Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln
  Fr 12.03.2010 | 19:04 Uhr
Gentechnik.
Wissen, was ist.
TransGen Lebensmitteldatenbank
Pflanzen, Lebensmittel, Zusatzstoffe.
Sie wollen wissen, wo  Gentechnik eine Rolle spielen könnte?
Dann geben Sie hier den Namen einer Pflanze, ein Lebensmittel, eine Zutat oder einen Zusatzstoff ein:
Suche in der TransGen-Datenbank:
Alle Datenbankeinträge in der Übersicht:
Pflanzen
Lebensmittel
Zutaten und Zusatzstoffe
Zusatzstoffe nach
E-Nummern
Enzyme

TransGen Forum
Newsletter
Im Abo. Neuigkeiten und Hintergrundinformationen
Forum Bio- und Gentechnologie
Schriftgröße ändern
1 2 3

Diskussion um transgene Lachse

Big, big salmon


Seit Jahren zögert die US-amerikanische Lebensmittelbehörde FDA die Entscheidung hinaus: Sie hat über die Marktzulassung gentechnisch veränderter Lachse zu befinden. Doch je länger das Verfahren dauert, um so stärker werden die kritischen Stimmen.

Normale und gentechnisch veränderte Lachse nach 14 Monaten

Vergleich des Wachstums von konventionellen und gentechnisch veränderten Lachsen 
(Darstellung von A/F Protein; Aqua Bounty Farms)

Überlegene Lachse. Ökologen befürchten, dass transgene Lachse, die aus den Zuchtstationen entweichen, ihre wildlebenden Artgenossen verdrängen könnten.

Lachse: Mehr Hormone, schnelleres Wachstum

Wie so oft half der Zufall - und das sogar zweimal. Vor 20 Jahren gefror im kalten Neufundland versehentlich ein Tank mit Flundern - erstaunlicherweise überlebten die Fische. Später entdeckte man ein Anti-Frost-Protein, das die Anpassung an eiskaltes Wasser bewirkt und bestimmte Fische vor dem Erfrieren schützt.

Als auch das für dieses Protein codierende Gen gefunden war, versuchten Wissenschaftler, es auf Lachse zu übertragen. Auf diese Weise hoffte man, Lachse auch in Temperaturen um den Gefrierpunkt züchten zu können. Das Vorhaben scheiterte - doch es zeigte sich, dass das Anti-Frost-Protein in den Hormonhaushalt der Fische eingreift.

Die transgenen Lachse bilden ihr Wachstumshormon nun nicht mehr allein in der Leber, sondern zusätzlich in der Hirnanhangdrüse. Infolge dieser hormonellen Überproduktion wachsen die Lachse doppelt so schnell wie ihre nicht transgenen Artgenossen. Züchter könnten dadurch erhebliche Kosten sparen.

USA: Antrag 1999

Inzwischen schwimmen in kanadischen Zuchttanks bis zu 20.000 der schnell wachsenden, gentechnisch veränderten Lachse. Sie gehören Aqua Bounty Technologies - dem Tochterunternehmen von A/F Protein. A/F Protein ist eine in Massachusetts/USA residierende Firma, die sich mit der kommerziellen Anwendung des Anti-Frost-Proteins beschäftigt.

Nun wartet man auf die Zulassung der Lachse durch die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA. Der Antrag wurde bereits 1999 gestellt, aber die Entscheidung der FDA lässt immer noch auf sich warten. 

Die geplante Markteinführung der transgenen Lachse (Markenname: AquAdvantage) ist damit ebenso blockiert wie die Fortführung weiterer Projekte. Das Unternehmen hatte bei Forellen, Tilapia, Stein- und Heilbutt ähnliche Vorhaben angekündigt.

Gewöhnliche Lachse oder ökologisches Risiko?

Für Elliot Entis, Präsident von A/F-Protein und Mitbegründer von Aqua Bounty Technologies, unterscheiden sich seine schnell wachsenden atlantischen Lachse nicht von ihren konventionellen Verwandten, wie sie überall auf der Welt in großen Mengen gezüchtet werden. Der einzige Unterschied sei: A/F-Lachse verwerten ihre Wachstumshormone effektiver.

Befürchtet wird jedoch vor allem, dass schnell wachsende transgene Fische aus den Tanks und Käfigen der Zuchtfarmen entweichen. Diese könnten sich in den natürlichen Populationen zunächst durchsetzen, weil sie durch ihre Größe einen Paarungsvorteil haben. Allerdings sind sie auch weniger widerstandsfähig. Die Folgen davon, so das Ergebnis von Computersimulationen, zeigen sich erst später: Da die transgenen Fische eine erheblich kürzere Lebenszeit haben und daher weniger Nachkommen erzeugen, könne nach mehreren Generationen der Bestand abnehmen oder gar völlig zusammenbrechen (Trojanischer Gen-Effekt). Um dieses Risiko auszuschließen, sollen nur unfruchtbare gv-Lachse vermarktet werden.

Wenig Chancen für die großen Lachse?

Sollten die transgenen Lachse genehmigt werden, wären sie die ersten gentechnisch veränderten Tiere, die als Lebensmittel verzehrt werden.

Wissenschaftler sowie eine Koalition von Umweltgruppen und Fischereiverbänden haben die FDA aufgefordert, den Zulassungsantrag von Aqua Bounty Technologies abzulehnen. Inzwischen erklärte die FDA, dass für eine Beurteilung ausführliche Informationen zum Transgen notwendig sind. So muss das Unternehmen den Beweis führen, dass sich die Stelle, an der das neue Gen eingebaut wurde, nicht von Generation zu Generation ändert. Nur dann sei eine Beurteilung der für die Gesundheit relevanten Eigenschaften des Fisches auf lange Sicht möglich. Eine weitere Studie beschäftigt sich mit der Frage, ob die transgenen Fische möglicherweise häufiger allergische Reaktionen auslösen als nicht veränderte Artgenossen. Zudem soll gezeigt werden, dass entwichene gv-Tiere kein Umweltrisiko darstellen. Aqua Bounty Technologies hat der FDA weitere Daten vorgelegt, die derzeit geprüft werden.

 

Schnellsuche
Schnelle Volltextsuche über die gesamten Inhalte der Website
18. Dezember 2008 [nach oben springen]

© 1997 - 2010 i-Bio Information Biowissenschaften | Impressum | Leitlinien und Finanzierung | Website by Webmotive