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Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln:
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Manche halten Traurige Berühmtheit erlangte Phytophthora durch die Ereignisse in Irland Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Pilz vernichtete mehrere Jahre hintereinander nahezu die gesamte Kartoffelernte des Landes und löste damit eine Hungerkatastrophe aus, in deren Folge etwa eine Million Menschen starben und weitere zwei Millionen nach Australien und Nordamerika auswanderten. Pilzresistenz – eine schwierige AufgabeDie Bekämpfung von Phytophthora erfolgt bisher fast ausschließlich durch chemische Pflanzenschutzmittel. In Deutschland werden in einer Anbausaison bis zu 16 Spritzungen vorgenommen. Im Biolandbau wird Phytophthora mit umweltbelastenden Kupferverbindungen bekämpft. Weil Phytophthora so flexibel und wandlungsfähig ist, arbeitet man in Forschung und Züchtung derzeit weltweit an einem Resistenztyp, der von vielen Genen bedingt wird. Damit erreicht man zwar keinen absoluten Schutz vor Befall, aber der Schutz ist dauerhaft, weil er aufgrund der vielen beteiligten Erbfaktoren nicht so leicht von neu auftretenden Rassen des Erregers durchbrochen werden kann. In der konventionellen Züchtung werden die Erbanlagen für die rassenunabhängige Widerstandsfähigkeit aus Wildkartoffeln in Kultursorten eingekreuzt. Die dabei ebenfalls übertragenen unerwünschten Eigenschaften der wilden Kartoffeln müssen dann aber wieder herausgezüchtet werden, ohne die Resistenzeigenschaften zu verlieren. Wegen der komplexen Vererbung ist das schwierig und zeitaufwändig. Übertragung von Resistenzgenen aus mexikanischen WildkartoffelnSchon länger wird auch an der Entwicklung
Phytophthora-resistenter Kartoffeln mit Hilfe gentechnischer
Methoden gearbeitet und geforscht. Das
Hauptproblem liegt auch hier in der extremen Wandlungsfähigkeit des
Erregers, so dass es nicht ausreicht, nur ein einzelnes für
Eine gentechnisch veränderte pilzresistente Kartoffel wurde in den letzten Jahren von der Firma BASF Plant Science entwickelt. Wie bei der traditionellen Züchtung auch suchten die Wissenschaftler nach Wildkartoffel-Arten, die natürlicherweise eine hohe Resistenz gegenüber dem Erreger der Kraut- und Knollenfäule haben. Bei der mexikanischen Wildkartoffel Solanum bulbocastanum wurden sie fündig. Mit molekularbiologischen Methoden wurden die Gene ausfindig machen, die für die Resistenz verantwortlich sind. Zwei Resistenzgene wurden isoliert und auf gentechnischem Wege in eine bestehende Kartoffelsorte eingebracht. |
Seit 2006 wurde die gv-Kartoffel mit dem Markennamen Fortuna erfolgreich in verschiedenen europäischen Ländern im Freiland getestet, 2011 schließlich die EU-Zulassung beantragt, sowohl für den Anbau als auch für die Verwendung als Lebens- und Futtermittel. Aufgrund des anhaltenden negativen Meinungsklimas gegenüber der grünen Gentechnik in Europa, verlagerte die BASF ihre Biotech-Sparte 2012 in die USA, Anfang 2013 stoppte sie die Zulassungsprozesse ihrer Kartoffelprojekte in Europa.
Cisgene Kartoffeln - nur Erbmaterial aus Kartoffeln
Auch an der Universität Wageningen in den
Niederlanden wird das Ziel verfolgt, mit Hilfe gentechnischer
Methoden eine dauerhafte Resistenz gegenüber Phytophthora zu
erreichen. Auch hier werden Resistenzgene aus Wildkartoffeln in
gängige Kartoffelsorten übertragen. Das Besondere: Die Wageninger
Wissenschaftler verwenden ausschließlich Erbmaterial aus Kartoffel,
das heißt, auch Gensequenzen, die für die Übertragung und Ausprägung
der Resistenzgene erforderlich sind, stammen aus Kartoffel. Sie
verzichten ebenfalls auf ein
Markergen, das
üblicherweise etwa aus Bakterien stammt. Da die gv-Kartoffeln nur
arteigenes Genmaterial enthalten werden sie als cisgen
(cis=diesseits) im Unterschied zu
transgen (trans=jenseits)
bezeichnet.
Um eine dauerhafte Resistenz zu erreichen, sollen jeweils mehrere Resistenzgene aus verschiedenen Wildkartoffeln übertragen werden.
Ein erster Freilandversuch mit Kartoffeln, die kombinierte Resistenzgene und kein Markergen mehr enthielten, wurde 2009 gestartet. 2010 bis 2012 folgten weitere Freisetzungen in Belgien und Großbritannien, ab 2012 auch in Irland. Die ersten Ergebnisse sind Erfolg versprechend: Die Kartoffeln zeigten im Freiland eine deutlich geringere Anfälligkeit gegenüber Phytophthora.
Mehr bei transGEN:

| Die Kartoffel hat es in sich. Eine in Europa anfangs fremde Knolle ist hier längst zum Grundnahrungsmittel geworden. Alles zu Biologie und Anbau der Kartoffel, zu Krankheiten, Schädlingen und Forschungsprojekten. (www.biosicherheit.de) |
| Die Kartoffel - Verwandte, Feinde, Forschung. Ein Besuch im Schaugarten des Max-Planck-Instituts für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln. |
| Die Kraut- und Knollenfäule ist eine heimtückische Kartoffelkrankheit und nur schwer zu bekämpfen. Nun könnte es neue Lösungen geben. |

| Forschung Kartoffeln. In Europa hat es eine Reihe von Forschungsprojekten gegeben, um Kartoffel mit neuen oder besseren Eigenschaften zu entwickeln. Bis hat kein Projekt zu kommerziellen Produkten geführt. |
| Im Web |
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