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Futter für Europas Nutztiere:
In der Regel mit gentechnisch veränderten Sojabohnen

Europa produziert zu wenig eiweißreiche Futterpflanzen für seine Nutztiere und ist deswegen auf die Einfuhr großer Mengen an Sojabohnen angewiesen. Die sind im Regelfall "mit Gentechnik": Über achtzig Prozent der Welt-Sojaproduktion ist gentechnisch verändert.  "Gentechnikfreie" Ware ist nur noch aus einigen Regionen Brasiliens zu beziehen. Einige Länder, etwa Deutschland und Österreich, wollen nur wieder verstärkt heimische Eiweißpflanzen anbauen. Doch so einfach ist es nicht, die Sojaimporte zu ersetzen.

Europa hat eine immense "Eiweißlücke": Es werden viel zu wenig Futterpflanzen angebaut, um die großen Nutztierbestände - vor allem Schweine und Geflügel, aber auch Rinder - ernähren zu können. Ohne  Sojaimporte im großen Stil wäre in Europa die Erzeugung tierischer Lebensmittel auf dem derzeitigen Niveau nicht möglich.

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Was wäre, wenn es keine Sojaimporte mehr gäbe.... Deutschland führt jährlich etwa 4,5 Millionen Tonnen Sojarohstoffe (Bohnen und Schrot) ein. Wenn die gleiche Menge in Deutschland erzeugt werden sollte, würden dafür große Flächen benötigt:

  • 1,5 - 2 Mio. Hektar, wenn der Bedarf durch heimischen Sojaanbau gedeckt werden sollte;

  • 3,5 Mio. Hektar, wenn die gleiche Eiweißmenge durch Ackerbohnen und

  • 7,0 Mio. Hektar, wenn sie durch Süßlupinen erzeugt werden sollte.

Gesamte landwirtschaftliche Fläche in Deutschland: 18 Mio. Hektar

Foto: Süßlupine

Der globale Sojahandel:

Produktion weltweit: 240 Mio. t

Haupterzeugerländer:

  • USA 85 Mio. t
    (GVO-Anteil: 93 Prozent)

  • Brasilien 67 Mio. t
    (GVO-Anteil: 88 Prozent)

  • Argentinien 40 Mio. t
    (GVO-Anteil: 100 Prozent)

  • Paraguay 4,4 Mio. t
    (GVO-Anteil 95 Prozent)

Einfuhr in die EU:

  • Sojabohnen 12 Mio. t

  • Sojaschrot 21 Mio. t

(Zahlen: 2011/12)

Jährlich werden etwa 35 Millionen Tonnen Sojabohnen und -schrot aus Nord- und Südamerika in die Europäische Union verschifft - rein rechnerisch sind das 65 Kilogramm für jeden EU-Bürger. In allen wichtigen Erzeugerländern haben sich gentechnisch veränderte (gv-) Sojabohnen durchgesetzt: In USA, Argentinien und inzwischen auch in Paraguay sind sie zum Standard geworden. Offenkundig bringt das System aus gv-Sorten und dem dazu passenden HerbizidHerbizid vor allem bei der Unkrautbekämpfung den Landwirten wirtschaftliche Vorteile. Daran hat auch die vor allem in Südamerika zunehmende Kritik an einem übermäßigen Herbizideinsatz wenig geändert.

Wenn gv-Sojabohnen einmal zugelassen sind, dann gibt es in diesen Ländern keine besonderen Regeln, die Landwirte und Händler beachten müssen: Die Gentechnik-Ware wird nicht getrennt - weder bei der Aussaat und Ernte, noch bei Transport, Lagerung und Verarbeitung.

Auch im für Europa wichtigsten Erzeugerland Brasilien werden inzwischen überwiegend gv-Sojabohnen angebaut. In den letzten Jahren ist deren Anteil auf etwa 90 Prozent gestiegen.

Standard-Sojarohstoffe, wie sie auf den internationalen Agrarmärkten gehandelt werden, bestehen daher zu einem nicht unerheblichen Anteil aus gv-Sojabohnen.

Mischfutter, das europäische Landwirte zukaufen, wenn sie auf dem eigenen Hof nicht genug Futtermittel erzeugen, enthalten in der Regel gv-Sojabohnen. Die Futtermittel müssen entsprechend gekennzeichnet sein, wenn der gv-Soja-Anteil den Kennzeichnungsschwellenwert von 0,9 Prozent übersteigt.

Wo kommt das "gentechnik-freie" Sojafutter her?

Lebensmittelhersteller in Deutschland können Eier, Milchprodukte, Fleisch- und Wurstwaren mit dem "ohne Gentechnik"-Siegel auszeichnen und so gentechnik-kritische Kunden ansprechen. Voraussetzung dafür ist, dass die Tiere zumindest über eine bestimmte Zeitperiode konventionelles Futter ohne gv-Sojabohnen erhalten haben.

"Gentechnikfreie" Sojabohnen stammen in der Regel aus einigen Regionen Nordbrasiliens. Dort werden ausschließlich konventionelle Sojabohnen angebaut. Der Transport, die Ernte und die Verschiffung nach Europa werden so organisiert, dass "zufällige, technisch unvermeidbare" Beimischungen von gv-Soja so gering wie möglich bleiben und den für die Kennzeichnung maßgebenden Schwellenwert von 0,9 Prozent nicht überschreiten. (Angestrebt wird ein GVO-Anteil von 0,1 Prozent.)

In den Häfen Brasiliens wird vor der Verladung auf die Schiffe eine Analyse der Sojarohstoffe auf ihren GVO-Anteil vorgenommen und ein Zertifikat ausgestellt. Für zertifizierte "gentechnik-freie" Sojabohnen wird ein Preisaufschlag berechnet.

Nach Angaben des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) ist von der Sojaernte im Brasilien ein Anteil von knapp 10 Prozent (6 von 74 Millionen Tonnen) als "gentechnik-frei" zertifiziert. Derzeit ist die angebotene Menge größer als die Nachfrage in Europa.

Einheimische Alternativen zu den Sojaimporten?

Europa hat einen großen Teil seiner Futtermittelerzeugung nach Nord- und Südamerika ausgelagert und nimmt dort große Flächen in Anspruch. Umwelt- und entwicklungspolitische Gruppen kritisieren diese Abhängigkeit der europäischen Landwirtschaft von Sojaimporten - nicht nur weil so gentechnisch veränderte Sojabohnen nach Europa kommen, sondern wegen der oft wenig nachhaltigen Bedingungen, unter denen dort Sojabohnen angebaut werden, etwa Monokulturen, Waldrodungen oder Chemikalieneinsatz.

Es wird daher eine "europäische Eiweißstrategie" gefordert. Doch ein Anbau eiweißreicher Futterpflanzen in Europa, der auch nur ansatzweise die Sojaimporte ersetzten könnte, ist schwierig.

Nach ersten Versuchen in den 1930er-Jahren werden inzwischen vor allem in Süddeutschland wieder Sojabohnen angebaut. Allerdings: Sojabohnen benötigen ein feucht-warmes Klima wie es allenfalls in Südeuropa anzutreffen ist. Die Hauptanbauländer Italien, Frankreich, Österreich, Rumänien und Ungarn ernten jährlich knapp eine Million Tonnen Sojabohnen, gerade mal drei Prozent der europäischen Einfuhren.

Als heimische eiweißreiche Futterpflanzen kommen auch Süßlupinen, Ackerbohnen oder Futtererbsen in Frage. Doch: Ihr Anbau ist in der Regel aufwändiger als bei Sojabohnen und ihr Eiweißanteil geringer. Vor allem aber: Um die gesamten Sojabohnen zu ersetzen, sind große Anbauflächen erforderlich. Allein in Deutschland würden je nach Kulturart zusätzliche landwirtschaftliche Flächen zwischen 3,5 und 7 Millionen Hektar benötigt, um vollständig auf Sojaimporte verzichten zu können.

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Sojabohnen: Anbau in Europa? Europa erzeugt nicht genug Futtermittel für seine Nutztiere. Vor allem eiweißreiche Futtermittel fehlen - deswegen müssen jährlich 35 Millionen Tonnen Sojarohstoffe vorwiegend aus Nord- und Südamerika importiert werden. Nun wollen Agrarpolitiker diese "Eiweißlücke" schließen Doch wie? Sojabohnen benötigen ein feucht-warmes Klima. Inzwischen arbeiten die Züchter an neuen Sorten, die besser an das trockene und kühlere Mitteleuropa angepasst sind. Durchaus mit Erfolg: In den letzten Jahren haben hier die Sojaflächen zugenommen, 2010 waren es in Österreich 35.000, in Deutschland 5.000 Hektar. Doch um die Sojaimporte vollständig zu ersetzen, wären allein Deutschland 1,5 bis 2 Millionen Hektar nötig.
Foto: Feld mit Sojabohnen bei Breisach (Oberrhein)
Gv-Sojabohnen haben sich weltweit durchgesetzt: Auf sie entfallen drei Viertel der Welt-Sojaerzeugung. Anfangs waren ausschließlich gv-Sorten mit Herbizidresistenzen auf dem Markt. Inzwischen sind in Nordamerika auch Sojabohnen mit veränderter Fettsäurezusammensetzung erhältlich.
Lebensmittel mit sojahaltigen Zutaten.

transGEN-Datenbank Lebensmittel: Sojasoße, Margarine, Mayonnaise, Schokoriegel

16. April 2013 [nach oben springen]

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