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  Fr 03.09.2010 | 07:11 Uhr
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Fragen und Antworten

Gen-Mais: Eine Gefahr für Bienen und Honig?


In der EU wird gentechnisch veränderter Bt-Mais angebaut. Auch in Deutschland wurde dieser Mais zwischen 2005 und 2008 landwirtschaftlich genutzt. Umweltverbände und einige Imker sehen im Anbau von "Genmais" eine Gefahr für die Bienen und fürchten um das "Naturprodukt" Honig.

In einigen europäischen Ländern wird gentechnisch veränderter Bt-Mais angebaut. Kann es überhaupt noch "gentechnikfreien" Honig geben?

In Deutschland wurden 2008 knapp 0,2 Prozent der Maisflächen mit gv-Mais bewirtschaftet. Aber selbst wenn deutlich mehr gv-Mais angebaut würde - Pollen von gv-Mais wird in der Regel nicht im Honig zu finden sein.

Das hat einen einfachen Grund: Mais ist für Bienen kaum attraktiv. Anders als etwa bei Raps werden Bienen nicht durch auffällige Blüten angelockt. Mais produziert auch keinen Nektar, an dem die Bienen vor allem interessiert sind. Aber Bienen sammeln auch Pollen, der ihnen als Nahrung dient und den sie vor allem zur Aufzucht der Larven und  Jungbienen nutzen. Pollen finden sie auch an den männlichen Blüten an der Spitze der Maispflanzen. Auch wenn Maispollen groß und schwer ist - als Pollenlieferant spielt Mais für Bienen durchaus eine Rolle.

   
Ist denn unter natürlichen Bedingungen untersucht worden, ob Maispollen im Honig ist?
Dazu sind in Bayern 2004 und 2005 Versuche durchgeführt worden. Mehrere Bienenvölker wurden in unterschiedlichen Entfernungen zu Feldern mit gv-Mais aufgestellt. In etwa der Hälfte der entnommenen Honigproben konnte zwar in äußerst geringen Spuren Maispollen gemessen werden. Ein Nachweis, ob es sich dabei um Pollen von gv-Mais handelte, war jedoch nicht möglich. 

Anders die Messergebnisse beim "Höselpollen". Das ist der Pollen, den die Bienen in ihren "Höschen" sammeln und beim Einflug in den Bienenstock abstreifen. In diesen Proben kann festgestellt werden, ob darunter auch Pollen von gv-Mais ist. In etwa jeder zweiten Probe war das der Fall. Bei zwei Völkern, deren Stock unmittelbar am Feld mit gv-Mais stand, stammten etwa 5 Prozent des Höselpollens von gv-Mais.

   
Wieviel Pollen ist denn überhaupt im Honig?
Honig entsteht im Magen der Bienen aus dem gesammelten Blütennektar. Der Honig wird in den Waben eingelagert und dient den Bienen als Nahrung. Pollen ist für Honig nicht notwendig und nur deshalb darin enthalten, weil er wie Staub überall im Bienenstock vorhanden ist. Nur etwa 0,1 bis 0,5 Prozent des Honigs besteht aus Pollen.

Selbst wenn ein größerer Teil des Pollens aus gv-Pflanzen stammen sollte, wäre der Gesamtanteil am Honig immer noch sehr gering.

   
Muss Honig gekennzeichnet werden, wenn der darin enthaltene Pollen von gv-Pflanzen stammt?

Nach derzeitiger Rechtspraxis: nein. Pollen aus gv-Pflanzen kann als "technisch unvermeidbare" Beimischung verstanden werden. Der Pollenanteil im Honig liegt in jedem Fall weit unterhalb des für die Kennzeichnung maßgebenden Schwellenwerts von 0,9 Prozent.

   

Muss ich mich um meine Gesundheit sorgen, wenn im Honig, den ich esse, Pollen von gv-Mais oder anderen gv-Pflanzen enthalten sein kann?

Erlaubt sind nur technisch unvermeidbare Pollenbeimischungen von solchen gv-Pflanzen, die in der EU zur Verwendung als Lebensmittel zugelassen sind. Eine Zulassung wird nur erteilt, wenn nach dem Stand des Wissen gesundheitliche Beeinträchtigungen auszuschließen sind. Dafür wird eine umfangreiche Sicherheitsbewertung durchgeführt.

Gv-Pflanzen, die in der EU nicht zugelassen sind, dürfen auch nicht in Spuren in Lebens- oder Futtermitteln vorhanden sein. Das gilt auch für Pollenbeimischungen im Honig.

   

Wieviel Honig kommt eigentlich aus Deutschland? Wird Honig aus Ländern importiert, in denen gv-Pflanzen angebaut werden?

In Deutschland wird jährlich gut 20.000 Tonnen Honig erzeugt. Das sind etwa 20 Prozent des nationalen Honigverbrauchs.

Deutschland bezieht Honig aus 40 Ländern. Das wichtigste Erzeugerland ist Argentinien. Dort werden großflächig gv-Sojabohnen und gv-Mais angebaut. Auch wenn deren Blüten von Bienen kaum angeflogen werden, ist es nicht auszuschließen, dass Spuren von diesen gv-Pflanzen in einzelnen Honigprodukten nachzuweisen sind.

Raps hingegen ist eine wichtige Trachtpflanze für Bienen. Gv-Raps wird vor allem in Kanada angebaut. von dort führt Deutschland jährlich etwa 500 Tonnen Honig ein. Bei Kontrollen der Lebensmittelüberwachung wurde in Rapshonig aus Kanada mehrfach gv-Raps nachgewiesen.

   

Der gv-Mais, der in der EU angebaut wird, bildet einen Wirkstoff gegen Schädlinge. Kann man ausschließen, dass nicht auch Bienen geschädigt werden?

Die Wirkung von Bt-Mais beruht auf dem so genannten Bt‑ToxinBt‑Toxin. Es wirkt gegen Schädlinge - vor allem die Raupen des MaiszünslersMaiszünslers, eines Schmetterlings. Das Bt-Toxin greift die Darmwand an - aber nur bei Tierarten, die dafür entsprechende "Rezeptoren" haben. Das sind vor allem Schmetterlinge, nicht aber andere Insektenarten.

Bei Versuchen sind Bienen über einen längeren Zeitraum mit Bt-Toxin gefüttert worden. Mit großer Sicherheit kann eine schädliche Wirkung auf gesunde Bienenvölker ausgeschlossen werden.

Bt-Toxin wird natürlicherweise von Bakterien produziert. Es ist auch in klassischen Bt-Präparaten enthalten, die seit vielen Jahren zur Schädlingsbekämpfung zugelassen sind und auch im Ökologischen Landbau eingesetzt werden. Auch die Imker setzen solche Bt-Präparate ein, um die Bienenstöcke vor Schädlingen zu schützen.

   

Man hört immer wieder vom Bienensterben. Was weiß man über die Ursache? Können nicht auch gv-Pflanzen dazu beitragen?

Den Bienenvölkern in Deutschland geht es relativ gut. Die "Überwinterungsverluste" liegen zwischen 8 und 16 Prozent. Diese Zahlen wurden im Rahmen des "deutschen Bienenmonitorings" ermittelt, einer 2004 begonnenen, groß angelegten Untersuchungsreihe, an der sich alle Bienenforschungsinstitute in Deutschland, Imker- und Bauernverbände sowie die Agroindustrie beteiligen.

In einigen Regionen in den USA ist das Bienensterben dagegen ein ernsthaftes Problem. Bislang ist nicht eindeutig geklärt, worauf der zum Teil dramatische Rückgang an Bienenvölkern zurückzuführen ist. Einige vermuten eingeschleppte Viren als Auslöser des Bienensterbens. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass es keine einzelne Ursache gibt, sondern mehrere, die zusammenwirken.

Vermutungen, dass Mobilfunk-Strahlungen oder gentechnisch veränderte Pflanzen die neue Bienenkrankheit ausgelöst haben könnten, sind weitgehend entkräftet. In den USA stimmt die regionale Verbreitung des Bienensterbens nicht mit der des Anbaus von gv-Pflanzen überein.

Auch das Bienensterben, das im Frühjahr 2008 vor allem am Oberrhein zu deutlichen Verlusten führte, hat eine  inzwischen bekannte Ursache: Ein Beizmittel (Clothianidin), mit dem Maissaatgut behandelt wurde, um damit einen neuen Schädling, den Maiswurzelbohrer, zu bekämpfen. Bei der Aussaat löste sich das Beizmittel mit dem als bienengiftig bekannten Wirkstoff von den Saatkörnern und es entstanden Stäube, mit denen Bienen in Kontakt kamen.

   

 

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Bt-Mais und Bienen
Schadet Bt-Mais Bienen? In einem aufwändigen Forschungsprojekt wird es  untersucht.
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biosicherheit.tv
24. November 2009 [nach oben springen]

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