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Mehr Allergien durch Gentechnik?
Neue Proteine, neue Allergene
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Sind gentechnisch veränderte Lebensmittel
auf dem Markt, wird es vermehrt zu Allergien kommen. Mehr noch: Durch neue Gene
könnten harmlose Lebensmittel plötzlich zu einer Gefahr für
Allergiker werden. Solche Befürchtungen sind weit verbreitet. Zwar
ist es nicht ganz einfach, die mögliche Allergenität neuer
Lebensmittel im Voraus zu bestimmen, doch der Pauschalverdacht
"Gentechnik führt zu Allergie" ist unbegründet.
Wenn ein fremdes Gen in das Erbgut einer Pflanze
eingeschleust wurde, dann sorgt es dafür, dass
die Pflanzenzellen ein neues Protein(Eiweiß)
bilden. In einigen Fällen ist dieses Protein
kein vertrauter Bestandteil der menschlichen
Nahrung. Dann kann man auch nicht auf
Erfahrungen über die mögliche
Allergenität
dieses Proteins zurückgreifen.
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Neues Protein.
Bt-Mais bildet einen Wirkstoff gegen Schädlinge.
Theoretisch könnte dieses Protein Allergien auslösen. Ob das
tatsächlich so ist, kann vor der Markteinführung
abgeschätzt werden. |
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Gene anschalten. Bei der "Anti-Matsch-Tomate"
wird ein vorhandenes Gen abgeschaltet. Es wird kein
neues Protein gebildet. Das Allergie-Problem kann
vernachlässigt werden. (Die Tomate wird nicht mehr
angebaut.) |

Reis ohne Allergene. Noch ist es
Zukunftsmusik, aber grundsätzlich möglich: Mit der
Gentechnik können Allergene entfernt werden. |
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Wenn ein Protein zum Allergen wird....
Proteine sind große, aus
einer Abfolge unterschiedlicher
Aminosäuren
zusammengesetzte Moleküle mit einer
komplizierten dreidimensionalen Struktur. Es
gibt zehntausende verschiedene Proteine, die
in allen lebenden Organismen
unterschiedlichste Funktionen erfüllen.
Theoretisch kann jedes Eiweiß
Allergien auslösen. Zu
einer allergischen Reaktion kommt es
allerdings nur, wenn bestimmte Bedingungen
zusammentreffen:
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An der Oberfläche des Proteins müssen
Bindungsstellen vorhanden sein, an denen die jeweils
passenden IgE‑Antikörper andocken können.
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Antikörper, die gegen ein Allergen
gerichtet sind, werden nur von Personen gebildet, deren
Immunsystem dafür disponiert ist. Solche individuellen
Prägungen sind in der Regel genetisch bedingt.
Allergien entstehen nicht allein dadurch, dass
jemand Proteine mit bestimmten stofflichen Eigenschaften
aufnimmt. Eine allergische Reaktionen
entwickelt sich nur, wenn ein solches Allergen
auf entsprechend empfindliche Personen trifft.
Ob das neue Protein einer gv-Pflanze
zu einem Allergie-Auslöser werden kann, ist
keine einfache, "objektiv" messbare
Eigenschaft. Allergien resultieren immer aus dem
Zusammenspiel stofflicher Eigenschaften und dem individuellen
Immunsystem.
Eine
zweifelsfreie Prognose, ob es sich bei einem
neuen Protein um ein Allergen handelt, ist deswegen nur bedingt möglich. Mit Sicherheit
weiß man das erst, wenn tatsächlich
Allergiefälle auftreten.
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Neue Proteine im Essen - nicht nur durch
die Gentechnik
Dass neue oder veränderte Proteine auf den
Tisch kommen - und damit das Risiko neuer
Allergien zunimmt -, ist keine Entwicklung,
die allein auf die Gentechnik zutrifft.
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Sowohl Neuzüchtungen von Pflanzensorten als
auch neue Verarbeitungsverfahren können in den Lebensmitteln zu veränderten Proteinen führen.
Es ist durchaus möglich, dass dadurch das allergene Potenzial
zunimmt.
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Neue Allergene können auch in exotischen
Früchten stecken, die in den vergangenen Jahren auf den Markt gekommen
sind und die bis dahin in Mitteleuropa keine vertrauten
Nahrungsmittel waren. Niemand kann vorher wissen, ob sich
darunter auch Allergene befinden. Erst nach einiger Zeit zeigt
sich, ob es Menschen gibt, die entsprechend sensibilisiert worden
sind. So
traten einige Jahre nach der Markteinführung
von Kiwis erste Allergiefälle auf.
Allergien durch Gentechnik? Kein Automatismus
Sollten gentechnisch veränderte Pflanzen künftig in großem Stil als Lebensmittel
in den Handel kommen,
verzehren viele Menschen auch die neuen, bisher noch nicht in der
Nahrung vorhandenen Proteine. Auszuschließen ist es nicht, dass früher oder später einzelne Personen
eine Allergie gegen eines dieser Proteine entwickeln.
Einen Automatismus, dass gv-Pflanzen zu mehr
Allergien führen, gibt es jedoch nicht.
Inzwischen ist es möglich, das allergene
Potenzial einzelner Proteine abzuschätzen. Man kennt
heute eine Reihe von Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit aus
einem "normalen" Eiweiß ein allergenes wird. Jedes neu in
eine Pflanze eingeführte Protein kann
anhand dieser Kriterien auf seine Allergenität geprüft werden.
Dieser "Allergie-Check" ist möglich, weil es bei gentechnisch
veränderten Lebensmittel um ein einzelnes, bekanntes Protein geht.
Bei neuartigen Lebensmitteln hingegen sind weder die Zahl noch die
Eigenschaften der neuen Proteine bekannt.
In den letzten Jahren hat das Wissen über
Allergene stark zugenommen. Es gibt
Datenbanken, in denen Informationen zu
zahlreichen Allergenen gespeichert sind. Die
Verfahren, mit denen die Allergenität von
Proteinen abgeschätzt werden kann, sind
immer genauer und zuverlässiger geworden.
Dennoch: eine
absolute Gewissheit gibt es nicht.
Bei der Zulassung von gv-Pflanzen wird auch
die mögliche Allergenität des neuen Proteins
geprüft.
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Sollte sich ergeben, dass es sich mit hoher
Wahrscheinlichkeit um ein Allergen handelt, hat eine solche gv-Pflanze
in der EU kaum Chancen auf eine Zulassung.
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Nur gv-Pflanzen, für deren neu eingeführte
Proteine mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Allergenität
auszuschließen ist,
werden von den wissenschaftlichen Gremien zur Zulassung empfohlen.
Gentechnisch verändert - nicht immer mit neuen Proteinen
Es gibt auch gentechnisch veränderte
Pflanzen, die keine neuen Gene erhalten haben und daher auch
keine neuen Proteine bilden. Bei diesen Pflanzen wurden
vorhandene Gene "abgeschaltet", indem eine Kopie desselben
Gens mit umgekehrter Reihenfolge der DNA-Bausteine
eingeführt wurde ( Antisense‑Technologie).
Mehr bei TransGen
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Mehr im Web
| EFSA Europäische Behörde für
Lebensmittelsicherheit |
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