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Gentechnik bei Fischen
Ziele, Projekte, Perspektiven
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Mit schnell wachsenden Lachsen stehen die
ersten für den Verzehr bestimmten gentechnisch veränderten Fische an der Schwelle der
Markteinführung. Bei weiteren Arten wird mit gentechnischen Verfahren
experimentiert. Nur für das Aquarium gibt es transgene Fische bereits
zu kaufen: In Taiwan und in den USA werden
"leuchtende" Zebrafische vermarktet.
Weltweit werden pro Jahr mehr als 80 Millionen
Tonnen Fisch gefangen. Viele Fischbestände sind inzwischen bedroht,
und die Fangmengen sinken. Das hat zu einer Ausweitung der
Fischzucht in kommerziellen Fischfarmen (Aquakulturen) geführt.
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Große Lachse. Gentechnisch veränderte Lachse
(rechts) warten in den USA auf ihre Zulassung. |



Schneller groß. Ein schnelleres Wachstum ist
vorherrschendes Ziel bei Speisefischen, die in
Aquakultur gehalten werden. Neben Lachs und Forelle
auch (von oben nach unten): Karpfen, Catfish,
Tilapia. |
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Zebrafische sind ein oft verwendeter
Modellorganismus, um gentechnische Verfahren
bei Fischen zu erproben. Hier sind Gene für farbige
Proteine übertragen worden |
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Fischzucht und Aquakultur
Zur Zeit werden etwa 40 Millionen Tonnen
Fisch jährlich in Aquakulturen produziert.
Nur solche Fischarten, die in
Aquakultur gehalten werden können, lassen sich züchten.
Allen voran Lachs, Forelle und Karpfen werden seit vielen
Jahren erzeugt - inzwischen auch mit modernen
reproduktionsbiologischen Verfahren.
Bei der Züchtung geht es vorrangig darum, die
Produktion zu erhöhen sowie Fische
an die neuen "artfremden" Lebensbedingungen außerhalb der offenen
Gewässer anzupassen. Ziele sind deshalb größere oder
schnell wachsende Fische, aber auch eine bessere Futterverwertung
und gegenüber Krankheitserregern robustere Tiere.
Die Züchter wollen darüber hinaus bestimmten geschmacklichen
oder auch ästhetischen Qualitätsanforderungen gerecht werden. So
schätzen die Konsumenten etwa bei Lachs die rosa Färbung, die
ursprünglich auf Kleinkrebse als bevorzugte Nahrung der wildlebenden
Tiere zurückgeht.
Bei Lachs haben Züchtung und
Ausweitung der Aquakultur vor allem in Norwegen zu einer massiven
Überproduktion geführt. Heute ist Lachs kein Luxusartikel mehr,
sondern ein alltägliches Lebensmittel.
An den bisherigen Züchtungszielen ändert sich
mit der Gentechnik wenig. Sie eröffnet die Möglichkeit, einzelne
Gene für bestimmte Merkmale zu übertragen, und damit schneller und
präziser zum Ziel zu kommen. Zudem können auch artfremde Gene
verwendet werden.
Gentechnik: Alte Ziele, neue Verfahren
Gentechnische Veränderungen bei Fischen sind
wesentlich einfacher als bei Säugetieren. Die Befruchtung der
Eier und die Entwicklung der Fischembryonen findet nämlich nicht im
Muttertier, sondern am Gewässergrund statt. Die Eier können dort
leicht entnommen werden und müssen nach dem Einschleusen neuer Gene
nicht wieder in das Muttertier eingesetzt werden. Zudem stehen
wesentlich mehr Eier zur Verfügung, als bei anderen Tierarten, sodass mehrere Experimente parallel unternommen werden können, was die
Forschungszeiten erheblich verkürzt.
Wie bisher auch können nur solche Fischarten
gentechnisch bearbeitet werden, die in Aquakultur oder Aquarien
gehalten werden können.
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Transgene Fischarten: Von Lachs bis Zebrafisch
In verschiedenen Laboratorien vor allem in
den USA, Kanada, Großbritannien, Norwegen und Japan sind bisher
über 35 verschiedene Fischarten gentechnisch verändert worden. Vor Forellen
und Karpfen spielt dabei der atlantische Lachs eine herausragende
Rolle: Er ist das weltweit wichtigste in Aquakultur erzeugte
Fischprodukt.
Auch Seefische wie Kabeljau, Steinbutt und
Heilbutt, die künftig vermehrt in Aquakultur erzeugt werden sollen,
sind bereits gentechnisch verändert worden. Eine kommerzielle
Anwendung ist bisher noch nicht absehbar.
Tilapia (Buntbarsch) wird vor allem in den
USA intensiv gentechnisch bearbeitet. Dieser ursprünglich aus Afrika
stammenden Süßwasserfisch ist in vielen tropischen und subtropischen
Ländern zu einem der wichtigsten Zuchtfische geworden. Er wird auch
nach Europa exportiert.
Zebrafische, beliebte Zierfische in vielen
Aquarien, dienen vor allem als Modellorganismen, an denen
neue Verfahren und Genkonstrukte getestet werden. Zudem spielen sie
in der Aquarienzucht eine bedeutende Rolle. Gentechnisch veränderte,
leuchtende Zebrafische, die von der Universität Singapur entwickelt
wurden, sind die ersten transgenen Fische, die bisher vermarktet
wurden.
Schnell groß
Das derzeit kommerziell interessanteste mit
gentechnischen Verfahren verfolgte Zuchtziel ist, das Größenwachstum
der Fische zu beschleunigen. Viele weitere Projekte befinden sich
noch in einem frühen Entwicklungsstadium und sind weit von der
Markteinführung transgener Fische entfernt. Hier geht es vor
allem darum, neue Gene zu finden und geeignete Verfahren zu
entwickeln, um sie in das Erbgut von Fischen zu integrieren.
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Schnelleres Wachstum und größere
Fische
Durch die Übertragung von Genen für Wachstumshormone
versucht man das Wachstum der Fische zu steigern. Wird etwa
das Wachstumshormon-Gen aus dem pazifischen Lachs auf
atlantischen Lachs übertragen, so wird das Hormon auch
im Winter ausgeschüttet: Der atlantische Lachs wächst das ganze
Jahr über, nicht wie bisher nur im Frühjahr und Sommer. Ein
derart gentechnisch veränderter Lachs erreicht deutlich
schneller sein Schlachtgewicht.
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Steigerung des Muskelwachstums
Mit Hilfe der Gentechnik wird das Eiweiß Myostatin gehemmt, das
das Muskelwachstum verlangsamt. Regenbogenforellen
beispielsweise können auf diese Weise bis zu zwanzig Prozent
mehr Muskelmasse aufbauen.
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Anpassung an kältere
Wassertemperaturen
Einige Fische, wie etwa bestimmte Flundern, sind an
Wassertemperaturen nahe des Gefrierpunktes angepasst.
Verantwortlich dafür sind bestimmte Proteine (Antifreeze
protein, AFP), welche ein Gefrieren des Blutes verzögern und
so den Kreislauf der Fische aufrecht erhalten. Durch Übertragen
der Gene für diese "Gefrierschutzproteine" soll etwa die
Kältetoleranz von Lachsen oder anderen Zuchtfischen erhöht
werden. Ziel ist eine Erzeugung von Lachs in Aquakultur in
kälteren Meeresregionen.
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Resistenzen gegen Krankheitserreger
Besonders in den Käfigen und Becken der Fischfarmen führen
Krankheiten zu Ertragsausfällen, da sich bakterielle und virale
Erreger in dem dichten Fischbesatz rasch ausbreiten können.
Gentechnisch erzeugte Resistenzen sind daher ein für die
Fischzucht interessantes Ziel. Ein Ansatz, die
Widerstandsfähigkeit
gegenüber Krankheitserregern zu erhöhen, ist geeignete Resistenz-Gene
zu finden und auf die Fische zu übertragen. Ein anderer Weg
ist, sie verstärkt den antibakteriellen Wirkstoff Lysozym
produzieren zu lassen, indem ihnen das entsprechende Gen
implantiert wird.
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Sterilität
Die größte Befürchtung von Umweltschützern bei der gewollten
oder ungewollten Freisetzung von transgenen Fischen ist die
Auskreuzung in bestehende Wildpopulationen. Ein Entkommen von
Fischen aus den Aquakulturen ist je nach Wetterlage kaum
vermeidbar. Neuere Arbeiten beschäftigen sich daher mit der
Züchtung von transgenen Fischen, die steril sind und so ihre
Gene nicht verbreiten können.
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Leuchtende Zebra- fische sind die ersten
gentechnisch veränderten Haustiere, die bisher
vermarktet werden: "Night Pearl", seit
2003 in Taiwan käuflich zu erwerben, "GloFish"
seit Anfang 2004 in den USA.
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Leuchtende Zebrafische
Wissenschaftler in Taiwan haben
Zebrafische mit dem Fluoreszenz-Gen einer Quallenart zum
Leuchten gebracht. Die fluoreszierenden Fische dienten als
Modellorganismen, an denen die Entwicklung von Organen
untersucht wurden. Durch die Fluoreszenz leuchteten die
Organe und ließen sich so besser untersuchen. Nun haben auch
die Aquarienhalter die Fische entdeckt. Als "Nachtperlen"
werden sie seit Mitte 2003 in Taiwan an Aquarienliebhaber verkauft.
Seit Anfang 2004 gibt es in den USA "GloFish" zu kaufen,
einen von der Firma Yorktown Technologies vermarkteten
Zebrafisch, der ein zusätzliches Gen der Seeanemone enthält,
das ihn bei Lichteinfall zum Leuchten bringt. Somit
sind die 4 bis 5 cm großen Zebrafische (Danio rerio)
weltweit die ersten gentechnisch veränderten Tieren, die für
den kommerziellen Vertrieb zugelassen wurden. Die neueste
Züchtung sind fluoreszierende afrikanische Buntbarsche, die
10 bis 15 cm groß werden können. Sie sind aber noch nicht
auf dem Markt.
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Zögern bei der Zulassung
Einzelne transgene Fischarten haben bereits
Marktreife erlangt. Bisher sind weltweit nur transgene
Aquarienfische in Taiwan und in den USA zugelassen worden. Transgene Fische, die in Aquakulturen gehalten werden, sind noch nirgendwo
im Handel zu finden. Neben der Prüfung der Lebensmittelsicherheit müssen auch
die Umweltfolgen einer Zulassung berücksichtigt werden. Befürchtet
wird vor allem, dass transgene Fische aus den Zuchtstationen
entkommen und die Wildbestände verdrängen könnten.
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 | Auf einen Blick: Gentechnik bei Lebensmitteln |
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