DNA

Gentechnisch veränderte Pflanzen: 1800 Studien, aber kaum Hinweise auf besondere Risiken

Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen haben keine nachweisbaren negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit – so das Ergebnis einer Studie, für die fast 1800 wissenschaftliche Veröffentlichungen aus zehn Jahren ausgewertet wurden. Belege für ernstzunehmende Risiken ließen sich nicht finden, so die Autoren. Dass gentechnisch veränderte Pflanzen trotzdem immer noch auf große Ablehnung stoßen, führen sie auf Mängel bei der Wissenschaftskommunikation zurück.

1996 kamen die ersten gentechnisch veränderten Nutzpflanzen auf den Markt. Bis heute sind hauptsächlich herbizidtolerante Pflanzen sowie insektenresistente Bt-Pflanzen kommerziell erhältlich und werden mittlerweile auf über 180 Millionen Hektar weltweit angebaut. Von Anfang an wurde der Anbau dieser Pflanzen kritisiert, vor allem unter Verweis auf Sicherheitsbedenken. Zahlreiche Wissenschaftler haben sich seitdem in vielen Einzeluntersuchungen damit befasst, ob von gv-Pflanzen besondere Gefährdungen für Umwelt und Gesundheit ausgehen.

Weichwanze

Biodiversität: Insektenresistente Pflanzen haben keine negativen Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Viele Nicht-Zielorganismen wie diese Weichwanzen werden von Bt-Mais weniger geschädigt als von konventionellen Pflanzenschutzmitteln.

ZDF-heute zu Genmais

Gesundheitliche Risiken: Anders als es oft aktuelle Medien nahelegen, gibt es keine Hinweise, dass Lebensmittel aus gv-Pflanzen größere gesundheitliche Risiken bergen als herkömmliche Produkte. (Fotos: ZDF-heute Sendung 10. September 2012 zur „Seralini-Studie“, die von fast allen Wissenschaftlern als fehlerhaft kritisiert wurde.)

Ein Team von der Universität Perugia (Italien) wertete die wissenschaftliche Literatur zur Sicherheitsforschung an gv-Pflanzen von 2002 bis 2012 aus. 1783 Publikationen – sowohl Originalarbeiten als auch zusammenfassende Artikel – wurden dabei erfasst.

Ein wichtiges Forschungsthema ist die Biodiversität. Insektenresistente gv-Pflanzen produzieren so genannte Bt-Proteine, die gegen bestimmte Schadinsekten gerichtet sind. Es wurde vielfach untersucht, ob diese Bt-Proteine auch Nicht-Zielorganismen, also beispielsweise andere Insekten, schädigen und die Populationen dezimieren könnten. Dafür lassen sich aber nach den Ergebnissen der Metastudie keine Anhaltspunkte finden.

Anders ist die Situation bei herbizidtoleranten Pflanzen zu bewerten: Der Einsatz von Herbiziden hat in gewisser Weise immer das Ziel, die Biodiversität – nämlich die von Unkräutern – zu verringern. Die Autoren verweisen auf Studien, nach denen beim Anbau konventioneller Pflanzen insgesamt mehr und giftigere Insektizide und Herbizide eingesetzt werden müssten als beim Anbau der gegenwärtig erhältlichen gv-Pflanzen. Sie erwähnen das Auftreten von resistenten Unkraut- und Schädlingspopulationen und die Notwendigkeit eines integrierten Pflanzenschutzes, bei dem verschiedene Maßnahmen kombiniert werden.

Ein weiteres großes Forschungsthema ist der Genfluss – sowohl durch Kreuzung mit verwandten Arten als auch durch Aufnahme von DNA durch Bodenbakterien. Letzteres wurde vor allem im Zusammenhang mit Antibiotikaresistenz-Genen untersucht. Diese wurden lange Zeit als Marker eingesetzt, mit deren Hilfe man überprüfen konnte, ob die Übertragung von Genen erfolgreich war. Heute werden sie meistens nachträglich wieder entfernt. Dass diese Resistenzgene bei der Verrottung der Pflanzen von Bodenbakterien aufgenommen werden und so zu einer Zunahme der Antibiotikaresistenzen beitragen könnten, hat sich als äußerst unwahrscheinliches Ereignis herausgestellt, das nur im Labor, nicht aber unter Freilandbedingungen beobachtet werden konnte.

Der Genfluss zu verwandten Wildpflanzen ist dagegen möglich und konnte in Einzelfällen auch beobachtet werden. Negative Effekte auf die Umwelt wie eine invasive Ausbreitung solcher Wildpflanzen konnten bisher aber in keinem Fall nachgewiesen werden. Die Autoren verweisen darauf, dass seit langen bekannt ist, dass der Genfluss zwischen Kulturarten und verwandten Wildarten die Biodiversität beeinflussen kann, unabhängig vom Einsatz der Gentechnik.

Bei der Verwendung von gv-Pflanzen als Lebens- und Futtermittel ist vielfach untersucht worden, ob die gentechnische Veränderung zu einer veränderten stofflichen Zusammensetzung der jeweiligen Pflanze führt. Alle in der Metastudie ausgewerteten Untersuchungen zeigen, dass gv-Pflanzen äquivalent zu ihren konventionellen Ausgangspflanzen sind, was etwa den Gehalt an Nährstoffen und toxischen Substanzen angeht. Zur Untersuchung dieser substanziellen Äquivalenz werden bestimmte, vorher ausgewählte Pflanzeninhaltsstoffe gemessen.

Ein großes Forschungsthema ist schließlich die Frage, ob gentechnisch veränderte DNA und RNA in den Organismen, von denen sie verzehrt werden, biologisch aktiv werden könnten. Nach Auswertung zahlreicher Studien zu diesem Thema kommen die Autoren der Metastudie zu dem Schluss, dass das Risiko genauso vernachlässigbar ist wie bei der Aufnahme von DNA und RNA aus konventionellen Nahrungs- und Futtermitteln. Der weitaus größte Teil dieser Moleküle wird bei der Verdauung so weit degradiert und abgebaut, dass die biologische Aktivität verlorengeht. In den seltenen Fällen, in denen intakte DNA-Fragmente aus der Nahrung in inneren Organen gefunden wurden, konnte keine damit verbundene Veränderung oder gar Schädigung nachgewiesen werden.

Bei gentechnisch veränderten Proteinen stellt sich die Frage, ob sie toxische oder allergieauslösende Effekte haben können. Auch hier stellen die Autoren fest, dass das Risiko nicht größer ist als beim Verzehr von konventionellen Nahrungsmitteln. Sie verweisen darauf, dass es überhaupt nur zwei Falle gibt, in denen eine allergene Wirkung von Proteinen aus gv-Pflanzen näher untersucht werden musste.

Insgesamt kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Ablehnung gentechnisch veränderter Pflanzen aus Sicherheitsgründen wissenschaftlich nicht haltbar ist. Sie plädieren dafür, dass diese Ergebnisse besser und häufiger kommuniziert werden müssten.