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  Fr 03.09.2010 | 06:48 Uhr
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Nachwachsende Rohstoffe: Stärkekartoffeln

Amflora-Kartoffel:
Zulassung nach dreizehn Jahren


Der erste Zulassungsantrag für die gentechnisch veränderte Amflora-Kartoffel wurde schon 1996 eingereicht. Dreizehn Jahre später genehmigte die EU-Kommission sowohl den Anbau in Europa als auch die Verwendung von Futtermittel, die aus den bei der Stärkeverarbeitung anfallenden Reststoffen gewonnen werden.

Um die Zulassung der Amflora-Kartoffel wurde seit vielen Jahren eine erbitterte Auseinandersetzung geführt. Auch wenn Kritiker immer wieder auf Sicherheitsbedenken verwiesen - tatsächlich ging es um eine politische Frage von hohem symbolischen Wert: Amflora ist die erste gentechnisch veränderte Pflanze, die seit 1998 in der EU eine Anbau-Zulassung erhalten hat.

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Stärkeformen. In Europa stammt etwa die Hälfte der verarbeiteten StärkeStärke aus Kartoffeln. Sie wird sowohl in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, ist aber auch als Nachwachsender Rohstoff Bestandteil vieler Produkte im Non-Food-Bereich.

Pflanzliche Stärke besteht aus zwei verschiedenen Formen, Amylose und 
					AmylopektinAmylose und  Amylopektin. Bei der Kartoffel beträgt das Verhältnis von Amylose zu Amylopektin etwa 1:4. Beide Stärkeformen haben unterschiedliche Eigenschaften: Während Amylose geliert, kann Amylopektin verdicken und verbinden. Die Kleistereigenschaften des Amylopektins werden in vielen Produkten genutzt. Daher wird diese Stärkeform häufiger nachgefragt.


 

Stärketrennung. Amylopektin wird etwa  in der Papier- und Textilstoffindustrie sowie bei der Kleb- und Bausstoffherstellung verwendet. Aus Amylose dagegen lassen sich biologisch abbaubare Folien und Filme herstellen. Vor jeder industriellen Verwendung muss die Kartoffelstärke in diese beiden Komponenten getrennt werden. Dies geschah früher unter hohem Verbrauch von Energie und Wasser. Heute ist es auch möglich, die gewünschte Stärkeform über eine chemische Modifikation zu erzeugen.

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Industriestärke. Durch Einsatz gentechnischer Verfahren ist eine Kartoffel entwickelt worden, die ausschließlich Amylopektin produziert und damit den Schritt der Stärketrennung bzw. -modifizierung überflüssig machen soll. In der Kartoffel wurde das für die Bildung von Amylose verantwortliche Gen blockiert, indem Teile des Gens in umgekehrter Orientierung ins Genom eingeführt wurden (Antisense‑TechnikAntisense‑Technik). 

Die Kartoffel mit reiner Amylopektin-Stärke wurde von BASF Plant Science entwickelt und soll unter dem Markennamen Amflora in Europa auf den Markt gebracht werden.  

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Freilandversuche. Seit mehreren Jahren wird die Amflora-Kartoffel in Feldversuchen getestet. Dabei werden Ertrag, Schädlings- und Krankheitsresistenz sowie gesundheitsschädliche Wirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt untersucht. Die Freisetzungsversuche fanden in Tschechien, den Niederlanden und in Schweden statt.

Auch in Deutschland gab es an verschiedenen Standorten Freilandversuche mit Amflora, seit 2006 auch größere Anbauversuche. Für 2009 und 2010 ist ein Freilandversuch auf 20 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (BVL) als zuständiger Behörde genehmigt worden. 

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Zulassung und Markteinführung. Die Firma BASF Plant Science hat die gv-Kartoffel entwickelt. Erste Zulassungsanträge wurden bereits 1996 gestellt. 2010 wurde der Anbau der Amflora-Kartoffel ebenso zugelassen wie die Futtermittel, die aus den bei der Stärkeverarbeitung anfallenden Reststoffen gewonnen werden.

Mehrfach haben verschiede Expertengremien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Amflora-Kartoffel überprüft. Obwohl sie dabei wiederholt als "sicher für die Umwelt sowie die menschliche und tierische Gesundheit" eingestuft wurde, konnte sich die EU-Kommission ebenso wie die Mitgliedstaaten politisch nicht auf eine Zulassung verständigen. Hauptgrund war ein in der  Amflora-Kartoffel vorhandenenes Antibiotikaresisten‑GenAntibiotikaresisten‑Gen. Zu dieser Problematik hat die EFSA im Juni 2009 erneut eine Stellungnahme abgegeben, wonach eine Gefährdung durch dieses  MarkergenMarkergen "unwahrscheinlich" sei.

Obwohl die Amflora-Kartoffel ausschließlich als Rohstoff für die Stärkeindustrie gedacht ist, wurde auch eine Genehmigung als Lebens- und Futtermittel beantragt. Ein Teil der bei der Verarbeitung anfallenden Reststoffe soll als Futtermittel verwertet werden. Die Zulassung als Lebensmittel wurde vorsorglich für den Fall angestrebt, dass einzelne der gv-Kartoffeln versehentlich in die Lebensmittelverarbeitung gelangen.

Die Zulassungs-Entscheidung der EU-Kommission toleriert "zufällige, technisch unvermeidbare" Beimischungen der Amflora-Kartoffeln in Lebensmitteln bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent. Ein solcher Schwellenwert gilt für alle in der EU zugelassenen und als gesundheitlich sicher eingestufte gv-Pflanzen.

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Anbaubedingungen. Landwirte, die in Zukunft Amflora-Kartoffeln nutzen wollen, müssen bestimmte vertraglich festgelegte Regeln beachten (Vertragsanbau). Diese sollen ausschließen, dass gv-Kartoffeln in die Futter- und Lebensmittelkette gelangen und sich mit herkömmlichen Kartoffeln oder Kartoffelprodukten vermischen.

Die Regeln des Vertragsanbaus (Identity-Preservation-System) sind in den letzten Jahren unter Praxisbedingungen im Hinblick auf Wirksamkeit und Praktikabilität getestet worden.

Anbau in Europa. 2010 darf die Amflora-Kartoffel erstmals angebaut werden, zunächst auf kleineren Flächen in Deutschland (15 Hektar) , Schweden (80 ha) und Tschechien (150 ha). Eine kommerzielle Verwertung in der Stärkeindustrie ist nur in Tschechien geplant. An den übrigen Standorten werden Pflanzkartoffeln vermehrt.
Fotos: BASF, i-bio  

 

 

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11. März 2010 [nach oben springen]

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