Gentechnik.
Wissen, was ist.
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Mikroorganismen
Vielseitig, anpassungsfähig, produktiv
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Seit Jahrtausenden werden Mikroorganismen zur Herstellung von Lebensmitteln wie Brot oder
Bier eingesetzt. Lange Zeit wussten die Menschen nichts von ihrer
Existenz. Erst durch die Erfindung des Mikroskops wurden die
winzigen Lebewesen für das
menschliche Auge sichtbar.
Der Naturforscher Antoni van Leeuwenhoek
(1632 – 1723) war maßgeblich an der Entwicklung des Lichtmikroskops
beteiligt. Ende des 17. Jahrhunderts betrachtete er Regenwasser
unter der Vergrößerungslinse und entdeckte unzählige kleine
Lebewesen. Das war der Beginn der Mikrobiologie – der Wissenschaft
von den Mikroorganismen und Viren.

Naturforscher Antoni van Leeuwenhoek (1632 – 1723)
entdeckte die Mikroorganismen.

Chemiker Louis Pasteur (1822 – 1895) untersuchte die
Fermentation und entwickelte das Verfahren der
Pasteu-risierung.

Schimmelpilzkolonien im
Stereomikroskop, 40fach vergrößert.
Einige Arten helfen bei der Produktion von Käse oder
Salami.
Quelle: www.enius.de |
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Rund zweihundert Jahre später
untersuchte der französische Chemiker Louis Pasteur (1822 –
1895) die Gärung, auch Fermentation genannt. Dieser Prozess
spielt bei vielen Lebensmitteln eine entscheidende Rolle. Er fand
heraus, dass der Abbau organischer Verbindungen unter
Ausschluss von Sauerstoff durch winzige, einzellige
Lebewesen verursacht wird. Außerdem entdeckte Pasteur, dass bestimmte Bakterien Krankheiten
auslösen können. Und er entwickelte ein Verfahren zum Abtöten von
solcher Keimen in
Flüssigkeiten durch Erhitzen, die Pasteurisierung. Auch der
Mediziner Robert Koch (1843 – 1910) beschäftigte sich mit
der Funktion der Mikroorganismen in Stoffwechselprozessen.
Er untersuchte verschiedene Krankheitserreger und
entwickelte ein Mittel gegen Tuberkulose.
Erst diese Pionierarbeiten ermöglichten den
gezielten und kontrollierten Einsatz von Mikroorganismen. Bis Ende
des 19. Jahrhunderts hatten die Menschen keine Vorstellung von den
tatsächlichen Prozessen, wie sie etwa bei der Reifung des Käses und dem Brauen von
Bier ablaufen. Heutige Hygienetechniken waren unbekannt - und so
gelangten häufig auch unerwünschte Mikroorganismen in die
Lebensmittel, darunter viele Krankheiterreger. Vor allem bei
Geschmack und Konsistenz der Produkte gab es oft unliebsame
Überraschungen. Die Qualität fermentierter Lebensmittel nahm zu, als
es gelang, die mikrobiellen Prozesse besser zu kontrollieren. |
Mikroorganismen; Mit und ohne Zellkern
Mikroorganismen sind mikroskopisch kleine,
meist einzellige Lebewesen, denen zahlreiche Arten zugeordnet
werden. Man unterscheidet verschiedene Gruppen: Die Algen,
Schimmelpilze, Hefen und Protozoen besitzen einen Zellkern, während
Bakterien lediglich Kernsubstanz enthalten, die nicht durch eine
Membran abgegrenzt ist. Da die Mikroorganismen sehr vielseitig und
anpassungsfähig sind, kommen sie in fast allen Lebensräumen vor – im
Boden, im Wasser und in der Luft, aber auch an Orten mit extremen
Umweltbedingungen wie heiße Quellen und arktische Gebiete. Viele
Einzeller spielen im Stoffkreislauf der Natur eine große Rolle.
Mikroorganismen vermehren sich meist ungeschlechtlich durch
Zellteilung, Knospung oder Sprossung und in relativ kurzer Zeit.
Außerdem sind sie in ihrer Stoffwechselaktivität sehr flexibel. Auch
aus diesen Gründen lassen sie sich im Labor einfach untersuchen und
verändern – mit und ohne Gentechnik.
Produktionsorganismen und Starterkulturen
Mikroorganismen werden vielseitig eingesetzt. Im
Lebensmittelbereich unterteilt man heute nach zwei grundsätzlich
verschiedenen Anwendungsformen:
Starterkulturen und Produktionsorganismen.
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Starterkulturen sind Mikroorganismen, die einem Lebensmittel gezielt
von außen zugesetzt werden, um bestimmte Stoffwechselprozesse
auszulösen. Sie verändern die Zusammensetzung des Nahrungsmittels,
um es zu konservieren oder für das Produkt typische Eigenschaften
wie etwa ein gewisses Aroma oder eine bestimmte Konsistenz zu erreichen. Die
Mikroorganismen verbleiben im Nahrungsmittel und werden mitverzehrt.
Häufig sind sie dann jedoch nicht mehr aktiv: Beim Backen von Brot
wird beispielsweise ein Großteil der Hefe durch das Erhitzen
abgetötet. Bevor Bier und Wein in den Handel gelangen, werden die
Mikroorganismen abgefiltert.
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Ein Produktionsorganismus dagegen produziert einen bestimmten Stoff. Hat der
Mikroorganismus das gewünschte Produkt in hoch spezialisierten
technischen Anlagen gebildet, wird er abgetrennt
und erfüllt daher nur eine vorübergehende Funktion. Mit Hilfe von Produktionsorganismen
kann man Vitamine und
Enzyme für Futtermittel,
Waschmittelenzyme und diverse Arzneimittel gewinnen. Auch Enzyme,
Zusatzstoffe und Aminosäuren für
Nahrungsmittel werden auf diese Weise industriell erzeugt.
Während Gentechnik bei Produktionsorganismen weit verbreitet ist,
gibt es bei Starterkulturen bisher keine praktischen Anwendungen.
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