Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln
  Fr 03.09.2010 | 07:01 Uhr
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Gentechnik bei Tieren:

Der Stand der Dinge


Für die menschliche Ernährung haben gentechnisch veränderte Tiere keine praktische Bedeutung. Im Bereich Medizin hingegen sieht das anders aus: Seit dem Jahr 2008 ist in Europa ein Medikament auf dem Markt, das in der Milch von transgenen Ziegen produziert wird.

Noch vor fünfzig Jahren gab eine deutsche Milchkuh durchschnittlich 1.000 Liter Milch im Jahr, heute sind es etwa 8.000. Es sind vor allem neue Verfahren in der Nutztierzüchtung, die zu dieser deutlichen Steigerung der Milchleistung beigetragen haben. Schon seit einiger Zeit ist die künstliche Besamung in der Rinderzucht Routine. Hochwertige Eigenschaften von Zuchtbullen können so an eine große Anzahl von Nachkommen weitergegeben werden. 90 Prozent der Milchkühe und 60 Prozent der Schweine werden heute mit Hilfe künstlicher Besamung erzeugt.

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Bei der Maus hat man mit gentechnischen Anwendungen die meisten Erfahrungen.

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Bei Rindern möchten Gentechniker unter anderem die Qualität der  Milch, Wachstum, Fruchtbarkeit sowie die Krankheitsresistenz verbessern.

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Leuchtende Zebra- fische sind die ersten gentechnisch veränderten Haustiere, die vermarktet wurden. Foto: www.glofish.com

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Auch an Insekten wird geforscht: Dieses transgene Moskito trägt ein Gen, das eine Resistenz gegen den Malaria-Parasiten vermittelt. Foto: PNAS

Reproduktions- oder
Fortpflanzungs-
technologie

Künstliche Besamung, künstliche Befruchtung, Embryonentransfer

weit verbreitet

Gentechnik oder
Rekombinations-
technik

Verfahren, um neue (fremde) Gene in das Genom von Tieren einzuführen

praktische Anwendung bei Nutztieren nur im medizinischen Bereich

Genomforschung

Entschlüsselung der Funktion einzelner Gene, Merkmale auf genetischer Ebene

Anwendung: Gen-Tests in der Züchtung, Forschung

 

Künstliche Besamung, Embryotransfer: Reproduktionstechniken sind verbreitet

Dabei blieb es nicht: Später kamen künstliche Befruchtung von Eizellen "im Reagenzglas" (in vitro) und Embryotransfer hinzu. So unterschiedlich diese Techniken auch sind - im Kern geht es darum, die Fortpflanzung der Tiere zu kontrollieren und Nachkommen zu erzeugen, die möglichst viele als hochwertig eingestufte Eigenschaften besitzen.

Doch die Arbeit der Züchter ist durch die Gesamtheit der GeneGene der jeweiligen Tierart (GenpoolGenpool) begrenzt. Erst mit der Gentechnik wurde es grundsätzlich möglich, neue artfremde Gene als "Material" für die Züchtung zu nutzen.

Bereits 1980 gelang es zum ersten Mal, einen neuen DNADNA-Abschnitt in das Genom eines Säugetiers, der Maus, zu integrieren. Zwei Jahre später gaben Forscher bekannt, dass ihre transgenentransgenen Nager dank zusätzlicher Gene für Wachstumshormone schneller wuchsen und größer wurden.

Trotz dieser frühen Erfolgsmeldungen gibt es bis heute keine gentechnisch veränderten Nutztiere, die Milch, Fleisch oder Eier für die menschliche Ernährung liefern - und daran wird sich in naher Zukunft nichts ändern.

Dass gv-Rinder, Schweine, Schafe oder Hühner noch keine praktische Anwendung in der Landwirtschaft finden, hat im Wesentlichen zwei Gründe:

Verfahren mit geringer Erfolgsquote. Im vergangenen Jahrzehnt haben sich die Techniken, mit denen fremde Gene in das Erbgut von Nutztieren eingeführt werden, weiterentwickelt. Trotzdem sind die Verfahren nicht effizient, da man noch zu wenig über die Funktion und das Zusammenspiel der Gene in der frühen embryonalen Entwicklung weiß. Die Erfolgsquote ist gering und liegt bei den meisten Spezies zwischen zwei bis fünf Prozent. Lediglich bei Rindern sind 15 bis 20 Prozent der Nachkommen lebensfähig. Bevor es gelingt, ein transgenes Tier zu erzeugen, müssen zahlreiche EmbryonenEmbryonen "verbraucht" werden. Und wenn ein gentechnisch verändertes Tier heranwächst, können Krankheiten, Missbildungen und eine verkürzte Lebensdauer nicht ausgeschlossen werden.

Keine interessanten Gene. Die Ziele, welche die Züchter verfolgen, haben sich mit den neuen Technologien nicht verändert: Es geht um die Leistung der Tiere, eine höhere Qualität der Produkte und die Wirtschaftlichkeit der Tierhaltung, aber auch um gesunde, robuste, widerstandsfähige Tiere. Doch in aller Regel sind diese Eigenschaften nicht in einem einzelnen Gen codiert, sondern beruhen auf einem komplizierten Zusammenspiel mehrerer Gene. Die Gentechnik ist weit davon entfernt, durch Hinzufügen, An- oder Abschalten einzelner Gene "neue" Nutztiere mit veränderten Eigenschaften zu erzeugen. Anders als mit den Resistenzgenen bei Pflanzen ist es bei Nutztieren häufig schwierig, wirtschaftlich interessante Gene zu finden, die in das Genom eingeführt werden könnten.

Transgene Tiere: Spezielle Anwendungsgebiete

 

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Weitere Informationen
Transgene Tiere
Animal pharming, two decades on (erschienen in Transgenic Research, 2008)
Transgenic farm animals: an update (erschienen in Reproduction, Fertility and Development, 2007)
Universitiy of Guelph: Enviropig, genetically modified pigs with the capability of digesting plant phosphorus
Einsatz von transgenen Tieren aus ethischer Sicht
Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen
"Pharming - Promises and risks of biopharmaceuticals derived from genetically modified plants and animals", 2009
Genomforschung bei Tieren
Forschungsschwerpunkt FUGATO (Funktionelle GenomAnalyse im Tierischen Organismus)
FUGATO-Broschüre: Innovationen für die Tierzucht
Nutztiere – quo vadite? Neue Wege durch funktionale Genomanalyse.
Eckhard Wolf; Lehrstuhl für Molekulare Tierzucht und Biotechnologie, München
23. Juni 2010 [nach oben springen]

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