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Fehlreaktion des Immunsytems
Volkskrankheit Allergie
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Jeder fünfte glaubt, unter einer
Lebensmittelallergie zu leiden. Doch in medizinischen Erhebungen
sind es nur etwa zwei Prozent der Erwachsenen und fünf Prozent der
Kinder, die unter einer „echten" Allergie gegen bestimmte Lebensmittel
leiden. Offenbar meinen Laien und Mediziner etwas anderes, wenn sie von „Allergie" sprechen.
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Krustentiere, Erdnüsse, Sojabohnen und Milch
gehören zu den häufigsten Ursachen für Lebens-
mittelallergien.
Die 14 häufigsten Allergene in Europa:
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Getreide (Weizen, Gerste,
Roggen, Dinkel)
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Krebstiere
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Eier
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Fisch
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Erdnüsse
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Soja
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Milch
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Nüsse, Mandeln
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Sellerie
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Senf
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Sesamsamen
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Schwefeldioxid und Sulfite
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Süßlupinen
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Weichtiere (Schnecken)
Diese Allergene sind verantwortlich für 90 Prozent
aller Lebensmittelallergien. Lebensmittel, die
Zutaten oder selbst kleinste Spuren dieser Allergene
enthalten, müssen besonders gekennzeichnet werden.
Foto Hummer: ©Michael Franke/PIXELIO,
www.pixelio.de |
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"Echte" Allergien: Überschießende Immunantwort
Echte Allergien
(auch Typ1-Allergien) werden fast immer durch große
Eiweiß-Moleküle ausgelöst. Proteine, von
denen bekannt ist, dass sie allergische
Reaktionen provozieren können, werden
Allergene genannt.
Typ1-Allergien, zu denen fast alle
Lebensmittelallergien gehören, gehen immer auf eine
Fehlreaktion des Immunsystems zurück.
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Das Immunsystem deutet diese
Allergene als
"feindliche" Fremdstoffe und schüttet
Antikörper in die Blutbahn aus, die gegen diese Eindringlinge gerichtet sind. Zu jedem Allergen sind passende Antikörper ( Immunglobuline der
Klasse E; kurz: IgE) im Blut der jeweiligen Allergiker
nachweisbar.
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Die jeweiligen Antikörper docken an "ihrem"
Allergen an. Bindungsstellen für die IgE-Antikörper sind bestimmte
Bereiche auf der dreidimensionalen Oberflächenstruktur der
Proteinmoleküle (Epitope).
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Die IgE-Antikörper stimulieren spezialisierte Zellen des Immunsystems
dazu, Substanzen (Mediatoren) auszuschütten, die
Entzündungsreaktionen hervorrufen. Das löst eine überschießende
Abwehrreaktion des Immunsystems aus, die sich auch gegen körpereigenes
Gewebe richten kann. Die Folge sind die typischen, individuell jedoch unterschiedlichen
Allergiesymptome. In Extremfällen kann es zu einem
lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen.
Die Hitliste der allergenen Lebensmittel
Eine Nahrungsmittelallergie wird ausgelöst
durch Nahrungsbestandteile oder deren Abbauprodukte, durch Zusatzstoffe, Rückstände oder mikrobielle Begleitstoffe (z.B. Pilz- oder Bakterientoxine).
Das jeweilige Allergen wird durch die Schleimhäute in Mund und
Darm, aber auch über Haut oder durch Inhalation (z.B. Mehlstaub)
aufgenommen.
- Angaben über die Zahl von Nahrungsmittelallergikern schwanken
stark: bei Erwachsene wird der Anteil auf 1 bis 5 Prozent geschätzt,
bei Kindern unter sechs Jahren auf 3 bis 10 Prozent.
- Es sind nur wenige Lebensmittel, die etwa 90 Prozent aller Lebensmittelallergien verursachen. In
Mitteleuropa sind die häufigsten Allergien gegen Erdnuss, Soja, Kuhmilch, Hühnerei, Fisch, Nüsse, Krustentiere und Sellerie.
Nahrungsmittelallergien sind weniger häufig als etwa
Pollenallergien.
- Darüber hinaus gibt es in Lebensmitteln unzählige
Allergene, auf die einzelne Personen
mit einer individuellen Empfindlichkeit allergisch reagieren.
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- Ein allergenes Lebensmittel kann mehrere allergene Proteine haben; so sind bei Soja
etwa 15 verschiedene Allergene identifiziert.
- Einzelne Allergene können in verschiedenen Quellen vorkommen.
So tragen etwa Äpfel und Birkenpollen ein fast identisches
Allergen. In diesem Fall sollten Personen, die gegen Birkenpollen
allergisch sind, auch beim Verzehr von Äpfeln vorsichtig sein
(Kreuzreaktion).
Zwar ist der Ablauf einer allergischen Reaktion inzwischen
wissenschaftlich weitgehend verstanden - recht wenig weiß man jedoch darüber, warum jemand eine
Sensibilisierung gegen bestimmte Stoffe aufbaut und damit zu einem Allergiker wird: Jeder echten Allergie geht eine
Phase der Sensibilisierung voraus. Im Kontakt mit einem Allergen verändert sich die immunologische Reaktionsfähigkeit eines Menschen. Um eine
derartige Sensibilisierung aufzubauen, ist meist ein längerer Kontakt mit dem jeweiligen Allergen notwendig. So tauchten erst Jahre nach der
Markteinführung von Kiwis erste Fälle von Kiwi-Allergien auf.
Ist jedoch eine Sensibilisierung vorhanden und das
Immunsystem entsprechend gepolt, genügen schon kleinste Spuren des Allergens, um allergische Reaktionen zu stimulieren. Bei Menschen, die Allergiker sind oder sich dazu entwickeln, spielen offenbar genetische Faktoren eine große Rolle.
Pseudoallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Ähnliche Symptome, andere Ursachen
Als Pseudoallergien werden verschiedene
Überempfindlichkeitsreaktionen bezeichnet, die im Krankheitsbild den echten
Allergien ähneln, jedoch andere Ursachen
haben. Bestimmte Zusatzstoffe oder Schwefelverbindungen
(biogene Amine), auch einzelne Bestandteile von Lebensmitteln können bei
Menschen, die dafür disponiert sind, allergieähnliche Reaktionen hervorrufen. Solche Pseudoallergien
sind keine Fehlreaktionen der Immunabwehr
gegen allergene Proteine. Im Blut der Betroffenen sind daher keine Antikörper
gegen die jeweiligen Allergene zu finden.
In der Öffentlichkeit werden Pseudoallergien und echte Allergien oft nicht klar unterschieden.
"Allergie" wird als Oberbegriff für verschiedene
Allergie ähnliche Krankheiten und Unverträglichkeiten gebraucht.
Noch etwas anderes sind Lebensmittelunverträglichkeiten. Diese
gehen zumeist auf angeborene oder erworbene Enzymdefekte
zurück. Dadurch können Nahrungsbestandteile oder daraus
hervorgehende Stoffwechselprodukte nicht oder nicht ausreichend
verdaut werden. Die Folgen können Störungen des Magen-Darmtraktes
sein, aber auch andere Symptome wie sie bei Stoffwechselerkrankungen
auftreten. Beispiele sind Lactose‑Intoleranz
(Nicht-Verträglichkeit: Milchzucker), Zöliakie
(Gluten in Weizen) oder Phenylketonurie (Phenylalanin,
Süßstoff Aspartam).
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