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Brot, Bier, Wein, Käse: Vielfalt durch Starterkulturen

Schon vor Jahrtausenden stellten die Menschen Bier, Brot, Wein und Käse her. Sie wussten jedoch noch nicht, dass winzige Lebewesen für das Gehen des Brotteiges, die Gärung von Traubensaft und die Reifung des Käses  verantwortlich sind. Heute werden Bakterien, Hefen und Schimmelpilze gezielt eingesetzt – als Starterkulturen. Die Gentechnik spielt dabei bislang keine Rolle.

Starterkulturen sind Stämme von Mikroorganismen, die in Rein- oder Mischkultur einem Lebensmittel gezielt von außen zugesetzt werden. Die winzigen Helfer starten im Nahrungsmittel einen mikrobiellen oder fermentativen Prozess – daher auch der Name "Starterorganismen". Diese Stoffwechselvorgänge verändern die Zusammensetzung des Nahrungsmittels. Häufig entstehen erst durch den Einsatz von Starterkulturen für das Produkt typische Eigenschaften wie ein charakteristisches Aroma, eine bestimmte Konsistenz und Textur. Zudem kann man leicht verderbliche Lebensmittel in haltbare Formen umwandeln: Aus Milch wird Käse, aus Fleisch wird Wurst.


Wein: Früher verließen sich die Winzer auf die Spontangärung. Heute werden Mikroorganismen gezielt eingesetzt.

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Käse: Schimmelpilze sind nicht nur für den Verderb vieler Lebensmittel verantwortlich. Durch den Schimmelpilz Penicillium roqueforti (im Lichtmikroskop, 600-fach vergrößert) bekommt der Blauschimmelkäse erst seinen besonderen Geschmack.
Quelle: www.enius.de

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Jogurt: Es werden verschiedene Milchsäurebakterien verwendet. Für probiotische Produkte wählt man gegen Magensäure un-empfindliche Stämme aus, die im Darm positiv wirken können.

Spontane Gärungsprozesse

Dem Einsatz von Starterkulturen steht die Spontanfermentation gegenüber. Sie läuft natürlicherweise ab und wird ebenfalls von Mikroorganismen hervorgerufen. Diese werden aber nicht gezielt zugegeben, sondern haften auf der Oberfläche von Lebensmitteln oder den eingesetzten Rohstoffen. Ein Beispiel: Früher verließen sich die Winzer zum größten Teil auf die Spontangärung durch auf den Trauben vorhandene Mikroorganismen. Heute werden bewusst bestimmte Hefen eingesetzt, um den Prozess der Weinherstellung besser kontrollieren zu können.

Starterkulturen verbleiben im Produkt

Starterorganismen sind sehr vielfältig: Bei der Herstellung von Bier und Wein veranlassen Hefekulturen die Vergärung von StärkeStärke zu Alkohol. Auch für Brot- und Backwaren sind Hefen unentbehrlich. Hier bilden sie Gase, damit der Teig "geht". Milchsäurebakterien wandeln Milch in haltbare Produkte um und konservieren Gemüse wie Sauerkraut oder Mixed Pickles. Da Starterkulturen meist im Produkt noch vorhanden sind, besitzen alle in der Lebensmittelverarbeitung eingesetzten Stämme den so genannten GRAS-Status (generally recognized as safe). Das bedeutet: Sie sind gesundheitlich unbedenklich, hygienisch einwandfrei und technologisch wirksam.

Siegeszug der modernen Biotechnologie

Mit der Erforschung der Mikroorganismen entwickelte sich die moderne Biotechnologie, eine interdisziplinäre Wissenschaft von (Mikro-)Biologie und Verfahrenstechnik (Maschinenbau). Jogurt oder Käse werden inzwischen in hoch spezialisierten Anlagen produziert, in denen sich die Bedingungen für die Mikroorganismen wie beispielsweise Temperatur und Druck optimal einstellen lassen. Durch Züchtung lassen sich bestimmte Eigenschaften der kleinen Helfer fördern. Auch die Prozess- und Messtechnik sowie die Hygienestandards werden stetig optimiert. Mit Hilfe der Gentechnologie kann man die Mikroorganismen gezielter verändern und an technische Parameter anpassen.

Gentechnik bei Starterkulturen: Keine praktische Anwendung

In den 90er Jahren setzte man große Erwartungen in gentechnische Verfahren bei Mikroorganismen. Vor allem Bier- und Bäckerhefen sollten gentechnisch optimiert und in ihrem Leistungsspektrum erweitert werden. Viele Forschungsprojekte wurden jedoch abgebrochen, und derzeit sind in der EU keine gv-Mikroorganismen zugelassen, die unmittelbar in Lebensmitteln eingesetzt werden. Daran wird sich auf mittlere Sicht wenig ändern.

Denn die Umsetzung der Resultate in praktische Anwendungen gestaltet sich schwierig. Da die Starterkulturen im Lebensmittel verbleiben und sie beim Verzehr in den menschlichen Körper gelangen, müssen mögliche Wechselwirkungen mit den im Mund und im Verdauungstrakt vorhandenen Mikroorganismen berücksichtigt werden. Der Nachweis, dass gv-Starterkulturen gesundheitlich unbedenklich sind, erfordert einen hohen wissenschaftlichen Aufwand.

Die letzten Zulassungen von gentechnisch veränderten Mikroorganismen liegen schon einige Jahre zurück und wurden beide in Großbritannien erteilt: 1995 für eine Brau- und 1999 für eine Backhefe. Die Hefen wurden nur vorübergehend im Probebetrieb eingesetzt und finden heute keine kommerzielle Verwendung. Die Zulassungen sind erloschen.

Alternativen zur Gentechnik: Gezielte Auswahl und Mutagenese

Starterkulturen können jedoch auch ohne Gentechnik, über traditionelle Wege optimiert werden. Dazu suchen die Forscher zunächst nach Mikroorganismen mit einer bestimmten Eigenschaft, was auch als Screening bezeichnet wird. Werden die Kulturen mit UV-Licht bestrahlt oder Chemikalien behandelt, fördert das die Entstehung von Mutationen, sodass die Wahrscheinlichkeit steigt, einen Stamm mit den jeweils gewünschten Eigenschaften zu erhalten. Dann werden die ausgewählten Stämme gezielt gezüchtet und bearbeitet, um die Stabilität sowie Ergiebigkeit zu fördern und die Mikroorganismen an bestimmte technische Prozesse anzupassen.

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18. Mai 2011 [nach oben springen]

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