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Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln:
Neue Strategien gegen einen trickreichen Erreger

Phytophthora infestans - so heißt der Erreger der Kraut- und Knollenfäule, die zu den wichtigsten Kartoffelkrankheiten zählt. Der kleine Pilz verursacht weltweit Ernteeinbußen von etwa zwanzig Prozent. Seine Bekämpfung ist aufwändig und belastet die Umwelt, auch im Öko-Landbau. Die Züchtung widerstandsfähiger Sorten hat bisher keinen dauerhaften Erfolg gebracht, weil der Erreger eingezüchtete Resistenzen immer wieder durchbricht.

Gentechnisch veränderte Kartoffeln mit Resistenz gegen Kraut- und Knollenfäule:

Kartoffel Fortuna von BASF

  • Übertragung von zwei Resistenzgenen aus einer mexikanischen Wildkartoffel.

  • Ende 2011 Antrag auf EU-Zulassung für den Anbau und als Lebensmittel

  • 2012 Rückzug der Biotech-Sparte des Unternehmens aus Europa, Anfang 2013 Stopp der Zulassungsverfahren für alle gv-Kartoffeln der BASF in Europa

Cisgene Kartoffeln, Universität Wageningen (NL)

  • Ebenfalls Übertragung von Resistenzgenen aus Wildkartoffeln, aber: Verwendung von ausschließlich kartoffeleigenem Erbmaterial, etwa Verzicht auf ein Markergen

  • Seit 2009 Freilandversuche in mehreren europäischen Ländern

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Es beginnt mit braunen Flecken. Insbesondere bei feucht-warmer Witterung verbreitet Phytophthora sich rasend schnell. Zunächst bilden sich grau-grüne im weiteren Verlauf braune Flecken auf Stängel und Blättern, an der Unterseite der Blätter ein weißer Pilzrasen. Die Blätter verfaulen schließlich oder vertrocknen.

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Kranke Knollen. Bei Regen wird Phytophthora in den Boden gespült und befällt dort auch die Knollen.

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Schäden durch Phytophthora: Normale Kartoffelsorte ohne Behandlung (Vordergrund), gentechnisch veränderte resistente Kartoffeln (Hintergrund).

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Wildkartoffel mit natürlicher Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule. Die dafür verantwortlichen Gene wurden auf eine Kultursorte übertragen.
Fotos: Syngenta, BASF, i-bio (2).

Manche halten PhytophthoraPhytophthora für die gefährlichste Pflanzenkrankheit überhaupt, denn der Erreger verbreitet sich so schnell, dass er binnen kürzester Zeit großen Schaden anrichten kann. Und er ist darüber hinaus so flexibel, dass er bislang noch jede gegen ihn gerichtete Bekämpfungs- strategie mit neuen, angepassten Formen beantwortet hat.

Traurige Berühmtheit erlangte Phytophthora durch die Ereignisse in Irland Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Pilz vernichtete mehrere Jahre hintereinander nahezu die gesamte Kartoffelernte des Landes und löste damit eine Hungerkatastrophe aus, in deren Folge etwa eine Million Menschen starben und weitere zwei Millionen nach Australien und Nordamerika auswanderten.

Pilzresistenz – eine schwierige Aufgabe

Die Bekämpfung von Phytophthora erfolgt bisher fast ausschließlich durch chemische Pflanzenschutzmittel. In Deutschland werden in einer Anbausaison bis zu 16 Spritzungen vorgenommen. Im Biolandbau wird Phytophthora mit umweltbelastenden Kupferverbindungen bekämpft.

Weil Phytophthora so flexibel und wandlungsfähig ist, arbeitet man in Forschung und Züchtung derzeit weltweit an einem Resistenztyp, der von vielen Genen bedingt wird. Damit erreicht man zwar keinen absoluten Schutz vor Befall, aber der Schutz ist dauerhaft, weil er aufgrund der vielen beteiligten Erbfaktoren nicht so leicht von neu auftretenden Rassen des Erregers durchbrochen werden kann.

In der konventionellen Züchtung werden die Erbanlagen für die rassenunabhängige Widerstandsfähigkeit aus Wildkartoffeln in Kultursorten eingekreuzt. Die dabei ebenfalls übertragenen unerwünschten Eigenschaften der wilden Kartoffeln müssen dann aber wieder herausgezüchtet werden, ohne die Resistenzeigenschaften zu verlieren. Wegen der komplexen Vererbung ist das schwierig und zeitaufwändig.

Übertragung von Resistenzgenen aus mexikanischen Wildkartoffeln

Schon länger wird auch an der Entwicklung Phytophthora-resistenter Kartoffeln mit Hilfe gentechnischer Methoden gearbeitet und geforscht. Das Hauptproblem liegt auch hier in der extremen Wandlungsfähigkeit des Erregers, so dass es nicht ausreicht, nur ein einzelnes für PilzresistenzPilzresistenz verantwortliches Gen einzubauen.

Eine gentechnisch veränderte pilzresistente Kartoffel wurde in den letzten Jahren von der Firma BASF Plant Science entwickelt.  Wie bei der traditionellen Züchtung auch suchten die Wissenschaftler nach Wildkartoffel-Arten, die natürlicherweise eine hohe Resistenz gegenüber dem Erreger der Kraut- und Knollenfäule haben. Bei der mexikanischen Wildkartoffel Solanum bulbocastanum wurden sie fündig.

Mit molekularbiologischen Methoden wurden die Gene ausfindig machen, die für die Resistenz verantwortlich sind. Zwei Resistenzgene wurden isoliert und auf gentechnischem Wege in eine bestehende Kartoffelsorte eingebracht.

Seit 2006 wurde die gv-Kartoffel mit dem Markennamen Fortuna erfolgreich in verschiedenen europäischen Ländern im Freiland getestet, 2011 schließlich die EU-Zulassung beantragt, sowohl für den Anbau als auch für die Verwendung als Lebens- und Futtermittel. Aufgrund des anhaltenden negativen Meinungsklimas gegenüber der grünen Gentechnik in Europa, verlagerte die BASF ihre Biotech-Sparte 2012 in die USA, Anfang 2013 stoppte sie die Zulassungsprozesse ihrer Kartoffelprojekte in Europa.

Cisgene Kartoffeln - nur Erbmaterial aus Kartoffeln

Auch an der Universität Wageningen in den Niederlanden wird das Ziel verfolgt, mit Hilfe gentechnischer Methoden eine dauerhafte Resistenz gegenüber Phytophthora zu erreichen. Auch hier werden Resistenzgene aus Wildkartoffeln in gängige Kartoffelsorten übertragen. Das Besondere: Die Wageninger Wissenschaftler verwenden ausschließlich Erbmaterial aus Kartoffel, das heißt, auch Gensequenzen, die für die Übertragung und Ausprägung der Resistenzgene erforderlich sind, stammen aus Kartoffel. Sie verzichten ebenfalls auf ein MarkergenMarkergen, das üblicherweise etwa aus Bakterien stammt. Da die gv-Kartoffeln nur arteigenes Genmaterial enthalten werden sie als cisgen (cis=diesseits) im Unterschied zu transgentransgen (trans=jenseits) bezeichnet.

Um eine dauerhafte Resistenz zu erreichen, sollen jeweils mehrere Resistenzgene aus verschiedenen Wildkartoffeln übertragen werden.

Ein erster Freilandversuch mit Kartoffeln, die kombinierte Resistenzgene und kein Markergen mehr enthielten, wurde 2009 gestartet.  2010 bis 2012 folgten weitere Freisetzungen in Belgien und Großbritannien, ab 2012 auch in Irland. Die ersten Ergebnisse sind Erfolg versprechend: Die Kartoffeln zeigten im Freiland eine deutlich geringere Anfälligkeit gegenüber Phytophthora.

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30. Januar 2013 [nach oben springen]

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