|
Gentechnisch veränderte Pflanzen in der Umwelt: Kein PauschalurteilWird eine gentechnisch veränderte Pflanze im Freiland angebaut, ist das nicht zwangsläufig eine Gefahr. Ob es unerwünschte Auswirkungen hat oder der Umwelt schadet, ist nicht pauschal für „die Gentechnik“ zu beantworten, sondern immer nur für einen konkreten Einzelfall. Jede gentechnisch veränderte Pflanze ist anders, auch bei der Abschätzung möglicher Folgen. Ganz entscheidend sind die Pflanzenart und ihre biologischen Eigenschaften, das gentechnisch vermittelte neue Merkmal, aber auch die Region, in der die Pflanze genutzt werden soll.
Bei Raps ist das anders: Gleich, ob gentechnisch verändert oder nicht - er wächst an vielen Standorten und kann einige Jahre im Boden überdauern. Diese biologischen Eigenschaften müssen bei der Sicherheitsbewertung einer neuen gv-Rapssorte berücksichtigt werden.
Pflanzenpollen werden durch Wind und Insekten verbreitet. Dann kommt es zu Auskreuzungen – aber nur, wenn es im benachbarten Ökosystem artverwandte Kreuzungspartner gibt. Solche Wildpflanzen und verwilderte Sorten gibt es bei Mais oder Kartoffeln in Mitteleuropa nicht, wohl aber bei Raps und in bestimmten Regionen bei Zuckerrüben. Bei Raps sind Kreuzungen etwa mit Braunem Senf möglich, doch inzwischen weiß man, dass daraus nur selten fruchtbare Nachkommen hervorgehen. Etwas anderes sind Auskreuzungen auf Kulturpflanzen derselben Art. Wird etwa gv-Mais angebaut, ist es durchaus möglich, dass dieser auf konventionelle Pflanzen in der Nachbarschaft auskreuzt. Eine biologische Gefahr ist das nicht, sofern die betreffende gv-Pflanze als sicher eingestuft wurde. Entscheidend für die Auskreuzungshäufigkeit ist auch die jeweilige Biologie der Pflanzenart. So vermehren sich Kartoffeln vor allem vegetativ, also über die Triebe, die aus den Knollen wachsen. Bei der geschlechtlichen Vermehrung durch Bestäubung der Blüten überwiegt die Selbstbefruchtung. Auch Weizen und Gerste sind "Selbstbestäuber", bei denen die Befruchtung innerhalb einer geschlossenen Blüte stattfindet. Bei Mais wird der Pollen vor allem durch den Wind transportiert, während bei Raps Bienen und andere Insekten eine große Rolle spielen. Zu berücksichtigen ist auch, ob das neu in eine Pflanzen eingeführte Merkmal ihr einen Überlebensvorteil verschaffen könnte. Bei einem Gen für Trockentoleranz wäre das denkbar. Eine Pflanze, die es besitzt, könnte in Dürrezeiten besser überleben. Dagegen bringt ein Gen etwa für einen neuen Inhaltsstoff in der Regel keinen Vorteil. Es gibt keinen Grund, jede gentechnisch veränderte Pflanze pauschal als gefährlich einzustufen. Was passieren könnte und welche Folgen überhaupt in Betracht zu ziehen sind, ist in jedem Fall anders. Darum ist es auch ein zentraler Grundsatz der Gesetzgebung, jeden Freisetzungsversuch und jede gv-Pflanze gesondert zu prüfen (Einzelfallprinzip). Umweltsicherheit – Forschung und ErfahrungSeit vielen Jahren wird intensiv geforscht, wie sich gv-Pflanzen in der Umwelt verhalten und ob sie sich dabei von konventionellen Pflanzen unterscheiden. Das machen nicht nur die Unternehmen, die gv-Pflanzen auf den Markt bringen wollen und Daten benötigen, um deren Umweltverträglichkeit zu belegen. Auch Universitäten und Forschungseinrichtungen in vielen Ländern beschäftigen sich mit der "biologischen Sicherheit" von gv- Pflanzen. In Deutschland fördert die Bundesregierung seit 1987 eine unabhängige Sicherheits- und Begleitforschung. In den letzten Jahren hat sich das Wissen um die Wechselwirkungen zwischen gentechnisch veränderten Pflanzen und ihrer Umwelt stark erweitert. Es stehen geeignete Verfahren zur Verfügung, um die in den Gesetzen geforderte Umweltverträglichkeitsprüfung für gv-Pflanzen durchführen zu können. Sollte eine neue gv-Pflanzen in der Umwelt zu eindeutigen, offenkundigen Schäden führen, dann ist davon auszugehen, dass diese im Vorfeld der Zulassung erkannt werden. Das wäre etwa der Fall, wenn bestimmte nützliche Insektenarten getötet würden oder die Bodenfruchtbarkeit abnähme. Nur: Solche akuten Schäden sind eher die Ausnahme. Der Regelfall ist, dass die Sicherheitsforschung eine Vielzahl von Daten hervorbringt. Sie zeigen etwa, dass die Artenzusammensetzung auf einem Maisfeld von vielen Faktoren abhängig ist – vom Wetter, vom Boden, von der Jahreszeit, von den ausgepflanzten Sorten oder den landwirtschaftlichen Anbaumethoden. Ob gentechnisch veränderte oder konventionelle Pflanzen auf dem Feld stehen, ist dabei nur ein Faktor – und meistens nicht der entscheidende. In zahlreichen Forschungsprojekten zu den Auswirkungen von Bt-Mais auf Ökosystem und Artenvielfalt hat sich gezeigt, dass Unterschiede zwischen verschiedenen Maissorten größer sind als die zwischen gentechnisch verändertem Bt-Mais und seiner konventionellen Ausgangssorte. Fazit: Wenn gentechnisch veränderte Pflanzen unter freiem Himmel wachsen, hat das – wie jede landwirtschaftliche Nutzung – Auswirkungen auf die Umwelt. Doch ganz so unkalkulierbar, wie viele befürchten, sind diese nicht. Mehr bei transGEN:
|
![]()
![]()
![]() © 1997 - 2013 i-bio Information Biowissenschaften | Impressum | Leitlinien und Finanzierung | website created by webmotive |