlich eine Resistenz gegen die Kraut-und Knollenfäule (Phytophthora infestans) besitzt. Für die Resistenz wurde ein Gen aus einer argentinischen Wildkartoffel übertragen (Rpi-vnt1). Dabei wurde ausschließlich Erbmaterial aus Kartoffel verwendet. Ein solcher Ansatz - nur arteigenes Erbmaterial zu nutzen - wird als cisgen bezeichnet. Nach Angaben des Unternehmens kann auf Feldern mit diesen resistenten Kartoffeln der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Fungizide) um etwa 50 Prozent gesenkt werden.

Ein Jahr später erfolgte die Zulassung zweier weiterer Innate-Kartofelsorten mit den gleichen Eigenschaften (X17, Y9), auch sie mit einer Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule. Die Innate-Kartoffeln der zweiten Generation werden voraussichtlich ab 2017 kommerziell angebaut. Seit Sommer 2017 sind sie auch in Kanada für den Anbau und als Lebensmittel zugelassen.