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Oft gentechnisch verändert: Mikroorganismen produzieren Enzyme und Zusatzstoffe

Mikroorganismen eignen sich gut für die industrielle Produktion von Enzymen oder Zusatzstoffen. Denn sie sind flexibel und können Stoffe auf vielseitige Weise umwandeln. Einzeller vermehren sich rasch und sind meist einfach zu handhaben. Bei der Herstellung vieler Wirkstoffe und Spezialchemikalien haben biotechnische Verfahren die chemische Synthese abgelöst. Inzwischen werden dabei auch gentechnisch veränderte Stämme eingesetzt.

Nicht nur Arzneimittel, Impfstoffe und Feinchemikalien, sondern auch Enzyme, Zusatzstoffe und Vitamine für die Lebensmittelindustrie werden mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen hergestellt. Dieser Anwendungsbereich der Gentechnik wird als "Weiße" oder "Graue Gentechnik" bezeichnet.

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Zitronensäure wurde früher aus Zitrusfrüchten gewonnen. Heute setzt man für die industrielle Produktion den Pilz  Aspergillus niger ein (unten im Lichtmikroskop bei 400facher Vergrößerung, Quelle: pixelquelle.de, enius.de)


Produktion im geschlossenen System: Ein Mitarbeiter von DSM überwacht die Fermentation von Vitamin B2. Quelle: DSM

Dass solche Stoffe mit Hilfe von Mikroorganismen hergestellt werden können, ist nicht neu. Doch erst mit der Gentechnik sind viele biotechnische Verfahren wirtschaftlich interessant geworden. Gezielte Eingriffe in die Gene haben die Ergiebigkeit der jeweiligen Produktionsorganismen deutlich gesteigert. Gegenüber der bisherigen chemisch-synthetischen Herstellung haben biotechnische Verfahren in vielen Fällen Umweltvorteile: Sie kommen ohne aggressive Chemikalien aus, benötigen weniger Energie und nutzen nachwachsende Rohstoffe. Rückstände aus der Produktion sind schnell abbaubar und belasten kaum die Abwässer.

Von Aminosäure bis Zitronensäure: Was Mikroorganismen produzieren

Viele Substanzen können mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt werden. So ist der Einsatz von gv-Stämmen bei der Herstellung von Enzymen für die Lebens- und Futtermittelwirtschaft schon nahezu Routine. Ein weiteres Beispiel sind AminosäurenAminosäuren, die als Futtermittelzusatz und in Lebensmitteln als Geschmacksverstärker oder in Aromapräparaten Verwendung finden. Ein Bestandteil des kalorienarmen Süßstoffs Aspartam, die Aminosäure Phenylalanin, kann ebenfalls biotechnologisch hergestellt werden.

Konservierungsstoffe wie NisinNisin und NatamycinNatamycin, das Antioxidationsmittel ZitronensäureZitronensäure, die Geschmacksverstärker GlutaminsäureGlutaminsäure und InosinsäureInosinsäure, der Aromastoff VanillinVanillin sowie die VitamineVitamine B12, B2 und C sind weitere Beispiele für eine mögliche Anwendung von gv-Mikroorganismen.

Fermentation im Bioreaktor

Die Gewinnung von Stoffen mit Hilfe von Produktionsorganismen erfolgt in einem Fermenter, auch Bioreaktor genannt. In diesem Edelstahltank können die Bedingungen optimal eingestellt werden, sodass sich die Mikroorganismen rasch vermehren und große Mengen der gewünschten Substanz bilden. Nach Ende der Wachstumsphase wird der Stoff isoliert und gereinigt.

Manche Organismen geben den Stoff jedoch nicht in das Kulturmedium ab, sondern bilden ihn innerhalb der Zelle. Dann ist die Gewinnung etwas aufwändiger: Die Kulturen werden "geerntet", das gewünschte Produkt freigesetzt und entsprechend aufgearbeitet. Störende Nebenprodukte aus der Fermentation trennen die Hersteller vom gewünschten Erzeugnis. Dann wird der Stoff mit Hilfe von modernen Methoden auf Reinheit überprüft und schließlich konzentriert. Nach Abschluss dieser Prozedur sind die Mikroorganismen und ihre Überreste im Endprodukt nicht mehr vorhanden. Ihre Erbsubstanz DNA ist nicht mehr nachweisbar.

Gentechnik bei Mikroorganismen: Höhere Ausbeute, einfache Produktion

Die Gentechnik bietet verschiedene Ansätze, die zur Produktion von Vitaminen, Enzymen, Aminosäuren oder anderen Wirkstoffen eingesetzten Mikroorganismen zu "optimieren".

  • Zum einen kann man die Ergiebigkeit der Mikroorganismen, die einen bestimmten Stoff natürlicherweise herstellen, erhöhen. Dazu greift man in den Regulationsapparat ein, indem man vor das Gen für den gewünschten Wirkstoff einen "stärkeren" PromotorPromotor schaltet. Dadurch wird etwa ein Enzym in größerer Menge hergestellt. Den gleichen Effekt kann man erzielen, wenn der Promotor in mehrfacher Ausfertigung einbaut wird oder die natürliche Regulation überlistet: Unter natürlichen Bedingungen produzieren Mikroorganismen von einer Substanz nicht mehr als sie benötigen und schalten die jeweiligen Stoffwechselaktivitäten ab.
  • Außerdem kann das Gen für ein Eiweiß aus nicht kultivierbaren Bakterien isoliert werden. Man überträgt es auf bekannte Mikroorganismen, die einfacher zu handhaben oder anspruchsloser gegenüber dem Nährmedium sind.

In der Praxis kann auch das Nährmedium, welches Bakterien und Hefen im jeweiligen Stoffwechselprozess verwerten, aus gentechnisch veränderten Quellen stammen. Verschiedene Substrate (ProteineProteine, Stärke, Glukose) werden unter Umständen aus gentechnisch veränderten Pflanzen wie Soja oder Mais gewonnen.

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Lebensmittel, Enzyme, Gentechnik. Die Konsumenten wissen wenig davon, aber Lebensmitteltechnologen schätzen sie: Enzyme. Viele werden mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt. Tendenz: steigend.
19. März 2013 [nach oben springen]

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