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  Fr 12.03.2010 | 23:07 Uhr
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Transgene Tiere in der Medizin

Arzneimittelproduktion und Organtransplantate


In der Medizin können transgene Tiere in Zukunft vielfältig eingesetzt werden. Bereits jetzt unterstützen Tiermodelle bei der Entwicklung von Therapien gegen humane Erkrankungen mit genetischem Hintergrund. Seit 2008 ist das erste Arzneimittel aus transgenen Tieren auf dem Markt, und Organe von gentechnisch veränderten Schweinen sollen schon in einem Jahrzehnt Schwerkranken das Leben retten.

Bereits in den 1980er Jahren wurden erstmals gezielt bestimmte Gene in Mäuse eingeführt - mit dem Ziel, die Anfälligkeit für die Tumorbildung zu erhöhen. Die so veränderte Maus diente als "Tiermodell", an dem kanzerogene Substanzen und Arzneistoffe gegen Krebserkrankungen beim Menschen getestet werden konnten.

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gv-Ziegen produzieren in der Milch Spinnenseide - etwa für Prothesen.

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Organe aus gv-Schweinen für Schwerkranke?

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Aus Hühnereiern können Impfstoffe isoliert werden.

Zukunftstechnologie Gene Pharming?

Doch nicht nur in der Grundlagenforschung finden transgene Tiere Verwendung. Wissenschaftler möchten Ziegen, Schweine und Kühe schaffen, die in spezifischen Geweben kostengünstig Medikamente bilden. Gene Pharming oder Molecular PharmingMolecular Pharming nennt sich dieser Bereich der Gentechnik – ein Begriff, der sich aus "Pharmazie" und dem englischen Ausdruck "Farming" zusammensetzt.

Dabei ist der Einsatz von Tieren zur Gewinnung von Arzneimitteln nichts Neues. Bis in die 1940er Jahre gewann man Kortison aus den Nebennieren von Rindern. Insulin für Diabetiker wurde bis Mitte der 1980er aus tierischem Gewebe isoliert. Der Gerinnungshemmer Heparin stammt bis heute aus Schweinedarm oder Rinderlunge.

Nun überträgt man artfremde Erbinformation für bestimmte Substanzen auf Tiere, um diese gezielt als Produktionsplattform einzusetzen. Dabei stoßen die Wissenschaftler auf zahlreiche Probleme: Die Transformationstechniken sind unausgereift, die Kosten erheblich, der Aufbau einer stabilen Herde sehr schwierig. Auch die Risiken für die Tiere sind häufig nicht absehbar. Ihr Körper wird unablässig mit artfremden und biologisch aktiven Eiweißen in großen Mengen überschüttet, was die Gesundheit beeinträchtigen kann.

Dennoch besteht großes Interesse an dem Bereich Gene Pharming. Ein Grund ist, dass bestimmterekombinanterekombinante Arzneimittel einen hohen Marktwert haben. Vor allem bei komplexen Eiweißen lohnt sich die Investition, da die Produktion auf anderen Wegen ebenfalls kostenintensiv wäre. Bei Stoffen, die von geringem Wert sind, aber in großen Mengen benötigt werden, ist Gene Pharming ebenfalls eine wichtige Alternative. Das ist beispielsweise bei Serumalbuminen, die für Bluttransfusionen benötigt werden, der Fall.

Verschiedene Ansätze zur Produktion in tierischen Organen sind in der Diskussion: Die Milchdrüse ist zurzeit der bevorzugte Bioreaktor bei Tieren. Hühnereier verwendet man beispielsweise zur Gewinnung von Impfstoffen. Auch Urin und Sperma sind mögliche Produktionsplattformen. In Deutschland hat eine Firma transgene Kühe entwickelt, in deren Blut Antikörper gegen Hautkrebs und bestimmte Hirntumore zirkulieren.

Im Handel: Antithrombin aus transgenen Ziegen

Das Produkt Antithrombin III, kurz ATryn, ist als erstes Arzneimittel aus transgenen Tieren in einigen Ländern der EU, darunter auch Deutschland, seit dem Jahr 2008 auf dem Markt. Der Stoff hemmt die Blutgerinnung und soll Menschen mit einem erblich bedingten Antithrombinmangel in Risikooperationen vor lebensgefährlichen Thrombosen schützen. Die Firma GTC Biotherapeutics hat die genetische Information für Antithrombin in das Genom von Ziegen eingeführt. Da dem Gen ein entsprechender Promotor vorgeschaltet ist, wird das Eiweiß nun in der Milchdrüse gebildet. In den USA ist Atryn seit Februar 2009 zugelassen.

Organe aus dem Schwein für Schwerkranke?

Der Bedarf an Spenderorganen ist bei weitem höher als das Angebot. Eine Lösung des Problems soll die Xenotransplantation sein – die Übertragung von Zellen, Geweben und Organen zwischen nicht verwandten Arten, wie vom Tier auf den Menschen. Früher experimentierte man mit Menschenaffen, heute weiß man, dass das Hausschwein dafür besonders geeignet ist.

Die Organe von Schweinen und Menschen haben in etwa die gleiche Größe und vergleichbare anatomische und physiologische Merkmale. Kurze Reproduktionszyklen, die problemlose Aufzucht, große Nachkommenzahlen und geringe Haltungskosten sind weitere Vorteile. Bis die Xenotransplantation klinischer Alltag werden kann, sind aber noch einige Schwierigkeiten zu überwinden.

Das Hauptproblem ist dabei die immunologische Abstoßungsreaktion: Wird das Organ eines Schweins in den menschlichen Körper übertragen, reagieren Antikörper auf die Antigene der Oberfläche des Fremdkörpers. Das Abwehrsystem im Blut wird aktiviert und zerstört das Organ. Das soll mithilfe der Gentechnik verhindert werden. Eine Idee ist, die antigenen Oberflächenstrukturen auszuschalten und das Fremdorgan sozusagen mit einer Tarnkappe zu überziehen. Des Weiteren werden transgene Schweine geschaffen, die bestimmte menschliche Eiweiße bilden, die eine Abstoßungsreaktion hemmen sollen. Die Immunabwehr darf jedoch nicht zu sehr unterdrückt werden, da das tierische Transplantat gefährliche Viren übertragen kann.

Experten schätzen, dass bereits in zehn Jahren die ersten Patienten von Organen aus dem Schwein profitieren können.

 

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11. Februar 2009 [nach oben springen]

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