Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln
  Fr 03.09.2010 | 06:46 Uhr
Wissen, was ist.
TransGen Lebensmitteldatenbank
Sie wollen wissen, wo  Gentechnik eine Rolle spielen könnte?
Sie können nach Pflanzen, Lebensmitteln, Zutaten oder Zusatzstoffen suchen:
Alle Einträge in der Übersicht:
Pflanzen
Lebensmittel
Zutaten und Zusatzstoffe
Zusatzstoffe nach
E-Nummern
Enzyme

TransGen Forum
Newsletter
Im Abo. Neuigkeiten und Hintergrundinformationen
Forum Bio- und Gentechnologie
Schriftgröße ändern
1 2 3

Mais und Bienen

Bt-Mais: Pollen im Honig


Bienen sammeln Nektar und Pollen - und das weiträumig. Sie kümmern sich nicht um Ackergrenzen und  unterscheiden nicht zwischen gentechnisch veränderten und konventionellen Pflanzen. Anlass zur Sorge für die Imker, wenn gentechnisch veränderter Mais angebaut wird.

Keine Frage: Wenn gentechnisch veränderter Mais auf den Feldern steht, findet sich dessen Pollen auch im Honig wieder. Zwar nur in verschwindend geringen Mengen - aber dennoch. Die Verunsicherung ist groß: Wie viel Maispollen kann eigentlich in den Honig gelangen? Werden Verbraucher Honig akzeptieren, der durch gv-Pollen "verunreinigt" ist?  Da steht der Ruf eines "Natur"-Produktes auf dem Spiel, denn mit Honig verbindet sich die Vorstellung von einem durch fleißige Bienen eingesammelten Stück unberührte Natur.

Pollen im Honig. Wenn Bienen Nektar sammeln, schleppen sie auch Pollen mit. Pollen ist auch im Honig zu finden, aber nur in geringen Anteilen von 0,1 bis 0,5 Prozent.

Bild vergrößern
Maisblüten sind für Bienen nicht attraktiv, da sie keinen Nektar bilden. Im Honig sind Maispollen kaum zu finden.

Bild vergrößern
Rapsblüten werden intensiv von Bienen beflogen. Sein Pollen ist häufig in Honig zu finden. Noch wird in Europa kein gentechnisch veränderter Raps angebaut.

Die Bienen und der Pollen

Honig ist Nahrungsmittel der Bienen. Aus dem Blütennektar, den die Honigbiene aus unzähligen Blüten sammelt, wird in ihrem "Honigmagen" mit Hilfe körpereigener EnzymeEnzyme Honig, den sie in ihren Waben lagert. 

Aber Bienen sammeln nicht nur Nektar, sondern auch Pollen, den sie in Form kleiner Bällchen, den so genannten Pollenhöschen an ihren Hinterbeinen transportieren. Im Bienenstock werden die Pollenhöschen von den Beinen abgestreift und in Wabenzellen gelagert. Pollen ist reich an Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten und Vitaminen und dient den Bienen zur Aufzucht ihrer Larven und Jungbienen.

Der Pollen ist so klein und zahlreich, dass genug im Haarkleid der Tiere hängen bleibt, um damit andere Blüten zu bestäuben oder in den Honig zu gelangen. Denn so wie Staub im Haus, ist Pollen im Bienenstock überall. Er gelangt aber auch mit dem Nektar in den Honigmagen. 

Etwa 0,1 - 0,5 Prozent des Honigs besteht aus Pollen, der so nebenbei und ungewollt im Honig landet. Dabei ist Pollen auch für die menschliche Ernährung ein durchaus wertvoller Bestandteil des Honigs. 

Pollen enthält die männlichen Keimzellen und damit die Erbinformation der ganzen Pflanze. Ist diese gentechnisch verändert, so ist der Pollen auch Träger dieser gentechnischen Veränderung. Im Gegensatz zum Pollen enthält Nektar keine Erbinformation.

Mais ist für Bienen nicht sehr attraktiv

Bienen sammeln in einem Umkreis von etwa zwei Kilometern um den Bienenstock. Bei der Wahl der Blüten, die sie anfliegen, spielt es keine Rolle, ob diese gentechnisch verändert sind oder nicht. Sie entscheiden nach der Attraktivität der Blüten. Dabei spielen Blütenfarbe, Saftmale, Duft und die scheinbare Zahl der Staubbeutel als Lockmittel eine wichtige Rolle. Diese Lockmittel haben sich im Laufe der Evolution zwischen Bienen bzw. Insekten und Pflanzen entwickelt. Einige Pflanzen werden deshalb nur von bestimmten Insekten bestäubt. 

Im Unterschied etwa zu Raps ist Mais für Bienen nicht besonders attraktiv. Die männlichen Blüten an der Spitze der Maispflanze bilden zwar reichlich Pollen, aber keinen Nektar. Dennoch: als Pollenlieferant spielt Mais in seiner Blühzeit für Bienen durchaus eine Rolle. In 50 Prozent der Honige aus den Ackerbaugebieten findet sich Maispollen, allerdings in geringen Mengen. Hierbei spielt eine Rolle, dass der sehr große Maispollen, wenn er in den "Honigmagen" der Biene gelangt, bei der Honigreifung zu großen Teilen herausgefiltert wird. 

Um zu testen, wie viel Maispollen von Bienen gesammelt wird, wurden bei einem Versuch im Alpenvorland Niederösterreichs (Fachzeitschrift MAIS 4/2003) zur Maisblüte fünf Bienenvölker im zentralen Bereich von rund 50 Hektar Maisfeldern aufgestellt. Die Felder waren unterbrochen durch Wiesen- und Gartenanlagen. Die Untersuchung der Pollenhöschen ergab einen durchschnittlichen Maispollenanteil von 7,3 Prozent.

Bei einem Gesamtpollenanteil im Honig von maximal 0,5 Prozent, wird der  Maispollenanteil im Honig in der Regel also unter 0,1 Prozent bleiben.

Auskreuzung - nicht durch Bienen

Mais wird durch den Wind bestäubt. Männliche und weibliche Blütenteile sind getrennt in einer Pflanze. An der Spitze befindet sich der verzweigte männliche Blütenstand, der den Pollen liefert. Die weiblichen Blüten sitzen seitlich an den Stängeln und bilden lange klebrige Narbenfäden, die den Pollen auffangen. Aus ihnen entwickeln sich später die Maiskolben. Männliche und weibliche Blüten sind räumlich so weit voneinander entfernt, dass die Bienen mit ihrer Pollenfracht aus der männlichen Blüte gar nicht in Kontakt kommen mit den weiblichen Narbenfäden. Deshalb kommt es bei Mais in der Regel nicht zur Befruchtung durch den Bienenflug. Für die Auskreuzung der gentechnisch eingeführten Eigenschaft spielen Bienen also keine Rolle.

Bt-Mais: Auswirkungen auf die Bienen

Zahlreiche Forschungsprojekte und Studien haben sich mit möglichen Auswirkungen von Bt-Mais und anderen Bt-Pflanzen auf Bienen beschäftigt. Bisher gibt es keine wissenschaftlich fundierten Hinweise, dass die Bienen dadurch geschädigt werden könnten.

Auch in Deutschland hat ein Projekt der biologischen Sicherheitsforschung mögliche Auswirkungen des Bt‑ToxinsBt‑Toxins auf Bienen untersucht. Fazit der umfangreichen Untersuchungen: eine toxische Wirkung der Bt-Maissorten Bt176 und Mon810 auf gesunde Honigbienenvölker kann mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden. 

  • Die Wissenschaftler von der Universität Jena hatten im Labor und in Flugzelten auf einer Streuobstwiese Bt-Maispollen, dem zusätzlich Bt-Toxin in verschiedenen Konzentrationen zugesetzt wurde, an Bienen verfüttert. Zum Vergleich wurden Bienen mit Pollen ohne Bt-Toxin gefüttert.

  • Ein Zwischenergebnis dieses Projektes sorgte für Verunsicherung: Bei den Freilanduntersuchungen waren die Bienen zufällig mit Parasiten befallen. Das führte bei allen Bienenvölkern zu einer Abnahme der Bienenanzahl und in der Folge davon zu einer verminderten Brutaufzucht. Bei den Bt-gefütterten Tieren war diese Beeinträchtigung durch den Parasitenbefall jedoch deutlich höher. Ob die Aufnahme von Bt-Pollen jedoch tatsächlich die Anfälligkeit der Bienen gegenüber den Parasiten (Mikrosporidien) erhöht, ist bisher nicht geklärt. Eine Bestätigung des zufällig gefundenen Ergebnisses steht aus, da eine systematische Wiederholung des Versuch bisher nicht möglich war.

 

Schnellsuche
Schnelle Volltextsuche über die gesamten Inhalte der Website


Das bunte Leben im Maisfeld. Bt-Mais - und was passiert mit Schmetterlingen, Läusen, Spinnen oder Trauermücken? Hier kann man es erkunden.

Das interaktive Maisfeld
08. Mai 2008 [nach oben springen]

© 1997 - 2010 i-Bio Information Biowissenschaften | Impressum | Leitlinien und Finanzierung | Website by Webmotive