Transparenz für Gentechnik bei Lebensmitteln
  Fr 03.09.2010 | 07:05 Uhr
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Mehr Allergien durch Gentechnik?

Neue Proteine, neue Allergene


Sind gentechnisch veränderte Lebensmittel auf dem Markt, wird es vermehrt zu Allergien kommen. Mehr noch: Durch neue Gene könnten harmlose Lebensmittel plötzlich zu einer Gefahr für Allergiker werden. Solche Befürchtungen sind weit verbreitet. Zwar ist es nicht ganz einfach, die mögliche Allergenität neuer Lebensmittel im Voraus zu bestimmen, doch der Pauschalverdacht "Gentechnik führt zu Allergie" ist unbegründet.

Wenn ein fremdes Gen in das Erbgut einer Pflanze eingeschleust wurde, dann sorgt es dafür, dass die Pflanzenzellen ein neues ProteinProtein(Eiweiß) bilden. In einigen Fällen ist dieses Protein kein vertrauter Bestandteil der menschlichen Nahrung. Dann kann man auch nicht auf Erfahrungen über die mögliche AllergenitätAllergenität dieses Proteins zurückgreifen.

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Neues Protein. Bt-Mais bildet einen Wirkstoff gegen Schädlinge. Theoretisch könnte dieses Protein  Allergien auslösen. Ob das tatsächlich so ist, kann vor der Markteinführung abgeschätzt werden.

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Gene anschalten. Bei der "Anti-Matsch-Tomate" wird ein vorhandenes Gen abgeschaltet. Es wird kein neues Protein gebildet. Das Allergie-Problem kann vernachlässigt werden. (Die Tomate wird nicht mehr angebaut.)

Reis ohne Allergene. Noch ist es Zukunftsmusik, aber grundsätzlich möglich: Mit der Gentechnik können Allergene entfernt werden.

Wenn ein Protein zum Allergen wird....

Proteine sind große, aus einer Abfolge unterschiedlicher AminosäurenAminosäuren zusammengesetzte Moleküle mit einer komplizierten dreidimensionalen Struktur. Es gibt zehntausende verschiedene Proteine, die in allen lebenden Organismen unterschiedlichste Funktionen erfüllen.

Theoretisch kann jedes Eiweiß AllergienAllergien auslösen. Zu einer allergischen Reaktion kommt es allerdings nur, wenn bestimmte Bedingungen zusammentreffen:

  • An der Oberfläche des Proteins müssen Bindungsstellen vorhanden sein, an denen die jeweils passenden IgE‑AntikörperIgE‑Antikörper andocken können.

  • Antikörper, die gegen ein Allergen gerichtet sind, werden nur von Personen gebildet, deren Immunsystem dafür disponiert ist. Solche individuellen Prägungen sind in der Regel genetisch bedingt.

Allergien entstehen nicht allein dadurch, dass jemand Proteine mit bestimmten stofflichen Eigenschaften aufnimmt. Eine allergische Reaktionen entwickelt sich nur, wenn ein solches Allergen auf entsprechend empfindliche Personen trifft.

Ob das neue Protein einer gv-Pflanze zu einem Allergie-Auslöser werden kann, ist keine einfache, "objektiv" messbare Eigenschaft. Allergien resultieren immer aus dem Zusammenspiel stofflicher Eigenschaften und dem individuellen Immunsystem.

Eine zweifelsfreie Prognose, ob es sich bei einem neuen Protein um ein Allergen handelt, ist deswegen nur bedingt möglich. Mit Sicherheit weiß man das erst, wenn tatsächlich Allergiefälle auftreten.

Neue Proteine im Essen - nicht nur durch die Gentechnik

Dass neue oder veränderte Proteine auf den Tisch kommen - und damit das Risiko neuer Allergien zunimmt -, ist keine Entwicklung, die allein auf die Gentechnik zutrifft. 

  • Sowohl Neuzüchtungen von Pflanzensorten als auch neue Verarbeitungsverfahren können in den Lebensmitteln zu veränderten Proteinen führen. Es ist durchaus möglich, dass dadurch das allergene Potenzial zunimmt.

  • Neue Allergene können auch in exotischen Früchten stecken, die in den vergangenen Jahren auf den Markt gekommen sind und die bis dahin in Mitteleuropa keine vertrauten Nahrungsmittel waren. Niemand kann vorher wissen, ob sich darunter auch Allergene befinden. Erst nach einiger Zeit zeigt sich, ob es Menschen gibt, die entsprechend sensibilisiert worden sind. So traten einige Jahre nach der Markteinführung von Kiwis erste Allergiefälle auf.

Allergien durch Gentechnik? Kein Automatismus

Sollten gentechnisch veränderte Pflanzen künftig in großem Stil als Lebensmittel in den Handel kommen, verzehren viele Menschen auch die neuen, bisher noch nicht in der Nahrung vorhandenen Proteine. Auszuschließen ist es nicht, dass früher oder später einzelne Personen eine Allergie gegen eines dieser Proteine entwickeln. Einen Automatismus, dass gv-Pflanzen zu mehr Allergien führen, gibt es jedoch nicht.

Inzwischen ist es möglich, das allergene Potenzial einzelner Proteine abzuschätzen. Man kennt heute eine Reihe von Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit aus einem "normalen" Eiweiß ein allergenes wird. Jedes neu in eine Pflanze eingeführte Protein kann anhand dieser Kriterien auf seine Allergenität geprüft werden. Dieser "Allergie-Check" ist möglich, weil es bei gentechnisch veränderten Lebensmittel um ein einzelnes, bekanntes Protein geht. Bei neuartigen Lebensmitteln hingegen sind weder die Zahl noch die Eigenschaften der neuen Proteine bekannt.

In den letzten Jahren hat das Wissen über Allergene stark zugenommen. Es gibt Datenbanken, in denen Informationen zu zahlreichen Allergenen gespeichert sind. Die Verfahren, mit denen die Allergenität von Proteinen abgeschätzt werden kann, sind immer genauer und zuverlässiger geworden. Dennoch: eine absolute Gewissheit gibt es nicht.

Bei der Zulassung von gv-Pflanzen wird auch die mögliche Allergenität des neuen Proteins geprüft.

  • Sollte sich ergeben, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein Allergen handelt, hat eine solche gv-Pflanze in der EU kaum Chancen auf eine Zulassung.

  • Nur gv-Pflanzen, für deren neu eingeführte Proteine mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Allergenität auszuschließen ist, werden von den wissenschaftlichen Gremien zur Zulassung empfohlen.

Gentechnisch verändert - nicht immer mit neuen Proteinen

Es gibt auch gentechnisch veränderte Pflanzen, die keine neuen Gene erhalten haben und daher auch keine neuen Proteine bilden. Bei diesen Pflanzen wurden vorhandene Gene "abgeschaltet", indem eine Kopie desselben Gens mit umgekehrter Reihenfolge der DNA-Bausteine eingeführt wurde (Antisense‑TechnologieAntisense‑Technologie).

 

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18. August 2010 [nach oben springen]

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