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  Fr 03.09.2010 | 06:45 Uhr
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Züchtungsziel: Trockentolerante Nutzpflanzen

Mehr Hitze, weniger Wasser


Wasser ist eine immer knapper werdende Ressource. Schon heute fließen zwei Drittel des weltweiten Wasserverbrauchs in die Landwirtschaft - und mit zunehmender Erderwärmung wird dieser Anteil steigen. Es ist ein lohnendes Ziel, Pflanzen zu entwickeln, deren landwirtschaftlicher Anbau weniger Wasser benötigt und die auch bei Hitze und Trockenheit gute Erträge liefern. Trockentolerante Kulturpflanzen könnten einen nachhaltigen Beitrag leisten, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

Seit Jahren arbeiten Züchter und Agrarforscher überall auf der Welt an Nutzpflanzen, die bei Trockenheit oder auf salzigen Böden einen ebenso hohen oder sogar höheren Ertrag liefern wie unter Normalbedingungen. Pflanzen mit solchen Eigenschaften werden künftig vor allem in solchen Regionen benötigt, die häufig unter Dürren leiden und wo Wasser und fruchtbares Ackerland immer knapper werden.

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Schon bald die Regel? Im Hitzesommer 2003 verdorrte der Mais auf den Feldern. Wo keine Bewässerungsanlagen zur Verfügung standen, gab es kaum Erträge.

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Kostbare Ressource Wasser. Um den Wasserbedarf der Landwirtschaft zu drosseln, werden neue Pflanzensorten benötigt, die mit weniger Wasser auskommen.
Foto: USDA NRCS

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Versalzte Böden. Unsachgemäße Bewässerung führt zu Ertragseinbußen. Die Lösung: Salztolerante Pflanzen?
Foto: USDA NRCS

Bereits heute müssen knapp 20 Prozent aller Agrarflächen regelmäßig bewässert werden - und als Folge des Klimawandels steigt der Wasserbedarf der Landwirtschaft weiter an. In trockenen, regenarmen Regionen wird es künftig vermehrt zu Dürreperioden kommen. So ist etwa in Spanien bereits eine Ausdehnung wüstenähnlicher Regionen zu beobachten. Auch in einigen Regionen Deutschlands, etwa am Oberrhein oder an der Oder, stellen geringere Niederschlagsmengen und steigende Temperaturen die Landwirtschaft vor neue Probleme.

Nach den Berechnungen der Klimaforscher sind 35 bis 50 Prozent der weltweiten Weizenanbaugebiete von Trockenheit bedroht. Im australischen Bundesstaat Victoria verursachte die Dürre 2006/07 bei der Weizenernte einen Verlust von 70 Prozent.

Doch die Bewässerung der Felder ist allenfalls eine kurzfristige Lösung. Gerade in heißen Trockengebieten mit starker Sonneneinstrahlung kann sie unerwünschte Folgen haben: Bei unsachgemäßer oder übermäßiger Bewässerung versalzen die Böden. Werden ständig große Mengen Wasser auf die Flächen gebracht, steigt der Grundwasserspiegel bis schließlich Kapillarkräfte das Grundwasser über die Bodenzwischenräume an die Oberfläche leiten, wo es verdunstet. Zurück bleiben die im Grundwasser gelösten Salze. Die Bewässerung mit Grundwasser verstärkt den Prozess, da es im Gegensatz zu Regenwasser mehr Salze enthält. Ein hoher Salzgehalt im Boden verhindert die Wasseraufnahme der Pflanzen. In einigen Ländern wie China, Indien, Australien und den USA hat die Bodenversalzung durch Bewässerung bereits zu örtlichen Ertragseinbußen von 20 bis 40 Prozent geführt.

Gene für Trockentoleranz: Schon bald in Mais und Weizen?

Mehr Trockenperioden, Ertragsausfälle  und ein steigender Wasserbedarf der Landwirtschaft - auch die Pflanzenzüchtung kann einen Beitrag leisten, mit den Auswirkungen dieser Probleme besser fertig zu werden. In den Zentren der internationalen Agrarforschung, aber auch in nationalen Forschungsprogrammen und in Züchtungsunternehmen wird intensiv daran gearbeitet, Pflanzen zu entwickeln, die mit Stressfaktoren wie Kälte, Trockenheit oder Salzböden besser fertig werden.

Hätten die Forscher Erfolg, könnten in Zukunft auch solche Flächen landwirtschaftlich genutzt werden, die bisher als dafür ungeeignet galten. Stresstolerante Pflanzensorten könnten nicht nur dazu beitragen, neues Ackerland zu erschließen, um eine wachsenden Weltbevölkerung zu ernähren. Sie könnten auch den Nutzungsdruck auf für die Artenvielfalt oder das Weltklima wichtige Flächen wie den Regenwald mindern, die heute oft der Landwirtschaft weichen müssen.

In der konventionellen Züchtung wird seit mehr als hundert Jahren daran gearbeitet, Nutzpflanzen zu züchten, die Trockenzeiten ohne Ertragseinbußen überstehen oder weniger intensiv bewässert werden müssen. Meist hat man versucht, robuste Pflanzen, die man in trockenen Regionen gefunden hat, mit ertragreichen Sorten derselben Art zu kreuzen. Dieser Weg ist langwierig und nicht immer erfolgreich. 

Neue Möglichkeiten haben die modernen molekularbiologischen Methoden eröffnet. In Pflanzenarten, die besonders gut an Hitze und Trockenheit angepasst sind, aber auch in Moosen und Hefen, sucht man die für dafür verantwortlichen Gene und versucht, deren Funktionsweise zu verstehen. Dabei hat man festgestellt, dass häufig eine ganze Reihe von Genen aktiv an der Ausprägung von Stresstoleranzen verantwortlich sind. Inzwischen ist es gelungen, einige Mechanismen, die Pflanzen bei Trockenstress schützen, aufzudecken. Mit Hilfe der Gentechnik ist es möglich, diese Gene auf andere Pflanzen zu übertragen. Inzwischen gibt es in mehreren Pflanzenarten eine Reihe von Prototypen, in denen solche Gene aktiv sind. Einige dieser Pflanzenlinien werden bereits in Freilandversuchen getestet (siehe Tabelle). In Australien, von Dürreperioden besonders stark betroffen, wird intensiv an der Entwicklung trockentoleranter Sorten gearbeitet. Man hat bereits fünfzehn verschiedene Kandidatengene für Trockentoleranz gefunden.  Bei Weizen haben mehrere Linien in Anbauversuchen bei Trockenheit deutliche höherer Erträge geliefert als konventionelle Sorten.

Bei Mais, Reis und Weizen wird angestrebt, trockentolerante gv-Sorten in etwa drei bis sieben Jahren zur Marktreife zu bringen, bei Baumwolle rechnet man mit einer Kommerzialisierung stresstoleranter Sorten in etwa zehn Jahren. 

Übersicht und Stand der Forschung (Beispiele)

Pflanze Merkmal Stand Jahr Land
Baumwolle Trockentoleranz F 1999-2007 USA
Erdnuss Trocken-, Salztoleranz und Ertragssteigerung LV 2007 USA, Japan, Indien
Gerste Trockentoleranz LV   USA, EU
Gurke Salztoleranz F 2002-2005 USA
Hirse Trocken-, Salztoleranz LV   Südamerika
Kaki Trocken- und Kältetoleranz F 1999 USA
Kartoffel Trockentoleranz F 1997 EU (Italien), Ägypten
Kälte- und Trockenresistenz F 2006-2007 USA
Mais Trockentoleranz F


F
 

LV

2001-2006

-2009
EU (Frankreich, Ungarn), USA, Ägypten

Afrika

Raps Trockentoleranz F 2006 Kanada, USA
Reis Trocken- und Salztoleranz, geringer Wasserverbrauch F 2003-2007 EU, USA , Indien, China
Soja Trocken- und Salztoleranz F 2003-2007 USA
Sonnenblume Trockentoleranz F 1994 EU (Spanien)
Tomate Trockentoleranz

Trocken-, Salz- und Kältetoleranz

F

F

1996

1991-2007

EU (Italien)

USA

Weinrebe Kältetoleranz F 2000 Kanada
Weizen Trocken- und Salztoleranz F 1999-2008 USA, Australien, Ägypten (LV in Italien*)
Zuckerrohr Trockentoleranz LV 2007 Brasilien
Zuckerrübe Trockentoleranz F 2002 EU (Frankreich)
Futterpflanzen (Grasarten und Klee) Trocken- und Salztoleranz, Futtermittelqualität LV

F

 

1998-2006

Australien

USA

LV= Laborversuche; F= Freisetzungsversuche;

* Tests in der Mexikanischen Wüste mit Getreide und Kartoffeln

 

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Forschungsprojekte
Universität Kassel: Mechanismen der Trockentoleranz verschiedener Perlhirsegenotypen
Universität Bonn: Molekulare Grundlagen von Trockentoleranz bei Pflanzen
Julius Kühn-Institut: Institut für Resistenzforschung und Stresstoleranz
BASF und Monsanto starten Zusammenarbeit bei Forschung, Entwicklung und Vermarktung in der Pflanzenbiotechnologie. (Presseinformation 21.03.2007)
International Maize and Wheat Improvement Centre: Water Efficient Maize for Africa (WEMA)
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21. April 2009 [nach oben springen]

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