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Allergene, Gluten, Coffein, Nikotin:
Unerwünschtes einfach abschalten?

Für Allergiker wäre es eine große Erleichterung: Sojabohnen, Nüsse oder Reis, die sie ohne Bedenken verzehren könnten. Andere pflanzliche Inhaltsstoffe können gesundheitsschädlich sein oder zu Abhängigkeiten führen. Könnte man die Bildung dieser unerwünschten Substanzen nicht einfach "abschalten"?


Hypoallergener Reis. In Japan ist es gelungen, einen gv-Reis zu erzeugen, bei dem die Bildung eines bekannten Allergens um 85 Prozent reduziert wurde. Das ist aber noch zu wenig, damit Reisallergiker ihn bedenkenlos konsumieren können.


Glutenfreier Weizen. Einige Menschen können aufgrund einer Stoffwechselstörung bestimmte Getreideproteine nicht vertragen. Ein großes Forschungsprojekt in Deutschland konnte jedoch das gesteckte Ziel nicht erreichen, einen glutenfreien Weizen zu entwickeln.


Koffeinfreier Kaffee, der schmeckt. Bei der heute angewandten Entcoffeinierung gehen auch viele erwünschte Geschmacksstoffe verloren. Besser wäre es, wenn in der Kaffeebohne erst gar kein Coffein entsteht. Einige Forschergruppen arbeiten daran. Mit marktreifen Produkten ist frühestens in fünf bis zehn Jahren zu rechnen.


Zigaretten fast ohne Nikotin - unter dem Markennamen Quest in den USA erhältlich. Verwendet wird gv-Tabak, in dem die Bildung von Nikotin blockiert wird.

Grundsätzlich ist es möglich: Durch bestimmte gentechnische Verfahren kann ein einzelnes GenGen im GenomGenom einer Pflanze "abgeschaltet" werden. Dadurch wird die in der DNADNA codierte "Bauanleitung" nicht ausgeführt. Die Folge: In den RibosomenRibosomen, den Eiweißfabriken der Zellen, wird das betreffende Protein nicht hergestellt.

Die Aktivität des Zielgens wird durch das Einführen eines komplementären Gens blockiert. Diesem Effekt liegt ein komplizierter molekularbiologischer Vorgang (RNA‑InterferenzRNA‑Interferenz) zugrunde.

Mit diesem AntisenseAntisense-Verfahren könnte die Bildung verschiedener unerwünschter Substanzen in pflanzlichen Lebensmitteln unterdrückt werden.

  • Allergene. Da AllergeneAllergene grundsätzlich Proteine sind, könnte das jeweilige Gen unmittelbar blockiert werden. Ohne das Allergen wäre das betreffende Lebensmittel auch für AllergikerAllergiker verträglich. Mehrere internationale Forschergruppen arbeiten daran, vor allem weit verbreitete Allergene etwa in Reis, Äpfeln oder Tomaten zu entfernen. Ein Problem dabei ist, dass Pflanzen häufig mehrere allergene Proteine enthalten. Es ist kaum möglich, die Bildung aller Allergene zu unterdrücken.

  • Glutene sind bestimmte Proteine in Weizen, Roggen und Gerste. Menschen, die unter der StoffwechselkrankheitStoffwechselkrankheit ZölikaieZölikaie leiden, vertragen glutenhaltige Produkte nicht.

  • Pflanzenstoffe wie Coffein oder Nikotin, die gesundheitlich bedenklich oder suchtfördernd sind. Da es sich hier nicht um ProteineProteine handelt, können sie nicht direkt mit der Antisense-Technik blockiert werden. Um zum Ziel zu kommen, werden bestimmte Enzyme abgeschaltet, so dass der zu Coffein oder Nikotin führende pflanzliche Stoffwechselweg unterbrochen ist.

 

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19. April 2011 [nach oben springen]

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