Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln
  Fr 03.09.2010 | 06:57 Uhr
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Fragen und Antworten

Gentechnik bei Tieren: Sind bereits Produkte auf dem Markt?


Nur in der Medizin finden gentechnisch veränderte Tiere bisher praktische Anwendung. Lebensmittel von transgenen Kühen, Schweinen und Rindern wird es in Europa vorerst nicht geben.
 
Weltweit sind noch keine Nahrungsmittel von gentechnisch veränderten Tieren auf dem Markt. Wie kommt das?
Für die menschliche Ernährung sind gentechnisch veränderte Tiere bislang nicht von Bedeutung. Vor allem bei Nutztieren sind die gentechnischen Methoden wenig effizient und mit hohen Kosten verbunden. Außerdem ist es häufig schwierig, wirtschaftlich interessante GeneGene zu finden, die in das Genom von Tieren eingeführt werden könnten. Die einzige Ausnahme sind gentechnisch veränderte Lachse, deren Zulassung in den USA näher rückt.
   
Fleisch, Milch, Eier, Wolle – Lassen sich die Eigenschaften tierischer Produkte mithilfe der Gentechnik verändern?
In diesem Bereich wird intensiv geforscht. Bei der Kuhmilch ist etwa das Ziel eine fettarme und besonders nährstoffreiche oder auch laktosearme Milch, von der Menschen mit einer Unverträglichkeit für MilchzuckerUnverträglichkeit für Milchzucker profitieren würden. Ein weiteres Beispiel ist Schweinefleisch, das mit Omega-3-Fettsäuren angereichert ist. Schafe sollen durch Einführung fremder Gene mehr Wolle von hoher Qualität liefern.
   
Was ist mit Fischen? Häufig ist von gentechnisch veränderten Lachsen die Rede, die schneller wachsen können.
In den USA wird bereits seit über zehn Jahren die Markteinführung schneller wachsender gentechnisch veränderter Lachse angestrebt. Nun liegen offenbar alle für eine Sicherheitsbewertung erforderlichen Daten vor, sodass die Entscheidung in einigen Monaten fallen könnte. Sollten die transgenen Lachse genehmigt werden, wären sie die ersten gentechnisch veränderten Tiere, die als Lebensmittel verzehrt werden.
   
Gibt es überhaupt schon Tiere, die gentechnisch verändert sind?
Ja. In Taiwan und in den USA werden Zebrafische (Night Pearl und GloFish) für das Aquarium vermarktet, die durch eine gentechnische Veränderung in verschiedenen Farben leuchten. Zudem gibt estransgenetransgene Ziegen, die in ihrer Milch ein Medikament gegen Thrombose bilden. Das Arzneimittel Atryn ist in einigen Ländern der Europäischen Union, darunter auch Deutschland, seit dem Jahr 2008 im Handel erhältlich.

Gentechnisch veränderte Versuchstiere werden primär in der medizinischen Forschung eingesetzt, um an ihnen neue Arzneimittel oder Therapien zu testen. Ein Beispiel: Bei einer "Knockout-Maus" werden mithilfe der Gentechnik gezielt bestimmte Gene deaktiviert. Auf diese Weise können die Nagetiere als Modell für menschliche Erkrankungen mit genetischem Hintergrund dienen.

   
Welche Anwendungsbereiche für gentechnisch veränderte Tiere sind abgesehen von der Lebensmittelerzeugung von Bedeutung?
Gentechnisch veränderte Tiere werden vor allem für medizinische Zwecke entwickelt: Sie produzieren Arzneimittelstoffe (Gene PharmingGene Pharming) oder Organe, die in den menschlichen Körper übertragen werden können (XenotransplantationXenotransplantation). In der Landwirtschaft ist die Entwicklung von die Umwelt schonenden Schweinen am weitesten fortgeschritten.

Bei der Herstellung von Arzneimittelstoffen ist die Milchdrüse der bevorzugte Bioreaktor. Auch Blut und Urin sind mögliche Produktionsplattformen.

Xenotransplantation ist die Übertragung von Zellen, Geweben und Organen zwischen nicht verwandten Arten – wie vom Tier auf den Menschen. Mit Hilfe der Gentechnik versuchen Forscher Hausschweine zu entwickeln, deren Organe der menschliche Körper bei einer Transplantation nicht abstoßen würde.

   
Bestehen besondere Umweltrisiken, wenn es gentechnisch veränderte Tiere geben sollte?
Besonders hoch mobile gentechnisch veränderte Tiere wie Fische oder Insekten stellen ein potenzielles Risiko für die Umwelt dar. Vorerst ist eine kommerzielle Nutzung aber nur denkbar, wenn die gentechnisch veränderten Tiere in separaten Zuchtstationen gehalten werden und biologische Fortpflanzungsbarrieren zu Wildpopulationen bestehen. So würde das Unternehmen Aqua Bounty bei einer Zulassung ihrer transgenen schnell wachsenden Lachse nur unfruchtbare und weibliche Tiere vermarkten.
   
Welche Rolle spielen gentechnische Verfahren in der modernen Tierzucht?
In der Tierzucht sind moderne Fortpflanzungstechnologien wie künstliche Besamung und Befruchtung weit verbreitet. Doch die Möglichkeiten der Züchter sind durch die Gesamtheit der Gene der jeweiligen Tierart begrenzt. Erst durch die Gentechnik war es möglich, Artgrenzen zu überschreiten und "fremde" Gene als „Material“ für die Züchtung zu nutzen. So lässt sich beispielsweise gezielt ein Gen für einen pharmazeutischen Wirkstoff hinzufügen. In der Regel beruhen im Hinblick auf Produkteigenschaften interessante Merkmale jedoch nicht auf einem Gen, sondern auf einem komplizierten Zusammenspiel mehrerer Gene. Das erschwert die Entwicklung gentechnisch veränderter Tiere.

Die GenomGenomforschung hingegen spielt in der praktischen Tierzüchtung eine große Rolle. Ziel ist, die Funktion einzelner DNADNA-Abschnitte zu entschlüsseln und Merkmale auf genetischer Ebene besser zu verstehen. Mit diesem Wissen kann man gezielter auf bestimmte Eigenschaften wie beispielsweise Krankheitsresistenzen züchten oder auch eine Auswahl besonders „wertvoller“ Zuchttiere treffen.

   

Klonen – was ist das eigentlich?
Das Klonen ist eine Methode, mit der Wissenschaftler als wertvoll befundene Tiere außerhalb der geschlechtlichen Fortpflanzung vervielfältigen können. Das sind beispielsweise Zuchttiere, Haustiere oder auch bedrohte Tierarten.

Die Technik beruht auf einem KerntransferKerntransfer: Eine bereits differenzierte, erwachsene Zelle wird auf besondere Weise behandelt, um die ursprüngliche Entwicklungsfähigkeit wiederherzustellen. Anschließend setzen die Forscher diese Spenderzelle in eine kernlose Eizelle eines anderen Tieres ein. Nach der Verschmelzung beginnt der Teilungsprozess. Der geklonte EmbryoEmbryo wird in eine Leihmutter eingepflanzt und normal ausgetragen.

   
„Klon-Milch“ oder „Klon-Fleisch“ im Supermarkt – Ist das bald Realität?
Dieses Thema wird in Europa heftig diskutiert. Es besteht aber die starke Tendenz, dass Lebensmittel von geklonten Tieren und deren Nachkommen vor allem aus ethischen Aspekten nicht auf den Markt kommen.
   

Was hat das Klonschaf Dolly mit Gentechnik zutun?
Nichts. Denn durch das Klonen wird das Erbgut nicht verändert, sondern nur vervielfältigt. Häufig wird die Entwicklung eines gentechnisch veränderten Tieres aber mit der Klontechnik kombiniert, da so die durch die gentechnische Veränderung entstandenen Merkmale für die Folgegeneration erhalten bleiben.
   
 

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01. Juli 2010 [nach oben springen]

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