|
Süß schmecken sie, die Blätter des
Stevia-Strauches. In Südamerika, aber auch in vielen asiatischen
Ländern sind die getrockneten Blätter ein geschätztes natürliches
Süßungsmittel, kalorienarm und zahnfreundlich. Was lag näher, als
die Stevia-Blätter auch in Europa auf den Markt zu bringen? Doch der
erste Antrag war im Jahr 2000 gescheitert. Die süßen Blätter des Stevia-Strauches
durften nicht in den Handel, da es nicht gelungen war, die
Unbedenklichkeit zu belegen. Inzwischen sind aber die Extrakte der
Pflanze - die so genannten Steviolglykoside - als
Zusatzstoff ( E 960) in bestimmten Lebensmitteln zugelassen.
Neuartige Lebensmittel: Zulassung nur nach
Sicherheitsbeweis
Seit Mai 1997 ist die Novel
Food- Verordnung EU-weit in Kraft. Ist ein Lebensmittel im Sinne
dieses Regelwerks "neuartig" und bis dahin in Europa noch
nicht verzehrt worden, darf es nur dann auf den Markt, wenn
es zuvor zugelassen wurde.
Die zentrale Anforderung dabei: Wer als
Importeur oder Hersteller ein neuartiges Lebensmittel vertreiben
möchte, muss den Nachweis führen, dass es gesundheitlich
unbedenklich ist – ganz gleich, ob es sich um geröstete Heuschrecken,
Noni-Saft oder getrocknete Stevia-Blätter handelt. Und das ist nicht
einfach.
Bisher gilt für Lebensmittel: Sofern sie
nicht gegen allgemeine und spezielle Vorschriften verstoßen, dürfen
Lebensmittel frei vermarktet werden, ohne eine Genehmigung einholen
zu müssen.
Traditionelle Lebensmittel: Keine Zulassung, da sicher
aus Erfahrung
Ihre Sicherheit leitete sich aus einer
langen, oft kulturell gewachsenen Erfahrung ab, nicht aus einem
wissenschaftlich-exakten Beweis. Auch ohne Detailuntersuchungen weiß
man, was bekömmlich und verträglich ist. Das ist anders bei
bekannten Giften, bei unerwünschten Fremdstoffen und Rückständen,
aber auch bei Zusatzstoffen: Hier regeln Gesetze tolerierbare
Höchstmengen. Zusatzstoffe dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn
sie ausdrücklich dafür zugelassen sind.
Die Sicherheit von Lebensmitteln ist
schwer zu belegen. Denn Lebensmittel sind komplexe
Stoffgemische, deren Zusammensetzung je nach Jahreszeit,
verwendeten Rohstoffen oder Produktionsverfahren schwankt. Welche
Substanzen in welchen Mengen etwa in einem Apfel oder einem Brot
enthalten sind, ist weitgehend unbekannt.
|