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Zuckerrüben: Weniger Aufwand bei der Unkrautbekämpfung

Zuckerrüben sind konkurrenzschwach. Ohne eine massive Bekämpfung der Unkräuter würde sich der Zuckerrübenanbau kaum lohnen. Heute müssen die Landwirte jede Menge Pflanzenschutzmittel ausbringen. Mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben soll die Unkrautregulierung wirksamer und umweltverträglicher werden als bisher. In den USA haben sie sich innerhalb von drei Jahren fast flächendeckend durchgesetzt.

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Junge Zuckerrübenpflänzchen sind konkurrenzschwach. Ohne aufwändige Unkrautkontrolle hätten sie kaum eine Chance.

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Anbauversuche im Schaugarten Üplingen: Herbizidresistente Zuckerrüben (links), konventionelle Zuckerrüben ohne Unkrautbekämpfung (rechts)

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Anbau in den USA: Drei Jahre nach der Markteinführung haben sich herbizidresistente gv-Zuckerrüben weitgehend durchgesetzt.
Foto: Anbauversuche in Idaho/USA, Betaseed
 

USA: Gericht kassiert Zulassung

Im Herbst 2010 hat ein Gericht in den USA die Anbauzulassung für gv-Zuckerrüben außer Kraft gesetzt. Die Behörden hätten bei der Zulassung versäumt, eine ausführliche Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen. Bis zu deren Abschluss - vermutlich 2012 - ist nach einem Gerichtsbeschluss der Anbau von gv-Zuckerrüben unter bestimmten Auflagen möglich. Trotz der langen juristischen Auseinandersetzungen ist der Anbau von gv-Zuckerrüben 2011 gegenüber dem Vorjahr nicht zurückgegangen.

Europa: Versuche, noch kein Anbau

In der EU ist der Anbau von H7-1-Zuckerrüben bisher nicht erlaubt. Ein Antrag ist gestellt, aber noch weit von einer Entscheidung entfernt.

Erlaubt ist die Einfuhr von Zucker, der ganz oder anteilig aus diesen gv-Rüben stammt, ebenso Rübenschnitzel, die als Futtermittel verwertet werden

Ob es zu einem kommerziellen Anbau in der EU kommt, ist bisher nicht entschieden. In den letzten Jahren wurde im Freiland untersucht, wie sich gv-Zuckerüben in der Umwelt verhalten und ob sie auch unter europäischen Bedingungen zu einem besseren Unkrautmanagement beitragen. Die Ergebnisse fließen in das aktuelle Zulassungsverfahren ein.

Nach der Aussaat entwickeln sich Zuckerrüben nur sehr langsam. Wildgräser oder Unkräuter sind meist schneller und konkurrieren um Licht, Wasser und Nährstoffe. Ohne deren massive Bekämpfung könnten sich die jungen Zuckerrübenpflänzchen kaum behaupten. Verglichen mit anderen Kulturarten erfordert der Zuckerrübenanbau den intensivsten und häufigsten Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln.

In der Praxis ist ein dreimaliger Einsatz von HerbizidenHerbiziden üblich, bei dem in der Regel vier bis sieben verschiedene Wirkstoffe eingesetzt werden. Ohne Unkrautmanagement würde der Ertrag im Zuckerrübenanbau um 75 Prozent reduziert.

Für die Landwirte sind Herbizide, Maschineneinsatz und Betriebsmittel ein wichtiger Kostenfaktor. Gerade der Zuckerrübenanbau in Deutschland gerät unter zunehmenden wirtschaftlichen Druck: Nachdem das Ende der EU-Zuckermarktordnung beschlossen ist, müssen sich die heimischen Erzeuger der Weltmarktkonkurrenz mit billigem Rohrzucker stellen. Auch eine Nutzung von Zuckerrüben als Bioenergieträger ("Energierüben") könnte durch Kosteneinsparungen beim Anbau profitieren.

Ein verändertes Unkrautbekämpfungskonzept, das mit weniger Spritzgängen auskommt, wäre daher wirtschaftlich interessant - und könnte zudem noch die Umwelt entlasten.

Darauf zielt die vom deutschen Züchtungsunternehmen KWS Saat AG entwickelte gentechnisch veränderte Zuckerrübe H7-1. Dabei wurde ein Konzept des US-Agrarkonzerns Monsanto verwendet, das z.B. auch schon bei Sojabohnen angewendet wird: Infolge eines neu eingeführten, aus einem Bodenbakterium stammenden Gens sind die Zuckerrüben resistent gegen den Wirkstoff GlyphosatGlyphosat, der unter dem Markennamen Roundup als Breitbandherbizid eingesetzt wird. Er wirkt, indem er in allen grünen Pflanzenteilen die Produktion bestimmter Aminosäuren blockiert. Dadurch wachsen die Pflanzen nicht mehr und sterben ab. Nur in den resistenten gv-Pflanzen wird die Wirkung von Glyphosat "neutralisiert".

Glyphosat wird als Herbizid schon länger eingesetzt. In Deutschland wurde es 1975 erstmals zugelassen. Es hat ein im Vergleich mit anderen Herbiziden günstiges ökotoxikologisches Profil: Es wird bereits nach 30 bis 40 Tagen im Boden vollständig abgebaut und die "Nebenwirkungen" auf Vögel, Fische und andere Boden- oder Gewässerlebewesen sind vergleichsweise gering.

Gegenüber herkömmlichen Herbiziden verspricht das neue Konzept vor allem den Landwirten Vorteile: Während sie heute mehrere Herbizidwirkstoffe einsetzen müssen, um verschiedene Unkrautarten zu bekämpfen, reicht dann nur noch ein Wirkstoff. Außerdem sind die Landwirte zeitlich flexibler und können Arbeitskräfte und Maschinen besser disponieren. Eine Erwartung ist auch, dass es künftig einfacher sein wird, das Schadschwellenprinzip anzuwenden, also nur dann zu spritzen, wenn es vom Unkrauftaufkommen her notwendig ist.

Anbauerfahrungen in den USA: Erwartungen bestätigt

Zwar führt das "System" aus herbizidresistenten Zuckerrüben und dem dazu passenden Herbizid nicht dazu, dass nur noch ein Spritzgang zur Unkrautregulierung ausreicht. Dennoch: Die Erfahrungen aus den USA zeigen, dass mit herbizidresistenten gv-Zuckerrüben die Zahl der Spritzgänge zurückgeht  - und damit auch der Einsatz an Maschinen und Treibstoffen.

Nachdem der Anbau der H7-1-Zuckerrübe in den USA 2005 zugelassen wurde, begann im US-Bundesstaat Idaho 2007 ein Probeanbau auf etwa 1.000 Hektar. Eine Begleitstudie ermittelte eine Kostenersparnis von 100 Dollar je Hektar. Es zeigte sich auch, dass vermehrt Mulchsaaten und minimierte Bodenbearbeitung angewandt werden. Bisher waren solche pfluglosen, bodenschonenden Bearbeitungssysteme wegen der dadurch besonders schwierigen Unkrautbekämpfung im Zuckerrübenanbau kaum möglich.

Schon im zweiten Jahr nach der Markteinführung entschied sich eine Mehrheit der amerikanischen Landwirte für herbizidresistente Zuckerrüben. 2010 standen sie bereits auf 470.000 Hektar, das entspricht 95 Prozent der gesamten Zuckerrüben-Fläche in den USA. Trotz der gerichtlichen Auseinandersetzungen (siehe Kasten) änderte sich 2011 daran wenig.

Die Fläche für den Zuckerrübenanbau in den USA (490.000 ha) ist etwas größer als die in Deutschland (2011: 396.000 ha).

Mehr bei transGEN:

 

"Es ist so interessant für uns." Eine Gruppe junger Agrar- und Pflanzenwissenschaftler aus sieben Ländern besuchte 2011 den Schaugarten Üplingen. Sie informierten sich über die dort gezeigten gentechnisch veränderten Pflanzen und neue Möglichkeiten in der Pflanzenzüchtung.

Neu: Interessante Videos auf dem Youtube-Kanal von transGEN

Zuckerrüben: Ernte vor der Blüte. Zuckerrüben sind zweijährig: Im ersten Jahr bilden die den Rübenkörper aus, im zweiten Jahr die Blütenstände mit dem Pollen. Beim Rübenanbau gibt es allenfalls einzelne, vorzeitig blühende Pflanzen (Schosser, Foto). Damit daraus keine unerwünschten Samen entstehen, müssen Schosser von den Landwirten sofort entfernt werden.

Zucker ist Zucker. Kristalliner Zucker ist ein hochreines Produkt: Stofflich gibt es nicht den geringsten Unterschied, ob er aus konventionellen oder gentechnisch veränderten Zuckerrüben gewonnen wurde. Dennoch muss Zucker aus gv-Rüben gekennzeichnet werden.

Thema: Zulassung
Gentechnisch veränderte Zuckerrüben: Zulassungsanträge in der EU
28. Juni 2011 [nach oben springen]

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