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Milch, Eier, Fleisch: Futter aus gentechnisch veränderten Pflanzen ohne Einfluss

Viele Tiere, die Lebensmittel liefern, erhalten Futter mit einem hohen Anteil an gentechnisch veränderter Sojabohnen. Damit erzeugte Produkte werden von Anti-Gentechnik-Gruppen abfällig als Gen-Milch, Gen-Fleisch oder Gen-Eier bezeichnet. Viele Konsumenten sind deswegen verunsichert und lassen solche Produkte im Zweifel lieber im Regal stehen. Doch: Ob Tiere mit konventionellen oder gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden, hat keinen nachweisbaren Einfluss auf die Lebensmittel.

In Futtermitteln sind häufig Rohstoffe aus gentechnisch verändertem (gv-) Sojabohnen, manchmal auch gv-Mais enthalten. Wissenschaftler haben in zahlreichen Fütterungsstudien untersucht, welchen Einfluss gv-Pflanzen auf die Gesundheit der Tiere und die Qualität der daraus erzeugten Lebensmittel haben.

Milch bleibt Milch. Werden Tiere mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert, hat das keinen nachweisbaren Einfluss auf das Nahrungsmittel. Das ist in zahlreichen Studien mehrfach bestätigt worden.

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Auch Eier werden durch das Futter nicht zu Gen-Eiern : Es macht keinen Unterschied, ob die Hühner konventionelle oder gentechnisch veränderte Sojabohnen im Futter hatten.

Rinder, Langzeitfütterung Bt-Mais

Langzeitstudie: Bt-Mais im Futter ohne Einfluss. Im Auftrag der bayerischen Landesregierung wurde Bt-Mais über 25 Monate an Milchkühe verfüttert. Negative Einflüsse konnten nicht festgestellt werden. Auch in der Milch fanden sich keine gentechnik-spezifischen DNA-Spuren.

Foto: Patrick Gürtler /TUM

Eine der umfangreichsten Studien zum Einfluss von Bt-Mais im Futter von Milchkühen wurde vom bayerischen Landwirtschaftsministerium in Auftrag gegeben. Über 25 Monate wurde dem Futter für zwei Gruppen von je 18 Milchkühen ein maximaler, aber bedarfsgerechter Maisanteil beigemischt. Eine Gruppe erhielt Futter mit Bt-Mais, eine Kontrollgruppe Produkte mit einer vergleichbaren konventionellen Sorte.

Monatlich untersuchten die Wissenschaftler Proben der Exkremente, des Blutes sowie der Milch der Kühe. Außerdem wurden Gesundheit und Fruchtbarkeit der Tiere geprüft. Für den Nachweis von DNA aus dem Futter in der Milch wurde ein besonders empfindliches DNA-Analyseverfahren entwickelt. Die 2009 veröffentlichten Ergebnisse der Untersuchungen gaben keinerlei Hinweis auf eine Beeinträchtigung der Gesundheit und Fruchtbarkeit der Tiere. In der Milch konnten keine Komponenten des transgenen Materials des Bt-Maises gefunden werden.

Verdaut und nicht mehr funktionell: Gene aus Futterpflanzen

Die Studie bestätigte die Ergebnisse verschiedener anderer Untersuchungen mit Milchkühen und Legehennen, die Futter mit einem gewissen Anteil an gv-Mais oder gv-Soja erhielten. Es konnten Spuren pflanzlicher DNA im Kot, Blut und in verschiedenen Geweben und Organen der Tiere nachgewiesen werden. Auch in der Milch fanden sich Fragmente pflanzlicher DNA, nicht aber in Eiern. In keiner der Studien konnte hingegen die DNA-Sequenz gefunden werden, die die Information für das neue Merkmal der transgenen Pflanze enthält, weder bei der Untersuchung der Tiere (Gewebe, Blut, Organe) noch in den Produkten (Milch, Eier, Fleisch).

In einzelnen Studien ließ sich jedoch für gv-Futterpflanzen spezifische DNA im Gewebe von Tieren nachweisen. Der bloße Nachweis solcher DNA-Fragmente ist aber nicht mit einem höheren Risiko verbunden, betont das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Stellungnahme. Denn es handelt sich in der Regel nicht um funktionelle Gene, sondern um kurze DNA-Bruchstücke. So hat ein italienisches Forscherteam im Blut und in der Milch von trächtigen Ziegen, die Futter mit gentechnisch veränderten Sojabohnen erhalten hatten, DNA-Fragmente solcher Pflanzen entdeckt. Auch in verschiedenen Organen der mit der Milch gesäugten Nachkommen wurden kleine Bruchstücke des in die gv-Futterpflanzen neu eingeführten Gens gefunden.

DNA ist ein Bestandteil der täglichen Nahrung. Jeder Mensch nimmt täglich etwa 0,1 bis 1 g DNA auf. Ganz gleich, ob diese DNA aus Tieren, Pflanzen oder Bakterien stammt: Sie verändert weder die Menschen, noch die Tiere, die sie mit dem Futter aufnehmen. Als Bestandteil der Nahrung sind Gene eine harmlose Chemikalie, die im Magen oder im Darm schnell abgebaut wird.

Die Wissenschaftler sind sich einig, dass das Erbmaterial gentechnisch veränderter Pflanzen genauso verdaut wird wie das konventioneller Pflanzen. Bruchstücke der DNA können das Gewebe des Darms durchwandern, ins Blut und von dort aus in den gesamten Körper gelangen. Der Transport von fremder DNA aus dem Verdauungstrakt in bestimmte Organe ist demnach ein natürlicher Prozess. Dennoch ist es sehr unwahrscheinlich, dass Fremd-Gene aus Futterpflanzen im tierischen Organismus aktiv werden, da die Erbsubstanz bereits im Verdauungstrakt in kleine, nicht funktionelle Bruchstücke zerlegt wird.