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Futter für Europas Nutztiere:
Kaum Alternativen zum Import von (gentechnisch veränderten) Sojabohnen

Europa produziert zu wenig eiweißreiche Futterpflanzen für seine Nutztiere und ist deswegen auf die Einfuhr großer Mengen an Sojabohnen angewiesen. Die sind im Regelfall "mit Gentechnik": Über siebzig Prozent der Welt-Sojaproduktion ist gentechnisch verändert.  "Gentechnikfreie" Ware ist nur noch aus einigen Regionen Brasiliens zu beziehen.

Europa hat eine immense "Eiweißlücke": Es werden viel zu wenig Futterpflanzen angebaut, um die großen Nutztierbestände - vor allem Schweine und Geflügel, aber auch Rinder - ernähren zu können. Ohne  Sojaimporte im großen Stil wäre in Europa die Erzeugung tierischer Lebensmittel auf dem derzeitigen Niveau nicht möglich.

Was wäre, wenn es keine Sojaimporte mehr gäbe.... Deutschland führt jährlich etwa 4,5 Millionen Tonnen Sojarohstoffe (Bohnen und Schrot) ein. Wenn die gleiche Menge in Deutschland erzeugt werden sollte, würden dafür große Flächen benötigt:

  • 1,5 - 2 Millionen Hektar, wenn der Bedarf durch heimischen Sojaanbau gedeckt werden sollte;

  • 3,5 Mio. ha, wenn die gleiche Eiweißmenge durch Ackerbohnen und

  • 7,0 Mio. ha, wenn sie durch Süßlupinen erzeugt werden sollte.

Gesamte landwirtschaftliche Fläche in Deutschland: 18 Mio. ha

Der globale Sojahandel:

Produktion weltweit: 260 Mio.t

Haupterzeugerländer:

  • USA 91 Mio.t
    (GVO-Anteil: 94 Prozent)

  • Brasilien 74 Mio.t
    (GVO-Anteil: 97 Prozent)

  • Argentinien 55 Mio.t
    (GVO-Anteil: 77 Prozent)

  • Paraguay 10 Mio. t
    (GVO-Anteil 95 Prozent)

Einfuhr in die EU:

  • Sojabohnen 13 Mio.t

  • Sojaschrot 22 Mio.t

(Zahlen: 2010/09)

Jährlich werden etwa 35 Millionen Tonnen Sojabohnen und -schrot aus Nord- und Südamerika in die Europäische Union verschifft. In allen wichtigen Erzeugerländer haben sich gentechnisch veränderte (gv-) Sojabohnen durchgesetzt: In USA, Argentinien und inzwischen auch in Paraguay sind sie zum Standard geworden. Offenbar bringt das System aus gv-Sorten und dem dazu passenden HerbizidHerbizid vor allem bei der Unkrautbekämpfung den Landwirten wirtschaftliche Vorteile. Daran hat auch die vor allem in Südamerika zunehmende Kritik an einem übermäßigen Herbizideinsatz wenig geändert.

Für gv-Sojabohnen gibt es in diesen Ländern keine besondere Regeln: Die Gentechnik-Ware wird nicht getrennt - weder bei der Aussaat und Ernte, noch bei Transport, Lagerung und Verarbeitung.

Auch im für Europa wichtigsten Erzeugerland, Brasilien, werden inzwischen überwiegend gv-Sojabohnen angebaut. In den letzten Jahren ist deren Anteil auf über 80 Prozent gestiegen.

Standard-Sojarohstoffe, wie sie auf den internationalen Agrarmärkten gehandelt werden, bestehen daher zu einem nicht unerheblichen Anteil aus gv-Sojabohnen.

Mischfutter, das europäische Landwirte zukaufen, wenn sie auf dem eigenen Hof nicht genug Futtermittel erzeugen, enthalten in der Regel gv-Sojabohnen. Die Futtermittel müssen entsprechend gekennzeichnet sein, wenn der gv-Soja-Anteil den Kennzeichnungsschwellenwert von 0,9 Prozent übersteigt.

Wo kommt das "gentechnik-freie" Sojafutter her?

Lebensmittelhersteller in Deutschland können Eier, Milchprodukte, Fleisch- und Wurstwaren mit dem "ohne Gentechnik"-Siegel auszeichnen und so gentechnik-kritische Kunden ansprechen. Voraussetzung dafür ist, dass die Tiere zumindest über eine bestimmte Zeitperiode konventionelles Futter erhalten haben.

"Gentechnikfreie" Sojabohnen stammen in der Regel aus einigen Regionen Nordbrasiliens. Dort werden ausschließlich konventionelle Sojabohnen angebaut. Der Transport, die Ernte und die Verschiffung nach Europa werden so organisiert, dass "zufällige, technisch unvermeidbare" Beimischungen von gv-Soja so gering wie möglich bleiben und den für die Kennzeichnung maßgebenden Schwellenwert von 0,9 Prozent nicht überschreiten.

In den Häfen Brasiliens wird vor der Verladung auf die Schiffe eine Analyse der Sojarohstoffe auf ihren GVO-Anteil vorgenommen und ein Zertifikat ausgestellt. Für zertifizierte "gentechnik-freie" Sojabohnen wird ein Preisaufschlag berechnet.

Nach Angaben des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) ist von der Sojaernte im Brasilien ein Anteil von knapp 10 Prozent (6 von 74 Millionen Tonnen) als "gentechnik-frei" zertifiziert. Derzeit ist die angebotene Menge größer als die Nachfrage in Europa.

Einheimische Alternativen zu den Sojaimporten?

Europa hat einen großen Teil seiner Futtermittelerzeugung nach Nord- und Südamerika ausgelagert. Umwelt- und entwicklungspolitische Gruppen kritisieren diese Abhängigkeit der europäischen Landwirtschaft von Sojaimporten - nicht nur weil so gentechnisch veränderte Sojabohnen nach Europa kommen, sondern wegen der wenig nachhaltigen Bedingungen im Sojaanbau, etwa Monokulturen, Waldrodungen oder Chemikalieneinsatz. Es wird daher eine "europäische Eiweißstrategie" gefordert. Doch ein Anbau eiweißreicher Futterpflanzen in Europa, der auch nur ansatzweise die Sojaimporte ersetzten könnte, ist schwierig.

Nach ersten Versuchen in den 1930er-Jahren werden inzwischen vor allem in Süddeutschland wieder Sojabohnen angebaut. Allerdings: Sojabohnen benötigen ein feucht-warmes Klima wie es allenfalls in Südeuropa anzutreffen ist. Die Hauptanbauländer Italien, Frankreich, Österreich, Rumänien und Ungarn ernten jährlich knapp eine Million Tonnen Sojabohnen, gerade mal drei Prozent der europäischen Einfuhren.

Als heimische eiweißreiche Futterpflanzen kommen Süßlupinen, Ackerbohnen oder Futtererbsen in Frage. Doch: Ihr Anbau ist in der Regel aufwändiger als bei Sojabohnen und ihr Eiweißanteil geringer. Vor allem aber: Um die gesamten Sojabohnen zu ersetzen, sind große Anbauflächen erforderlich. Allein in Deutschland würden je nach Kulturart zusätzliche landwirtschaftliche Flächen zwischen 3,5 und 7 Millionen Hektar benötigt, um vollständig auf Sojaimporte verzichten zu können.

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Sojabohnen: Anbau in Europa? Bei der Tierfütterung besteht in Europa eine große "Eiweißlücke", die derzeit fast ausschließlich mit 35 Millionen Tonnen Import-Sojabohnen geschlossen wird. Der Anbau von Sojabohnen ist nur in Regionen mit feucht-warmem Klima möglich. Europa - in erster Linie Italien, Rumänien und Frankreich - trägt daher nur etwa 1,5 Prozent zur globalen Erzeugung bei. In Deutschland und Österreich ist seit den 1930er-Jahren immer wieder versucht worden, den Anbau von Sojabohnen zu fördern, etwa durch Züchtung von klimaangepassten Sorten. 2010 betrugen die Sojaflächen in Österreich 35.000, in Deutschland 3000 Hektar.
Foto: Sojafeld bei Hockenheim
Lebensmittel mit sojahaltigen Zutaten.

transGEN-Datenbank Lebensmittel: Sojasoße, Margarine, Mayonnaise, Schokoriegel

Info+
Gentechnisch veränderte Sojabohnen: Globale Anbauflächen, Verwendung als Lebens- und Futtermittel
23. Februar 2012 [nach oben springen]

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