Transparenz fr Gentechnik bei Lebensmitteln
 
TransGen Lebensmitteldatenbank

Geben Sie ein, wozu Sie etwas wissen wollen: eine Pflanze, ein Lebensmittel, eine Zutat, einen Zusatzstoff oder eine E-Nummer.

Newsletter? Anmelden
transGEN Forum
Gute Gene - Schlechte Gene
bioSicherheit
Pflanzen. Forschung. Ethik.
Forum Bio- und Gentechnologie

Golden Rice: Mehr Vitamin A, weniger Augenerkrankungen

Die Unterversorgung mit Vitamin A ist eines der weltweit am meisten verbreiteten Gesundheitsprobleme - auch in Asien, wo Reis das wichtigste Grundnahrungsmittel ist. Weißer, geschälter Reis enthält kaum Vitamin A. Eine internationale Wissenschaftlergruppe hat einen gentechnisch veränderten Reis entwickelt, der genügend Vitamin A enthält. Kleinbauern in Asien sollen das Saatgut für diesen "Goldenen Reis" kostenlos erhalten.

Steckbrief Golden Rice

  • angereichert mit Provitamin A

  • soll Folgeerkrankungen von Vitamin A-Mangel vorbeugen, insbesondere Erblindung von Kindern

  • wird in lokale Reissorten eingekreuzt

  • kann von Kleinbauern vermehrt werden, keine Lizenz- oder Patentgebühren

  • Zulassungsanträge für Philippinen und Bangladesh eingereicht; Anbau ab 2015, weitere Länder in Asien sollen folgen

 
Bild vergrößern
Dr. Gerald Barry, Koordinator des Golden Rice-Projektes am Internationalen Reisforschungsinstitut (IRRI)

Bild vergrößern
Dr. Parminder Virk (IRRI) in einem Versuchszelt mit Golden Rice-Pflanzen

Bild vergrößern
Freilandversuche mit Golden Rice, auf den Philippinen 2010.
Fotos: IRRI

Bild vergrößern
Ingo Potrykus (ETH Zürich, oben) war zusammen mit Peter Beyer (Universität Freiburg) maßgeblich an der Entwicklung des Golden Rice beteiligt.

Schon an den Farben ist es zu erkennen: Viele Obst- und Gemüsearten bilden CarotinoideCarotinoide, eine Gruppe gelber, orangener oder roter Farbstoffe. Diese werden im tierischen und menschlichen Organismus in Vitamin A umgewandelt. Das für die Bildung von Vitamin A wichtigste Carotinoid ist das ß-Carotin. Es wird daher auch Provitamin A genannt.

Vitamin A ist unter anderem maßgeblich am Sehvorgang und an der Produktion von weißen Blutkörperchen und Antikörpern beteiligt. In Ländern, in denen die Menschen sich nicht genügend Obst und Gemüse leisten können, sondern sich hauptsächlich von stärkehaltigen Nahrungsmitteln wie Reis ernähren müssen, kommt es häufig zu Augenerkrankungen bis hin zur Erblindung und zu Todesfällen infolge des geschwächten Immunsystems.

Nach Schätzungen der WHO leiden weltweit rund 127 Millionen Kinder im Vorschulalter an Vitamin A-Mangel. Bis zu 500.000 erblinden jedes Jahr, etwa die Hälfte von ihnen stirbt innerhalb eines Jahres nach der Erblindung.

Das Projekt: Reis als Vitamin A-Lieferant

Ende der 1990er Jahre begann eine  internationale Arbeitsgruppe um Ingo Potrykus, Professor an der ETH Zürich, und Peter Beyer, Professor an der Universität Freiburg, einen neuen ß-carotinhaltigen Reis zu entwickeln.

Das Ziel: Er sollte einen nachhaltigen Beitrag leisten, das Problem der Vitamin A-Unterversorgung vor allem in Asien zu überwinden. Vorausgegangen waren jahrelange Forschungsarbeiten über pflanzliche Stoffwechselwege, die zur Synthese von ß-Carotin führen. Das Projekt wurde von internationalen Stiftungen und Unternehmen unterstützt, die auf Lizenzgebühren verzichteten.

Damit ß-Carotin im Reiskorn gebildet werden kann, mussten jeweils ein Gen aus der Narzisse und einem Bakterium übertragen werden, um den entsprechenden Biosyntheseweg aufzubauen. Das ß-Carotin führt zu einer gelben Färbung des Reises, weswegen er als Golden Rice bezeichnet wird.

In Golden Rice 2 konnte der Gehalt an ß-Carotin deutlich gesteigert werden, indem das aus der Narzisse stammende Gen durch eines aus dem Mais ersetzt wurde.  Nach bisherigen Forschungsergebnissen deckt eine Tasse Golden Rice 2 den täglichen Vitamin A-Bedarf eines Erwachsenen ungefähr zur Hälfte.

In Studien zur Bioverfügbarkeit des im Reis enthaltenen ß-Carotins wurde geprüft, wie viel davon nach der Lagerung und Zubereitung im Reiskorn noch enthalten ist und wie viel davon der Körper tatsächlich aufnehmen kann. Es wurde nachgewiesen, dass das gesamte im Reiskorn enthaltene ß-Carotin dem Verdauungssystem zur Verfügung steht.

Golden Rice: Saatgut für Kleinbauern

2012 wurden auf den Philippinen in zwei aufeinanderfolgenden Anbauperioden Freilandversuche mit Golden Rice 2 durchgeführt. 2013 sollen der philippinischen Regierung alle für die Zulassung notwendigen Daten vorliegen, 2015 der Regierung von Bangladesh. Später soll der Reis auch Landwirten in anderen asiatischen Ländern wie Indien und Vietnam für den Anbau zur Verfügung stehen.

Golden Rice wird in lokale Sorten eingekreuzt. Wenn deren Anbau zugelassen ist, sollen Kleinbauern in Entwicklungsländern das Saatgut kostenlos erhalten. Eine Nachzüchtung und Weiterverwendung in den Folgejahren ist erlaubt, jedoch nur zum Eigengebrauch, nicht für Export und Agrarhandel. Golden Rice ist in erster Linie als Nahrungsmittel für die lokale Bevölkerung gedacht.

Seit 2005 arbeitet das internationale ProVitaMinRice Consortium daran, Golden Rice mit weiteren lebenswichtigen Mikronährstoffen, z.B. Eisen, anzureichern. Das Konsortium ist Teil der Grand Challenges in Global Health Initiative der Gates-Stiftung. Gleichzeitig entwickelt das nationale Reisforschungsinstitut der Philippinen eine neue Variante des Golden Rice, die auch über Bakterien- und Virusresistenzen verfügt.

Mehr bei transGEN:

 

Goldener Reis: Gegen den versteckten Hunger. Zu wenig Vitamin A in der täglichen Nahrung verursacht Krankheiten in vielen Regionen der Welt. Können angereicherte Pflanzen eine Lösung sein? Peter Beyer (Universität Freiburg) ist einer der "Erfinder" des Goldenen Reises.
Dr. Gerald Barry, Projektkoordinator Golden Rice am Internationales Reisforschungsinstitut (IRRI) zu den Anbauversuchen in Bangladesh und auf den Philippinen
Bild vergrößern
Versteckter Hunger: Vitamin A-Mangel bei Kindern. Globale Verteilung.
(Karte: www.biosicherheit.de)
22. März 2013 [nach oben springen]

© 1997 - 2013 i-bio Information Biowissenschaften | Impressum | Leitlinien und Finanzierung | website created by webmotive