|
"Wir wollen wissen, wo unsere Kartoffeln sind."Über die Amflora-Kartoffel, ihre Vorteile, Sicherheit und Fragen des Anbaus sprach transGEN mit Thorsten Storck, Projektmanager bei BASF Plant Science.
Um eine Zulassung zu erhalten, müssen Sie belegen, dass die gentechnisch veränderte Amflora-Kartoffel genau so sicher ist wie herkömmliche Kartoffeln. Welche Untersuchungen haben Sie dazu durchgeführt?
Alles aufzuführen, was wir gemacht haben, wäre ein abendfüllendes
Programm. Da ist zunächst die Ebene von Gen und Genom. Durch
molekularbiologische Analysen haben wir uns davon überzeugt, dass in
den Kartoffelpflanzen genau jene Veränderung eingetreten ist, die
wir beabsichtigt haben. Das haben wir bis ins kleinste Detail
überprüft. Dann haben wir die
stoffliche Zusammensetzung der Pflanze untersucht. Dazu wurden
Anbauversuche durchgeführt, über drei Jahre an vier verschiedenen
Standorten mit vier Wiederholungen. Gemessen wurde jeweils
Trockensubstanz, Protein, Asche, Fasern, Fett, die Zusammensetzung
der Stärke, Zuckergehalt und vieles mehr. Wir haben die Daten der Amflora-Kartoffeln mit denen der
Ausgangssorte verglichen. Außerdem
wurden Fütterungsversuche sowohl mit der ganzen Kartoffel wie mit
der Pülpe gemacht, um toxische oder auch Was ist genau der Vorteil der Amflora-Kartoffel gegenüber herkömmlichen Stärkekartoffeln? Eröffnet sie neue Chancen für Landwirte? Reine Amylopektinstärke, wie sie aus der Amflora gewonnen wird, hat Vorteile bei verschiedenen technischen Anwendungen etwa in der Papier- und Textilindustrie oder bei Kleb- und Baustoffen. Da sie ein idealer Verdicker ist, sehr stabil und nicht geliert, hat die Stärke und auch die Kartoffel einen höheren Wert. Alle in der Wertschöpfungskette partizipieren daran: der Pflanzguthersteller, der Landwirt, der die Kartoffel produziert, die Stärkefabrik. Dieses ist für die gesamte Kartoffelstärkeindustrie von Interesse, die sich zunehmend gegenüber der Konkurrenz der Maisstärke behaupten muss. Dass ein so großer Teil des Stärkebedarfs in der Kartoffel produziert wird, ist ja eine europäische Besonderheit. Gerade wenn künftig die globale Konkurrenz stärker wird, zum Beispiel durch Verringerung oder Wegfall der Subventionen, ist es wichtig, dass man sich über den Wert der Produkte behaupten kann. Der Anbau der Amflora-Kartoffel soll im Rahmen eines besonderen Vertragsanbaus stattfinden. Dadurch soll gewährleistet sein, dass es keine Vermischungen mit herkömmlichen Kartoffeln gibt. Welche Regeln müssen Landwirte beachten, wenn sie Ihre Amflora-Karoffeln anbauen? Und was geschieht nach der Ernte? Es liegt im Interesse aller Beteiligten, die besondere Qualität des Produktes zu erhalten. Würden Amflora-Kartoffeln mit herkömmlichen vermischt, wäre ihr besonderer Wert verloren. Deshalb haben wir ein spezielles System entwickelt - man bezeichnet es als Identity Preservation-System - , das alle Stufen von der Saatgutherstellung bis zur Stärkeproduktion einschließt. Es beginnt mit einem Training für die Mitarbeiter, geht über eine durchgehende Kennzeichnung bis zum Transport in geschlossenen Behältern. Alle verwendeten Pflanz- und Erntemaschinen, Sortieranlagen, aber auch Hänger müssen gereinigt werden. Es gibt geregelte Abstände zu benachbarten Kartoffelfeldern und eine getrennte Lagerung der Kartoffeln. In der Stärkefabrik werden die Kartoffeln getrennt aufgearbeitet. Sie nimmt dem Landwirt immer die komplette Ernte ab, da bleibt nichts liegen. Das Ganze findet ausschließlich im Vertragsanbau statt, d.h. das Amflora-Pflanzgut wird nicht wie herkömmlich auf dem Markt verkauft. Wir wollen wissen, wo unsere Kartoffeln sind. Das ist unsere Verantwortung. Sie führen gerade einen Praxistest für das künftige Anbausystem der Amflora-Kartoffeln durch. Wie machen Sie das und gibt es bereits Erfahrungen? In diesem Jahr machen wir keinen Test, sondern ein Warm-Up, wie ich es nennen würde. Getestet haben wir das System letztes Jahr in Tschechien. Das hat da ganz prima funktioniert, trotz der Sprachbarriere. Die Landwirte hatten kein Problem mit dem System und es ist nicht zu Vermischungen gekommen. Dieses Jahr praktizieren wir das System mit Landwirten in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Wie schon im letzten Jahr, benutzen wir eine rotschalige Stärkekartoffel. Damit kann man ganz einfach optisch kontrollieren, wo diese Kartoffel hinkommt. Natürlich ist das für uns eine Art Vorübung für den Anbau der Amflora. Gleichzeitig bietet sich für uns dadurch die Möglichkeit zur Kommunikation mit allen Beteiligten der Wertschöpfungskette. Wir führen einen sehr offenen Dialog. Die Resonanz ist positiv. Unsere Erfahrung ist: Das große Thema Pflanzenbiotechnologie erscheint oft sehr komplex und viele Leute haben Vorbehalte. Wenn man jedoch ein konkretes Produkt wie unsere Kartoffel hat und es im Detail erläutert, kann man durchaus überzeugen. Es ist bekannt, dass einzelne Kartoffelknollen bei der Ernte nicht erfasst werden und im Boden bleiben. Sie könnten dann im Folgejahr auskeimen. Wie wollen Sie mit diesem Problem umgehen? In der Regel erfrieren Kartoffeln im Winter, doch theoretisch ist ein solcher Durchwuchs möglich. Unser Anbausystem schreibt vor, dass im Folgejahr auf Schlägen, auf denen Amflora stand, keine Kartoffel angebaut werden dürfen. So kann man leicht auf Durchwuchs kontrollieren. Solche Pflanzen und ihre Knollen würden dann vernichtet. (Interview: August 2006) Mehr bei transGEN:
|
|
||||||||
|
||||||||||
|