EU-Regulierung für Lebensmittelenzyme: Zulassungspflicht, aber keine Gentechnik-Kennzeichnung

Lange Zeit war der Einsatz von Enzymen bei Lebensmitteln in Europa nicht geregelt. Seit 2009 ist das anders. Nur Enzyme, die in eine „Gemeinschaftsliste“ eingetragen sind, dürfen verwendet werden. Eine besondere Kennzeichnung von Enzymen, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt werden, ist auch künftig nicht vorgesehen.

Enzyme, Forschung

Biotechnische Herstellung von Enzymen. Sind die Mikroorganismen gentechnisch verändert, ist auch in Zukunft keine Kennzeichnung vorgesehen.

Fotos: Novozymes

Enzyme dürfen künftig in der Lebensmittelherstellung nur verwendet werden, wenn sie in einer europäischen Gemeinschaftsliste eingetragen sind.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit prüft, ob ein Enzym die vorgesehenen Bedingungen erfüllt. Ist das der Fall, wird es in die Gemeinschaftsliste eingetragen. Die Pflicht zur Überprüfung gilt auch für Enzyme, die vor dem Inkrafttreten der neuen Vorschriften verwendet wurden.

Inzwischen sind erste Sicherheitsbewertungen von Lebensmittelenzymen abgeschlossen.

Bis zum Inkrafttreten der neuen EU-Verordnungen gab es in Deutschland kaum Beschränkungen für den Einsatz von Enzymen in Lebensmitteln. Enzyme wurden als technische Hilfsstoffe angesehen, die nicht besonders zugelassen werden mussten.

Inzwischen darf ein Lebensmittelenzym nur dann verwendet werden, wenn es in eine europäische „Gemeinschaftsliste“ eingetragen ist. Die Aufnahme muss beantragt werden. Sie erfolgt nur, wenn das Enzym „für den Verbraucher gesundheitlich unbedenklich“ ist. Außerdem muss für das Enzym, ähnlich wie bei Zusatzstoffen, eine „technologische Notwendigkeit“ bestehen, und der Verbraucher darf durch seine Verwendung nicht irregeführt werden. Ob ein Enzym die Voraussetzungen für eine Aufnahme in die Gemeinschaftsliste erfüllt, wird von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geprüft.

Auch für Enzyme, die schon länger verwendet werden, muss ein Antrag gestellt werden. Die Hersteller haben darin die Unbedenklichkeit ihrer Präparate und des Herstellungsverfahrens auf Basis wissenschaftlicher Daten zu belegen.

Werden Enzyme mit Bakterien, Hefen oder Pilzen produziert, dürfen dabei keine toxikologisch bedenkliche „Begleitstoffe“ entstehen. Handelt es sich um gentechnisch veränderte Mikroorganismen, muss ein Verfahren vorhanden sein, um sie nachweisen zu können, falls sie unbeabsichtigt in das Produkt oder die Umwelt gelangen sollten.

Kennzeichnung: Nur bei technologischer Wirkung

Eine Deklaration ist nur für solche Enzyme vorgesehen, die im Endprodukt eine technologische Funktion erfüllen. Dies trifft für die als Zusatzstoffe geltenden Enzyme Invertase und Lysozym zu. Auf der Zutatenliste des jeweiligen Produkts müssen solche Enzyme mit Name und Funktion aufgeführt werden. Das sind jedoch Ausnahmefälle: In der Regel werden Enzyme nur während einer bestimmten Phase des Herstellungsprozesses benötigt. Später werden sie entfernt oder durch Hitze inaktiviert.

Besondere Anforderungen für Enzyme, die mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen hergestellt werden, gibt es nicht. Für sie gelten die gleichen Sicherheitsanforderungen wie für alle anderen Enzyme. Eine spezifische Gentechnik-Kennzeichnung ist grundsätzlich nicht vorgesehen.