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  Fr 03.09.2010 | 07:05 Uhr
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Forschung an pilzresistentem Weizen

Weizen: Mit Gentechnik gegen Pilzkrankheiten


Vor allem bei feuchter Witterung wird Getreide häufig von Pilzkrankheiten befallen. Die Folgen sind nicht nur Ertragsausfälle und Qualitätseinbußen. Einige der Pilze produzieren hochgiftige Substanzen, welche die Ernteprodukte belasten. Eine Bekämpfung dieser Pilzkrankheiten ist nicht immer einfach und auch die Züchtung robuster, widerstandsfähiger Sorten hat bisher keinen durchschlagenden Erfolg gehabt.

Weizen oder Gerste mit einer wirksamen Resistenz gegen Pilzkrankheiten sind schon lange ein wichtiges Ziel der Pflanzenzüchter. Zwar hat es in den letzten Jahren einige  Fortschritte gegeben, doch gerade bei der PilzresistenzPilzresistenz stößt die klassischen Züchtung an ihre Grenzen. Oft sind im GenpoolGenpool der jeweiligen Pflanzenart keine geeigneten Resistenzgene vorhanden, die in Kultursorten eingekreuzt werden könnten. In anderen Fällen ist der genetische Hintergrund so komplex, dass der Aufbau einer wirksamen Pilzresistenz mit konventionellen Züchtungsmethoden kaum oder nur über große Zeiträume möglich ist.

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Weizen mit Fusarienbefall.
Mögliche Folge: Weizenprodukte sind mit Pilzgiften (Mykotoxine) belastet. Inzwischen gibt es in Europa zwar zulässige Höchstwerte, doch in starken Befallsjahren haben die Landwirte Schwierigkeiten, diese einzuhalten.
(Foto: Syngenta)

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Versuche in Üplingen: Gv-Weizen mit neuen Resistenzkonzepten gegen Brandpilze.


Ende der Forschung. Protestaktion gegen ein Versuchsfeld mit gv-Weizen. Nachdem eine Auswertung des Versuchs nicht mehr möglich war, wurde die weitere Entwicklung in Europa eingestellt.
(Foto: greenpeace)

Mit der Gentechnik scheint es grundsätzlich möglich, diese Beschränkungen zu überwinden. Aus der Genomforschung sind inzwischen verschiedene GeneGene und Genkombinationen bekannt, die Resistenzen gegen bestimmte Pilzkrankheiten vermitteln. Mit gentechnischen Methoden können solche Resistenzkonzepte auf Weizen- oder Gerstepflanzen übertragen werden. Einige dieser neuen pilzresistenten Pflanzen werden zwar bereits in Freilandversuchen getestet, doch von einer kommerziellen Anwendung sind sie noch weit entfernt.

Weizen: Weniger Pilzbefall, weniger Pilzgifte

Ein Beispiel für neue gentechnische Konzepte gegen Pilzkrankheiten bei Getreide ist ein von dem Schweizer Agrobiotech-Unternehmen Syngenta entwickelter gv-Weizen, der eine Resistenz gegen Fusarium-Pilze besitzt. Sie basiert auf einem aus einem anderen Pilz isolierten Gen, das in Weizen eingeschleust wurde und dort für die Produktion eines gegen Fusarien gerichteten EnzymsEnzyms sorgt.

Diese Pilzgattung befällt vor allem Getreide wie Mais, Weizen, Hafer und Gerste. Bei Weizen führt ein Fusarien- Befall zu deutlichen Qualitäts- und Ertragseinbußen: Die Ähren bleiben ohne Frucht oder produzieren Kümmer- oder  Schmachtkörner, die kleiner als die normalen Weizenkörner sind. Problematischer ist jedoch, dass einige der Fusarien-Arten MykotoxineMykotoxine bilden, eine Gruppe giftiger Stoffwechselprodukte, mit denen Pilze ihre Sporen bei der Keimung vor Mikroorganismen schützen. Bei der Weiterverarbeitung des Getreides gelangen die Mykotoxine in die Nahrung und können beim Verzehr zu akuten und chronischen Vergiftungserscheinungen führen. In Futtermitteln verursachen Mykotoxine bei den Tieren vor allem Verdauungsstörungen.

Nach Versuchen in Nord- und Südamerika sollte der Syngenta-Weizen 2003/04 an zwei Standorten in Thüringen und Sachsen-Anhalt getestet werden. Nur im Freiland lässt sich überprüfen, on der neue Weizen unter Praxisbedingungen tatsächlich besser vor Pilzkrankheiten geschützt und die Ernte weniger mit Mykotoxinen belastet ist. Nachdem radikale Gentechnik-Gegner beider Felder zerstört hatten, stellte Syngenta die weitere Entwicklung in Europa ein.

Forschung: Neue Konzepte zur Abwehr vor Pilzkrankheiten

Gerade in Europa beschäftigen sich einige Forschergruppen damit, die neuen Möglichkeiten der Gentechnik für die Entwicklung neuer Resistenzkonzepte gegen Pilzkrankheiten bei Getreide zu nutzen.

  • Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in Aachen haben auf Getreidepflanzen Gene für spezifische Antikörper übertragen, die an der Zellwand der Pilze andocken. Die Antikörper sind mit Wirkstoffen gekoppelt, welche die Zellwände der Pilze abbauen. Derzeit wird die Wirksamkeit des Konzept in Freilandversuchen außerhalb Europas überprüft.

  • An der ETH Zürich wurde ein gentechnisch veränderter Weizen entwickelt, der einen natürlichen Schutzmechanismus für eine verbesserte Widerstandskraft gegen Brandpilze nutzt. Weltweit, so schätzt das internationale Getreideforschungszentrum, verursachen Brandpilze vor allem in Entwicklungsländern Ernteausfälle zwischen fünf und zehn Prozent. 2004 wurde in der Schweiz ein erster Freilandversuch mit dem Flugbrand-resistenten Weizen unter strengen Sicherheitsauflagen durchgeführt. 2009 folgten weitere Versuche in Deutschland.

  • In der Schweiz wird gv-Weizen in Freilandversuchen getestet, der infolge eines eingeführten Gerste-Gens über eine Resistenz gegen Mehltau-Pilzinfektionen verfügt. Untersucht werden soll die Wirksamkeit des Konzepts sowie mögliche Umweltauswirkungen. Das Projekt ist Teil des Nationalen Forschungsprogramms zu "Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen."

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06. November 2009 [nach oben springen]

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