Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln
  Fr 03.09.2010 | 06:59 Uhr
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Fehlreaktion des Immunsytems

Volkskrankheit Allergie


Jeder fünfte glaubt, unter einer Lebensmittelallergie zu leiden. Doch in medizinischen Erhebungen sind es nur etwa zwei Prozent der Erwachsenen und fünf Prozent der Kinder, die unter einer „echten" Allergie gegen bestimmte Lebensmittel leiden. Offenbar meinen Laien und Mediziner etwas anderes, wenn sie von „Allergie" sprechen.


Krustentiere, Erdnüsse, Sojabohnen und Milch gehören zu den häufigsten Ursachen für Lebens- mittelallergien.

Die 14 häufigsten Allergene in Europa:

  • Getreide (Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel)

  • Krebstiere

  • Eier

  • Fisch

  • Erdnüsse

  • Soja

  • Milch

  • Nüsse, Mandeln

  • Sellerie

  • Senf

  • Sesamsamen

  • Schwefeldioxid und Sulfite

  • Süßlupinen

  • Weichtiere (Schnecken)

Diese Allergene sind verantwortlich für 90 Prozent aller Lebensmittelallergien. Lebensmittel, die Zutaten oder selbst kleinste Spuren dieser Allergene enthalten, müssen besonders gekennzeichnet werden.  

Foto Hummer: ©Michael Franke/PIXELIO, www.pixelio.de

"Echte" Allergien: Überschießende Immunantwort

Echte AllergienEchte Allergien (auch Typ1-Allergien) werden fast immer durch große Eiweiß-Moleküle ausgelöst. ProteineProteine, von denen bekannt ist, dass sie allergische Reaktionen provozieren können, werden AllergeneAllergene genannt.

Typ1-Allergien, zu denen fast alle Lebensmittelallergien gehören, gehen immer auf eine Fehlreaktion des Immunsystems zurück.

  • Das Immunsystem deutet diese Allergene als "feindliche" Fremdstoffe und schüttet AntikörperAntikörper in die Blutbahn aus, die gegen diese Eindringlinge gerichtet sind. Zu jedem Allergen sind passende Antikörper (Immunglobuline der 
              Klasse E; kurz: IgEImmunglobuline der                Klasse E; kurz: IgE) im Blut der jeweiligen Allergiker nachweisbar.

  • Die jeweiligen Antikörper docken an "ihrem" Allergen an. Bindungsstellen für die IgE-Antikörper sind bestimmte Bereiche auf der dreidimensionalen Oberflächenstruktur der Proteinmoleküle (Epitope). 

  • Die IgE-Antikörper stimulieren spezialisierte Zellen des Immunsystems dazu, Substanzen (Mediatoren) auszuschütten, die Entzündungsreaktionen hervorrufen. Das löst eine überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems aus, die sich auch gegen körpereigenes Gewebe richten kann. Die Folge sind die typischen, individuell jedoch unterschiedlichen Allergiesymptome. In Extremfällen kann es zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen.

Die Hitliste der allergenen Lebensmittel

Eine Nahrungsmittelallergie wird ausgelöst durch Nahrungsbestandteile oder deren Abbauprodukte, durch  Zusatzstoffe, Rückstände oder mikrobielle Begleitstoffe (z.B. Pilz- oder Bakterientoxine). Das jeweilige Allergen wird durch die Schleimhäute in Mund und Darm, aber auch über Haut oder durch Inhalation (z.B. Mehlstaub) aufgenommen.

  • Angaben über die Zahl von Nahrungsmittelallergikern schwanken stark: bei Erwachsene wird der Anteil auf 1 bis 5 Prozent geschätzt, bei Kindern unter sechs Jahren auf 3 bis 10 Prozent.
  • Es sind nur wenige Lebensmittel, die etwa 90 Prozent aller Lebensmittelallergien verursachen. In Mitteleuropa sind die häufigsten Allergien gegen Erdnuss, Soja, Kuhmilch, Hühnerei, Fisch, Nüsse, Krustentiere und Sellerie. Nahrungsmittelallergien sind weniger häufig als etwa Pollenallergien.
  • Darüber hinaus gibt es in Lebensmitteln unzählige Allergene, auf die einzelne Personen mit einer individuellen Empfindlichkeit allergisch reagieren.
  • Ein allergenes Lebensmittel kann mehrere allergene Proteine haben; so sind bei Soja etwa 15 verschiedene Allergene identifiziert.
  • Einzelne Allergene können in verschiedenen Quellen vorkommen. So tragen etwa Äpfel und Birkenpollen ein fast identisches Allergen. In diesem Fall sollten Personen, die gegen Birkenpollen allergisch sind, auch beim Verzehr von Äpfeln vorsichtig sein (Kreuzreaktion).

Zwar ist der Ablauf einer allergischen Reaktion inzwischen wissenschaftlich weitgehend verstanden - recht wenig weiß man jedoch darüber, warum jemand eine Sensibilisierung gegen bestimmte Stoffe aufbaut und damit zu einem Allergiker wird: Jeder echten Allergie geht eine Phase der Sensibilisierung voraus. Im Kontakt mit einem Allergen verändert sich die immunologische Reaktionsfähigkeit eines Menschen. Um eine derartige Sensibilisierung aufzubauen, ist meist ein längerer Kontakt mit dem jeweiligen Allergen notwendig. So tauchten erst Jahre nach der Markteinführung von Kiwis erste Fälle von Kiwi-Allergien auf.

Ist jedoch eine Sensibilisierung vorhanden und das Immunsystem entsprechend gepolt, genügen schon kleinste Spuren des Allergens, um allergische Reaktionen zu stimulieren. Bei Menschen, die Allergiker sind oder sich dazu entwickeln, spielen offenbar genetische Faktoren eine große Rolle.

Pseudoallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Ähnliche Symptome, andere Ursachen

Als PseudoallergienPseudoallergien werden verschiedene Überempfindlichkeitsreaktionen bezeichnet, die im Krankheitsbild den echten Allergien ähneln, jedoch andere Ursachen haben.  Bestimmte Zusatzstoffe oder Schwefelverbindungen (biogene Amine), auch einzelne Bestandteile von Lebensmitteln können bei Menschen, die dafür disponiert sind, allergieähnliche Reaktionen hervorrufen. Solche Pseudoallergien sind keine Fehlreaktionen der Immunabwehr gegen allergene Proteine. Im Blut der Betroffenen sind daher keine Antikörper gegen die jeweiligen Allergene zu finden.

In der Öffentlichkeit werden Pseudoallergien und echte Allergien oft nicht klar unterschieden. "Allergie" wird als Oberbegriff für verschiedene Allergie ähnliche Krankheiten und Unverträglichkeiten gebraucht.

Noch etwas anderes sind LebensmittelunverträglichkeitenLebensmittelunverträglichkeiten. Diese gehen zumeist auf angeborene oder erworbene Enzymdefekte zurück. Dadurch können Nahrungsbestandteile oder daraus hervorgehende Stoffwechselprodukte nicht oder nicht ausreichend verdaut werden. Die Folgen können Störungen des Magen-Darmtraktes sein, aber auch andere Symptome wie sie bei Stoffwechselerkrankungen auftreten. Beispiele sind Lactose‑IntoleranzLactose‑Intoleranz (Nicht-Verträglichkeit: Milchzucker), ZöliakieZöliakie (Gluten in Weizen) oder PhenylketonuriePhenylketonurie (Phenylalanin, Süßstoff Aspartam).

 

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05. August 2010 [nach oben springen]

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