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Schnell wachsende Lachse:
Das ewige Zulassungsverfahren

Seit mehr als einem Jahrzehnt zieht sich in den USA das Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte schnell wachsende Lachse hin. Zwar haben Experten in einem Gutachten für die US-Lebensmittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) den Verzehr der gentechnisch veränderten Fische mehrheitlich als sicher eingestuft und auch die Risiken für die Umwelt als gering eingeschätzt. Doch inzwischen sind die Lachse ("Frankenfish") längst zu einem politisch brisanten Thema und zum Symbol für die auch in den USA wachsende Gentechnik-Kritik geworden. Doch bald könnte die Zulassung erteilt werden. Ob die Lachse dann auch überall in den Auslagen der Supermärkte liegen, scheint allerdings fraglich.

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Schneller groß: Gentechnisch veränderter Lachs (hinten) und normaler Atlantik-Lachs (vorn) mit gleichem Lebensalter.
Foto: Aquabounty


"Frankenfish": In den USA sind gentechnisch veränderte Lachse das Symbolprodukt der Gentechnik-Kritiker.


Eier von AquAdvantage-Lachs: Kanada erlaubt die Produktion der Eier. Aber bisher fehlen Fischfarmen für die Mast der gv-Lachse. Es wird vermutet, dass die Eier nach Asien oder Südamerika verkauft werden sollen.
Foto: Aquabounty

Gentechnisch veränderte Lachse: Eine Lange Geschichte

  • 1989: Kanadische Wissenschaftler haben Lachs gentechnisch verändert, so dass er mehr Wachstumshormone produziert.

  • 1995: Erster Zulassungsantrag von AquaBounty für gv-Lachs in den USA

  • 2001: Untersuchungen zu Sicherheitsaspekten

  • 2009: Richtlinien der US-Lebensmittelbehörde FDA für Zulassung von gv-Tieren; Ergänzung des Zulassungsantrags für gv-Lachs

  • 2010: FDA: Lebensmittel aus gv-Lachs sind unbedenklich

  • 2012: FDA schließt erweiterte Überprüfung der Umweltsicherheit von gv-Lachsen ab.

  • 2013: Ergebnisse der Sicherheitsbewertung liegen zur öffentlichen Kommentierung aus; Verlängerung der Frist bis 26. April.

  • November: Kanada erlaubt die Produktion von jährlich 100.000 Fischeiern. Eine zertifizierte Fischfarm zur Aufzucht der gv-Lachse gibt es in den USA bisher nicht.

Die gentechnisch veränderten Lachse wurden von der Firma AquaBounty Technologies entwickelt. Wissenschaftler des Unternehmens hatten zwei Gene in das Genom von Lachsen übertragen:

  • ein Gen für ein Wachstumshormon einer anderen Lachsart (Königslachs, Oncorhynchus tschawytscha)
  • ein Regulationsgen eines Fisches (Zoarces americanus), der an kalte Meeresregionen angepasst ist.

Normalerweise bildet der Lachs in kalten Gewässern bzw. im Winter keine Wachstumshormone. Daher haben die Wissenschaftler dem Gen für das Wachstumshormon ein Regulationsgen für Anti-Frost-Proteine vorgeschaltet. Anti-Frost-Proteine ermöglichen das Überleben in eiskaltem Wasser und sind daher bei niedrigen Temperaturen aktiv.

Das Resultat: Die gv-Lachse wachsen ganzjährig und erreichen daher bereits innerhalb von 16 bis 18 Monaten ihr Schlachtgewicht von 18 Kilogramm. "Normale" atlantische Lachse brauchen rund drei Jahre, um zu dieser Größe heranzuwachsen.

Vor über zehn Jahren wurde die Zulassung der gv-Lachse bei der amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA beantragt, doch diese zögerte eine Entscheidung immer wieder hinaus. Lange Zeit schien eine Markteinführung der transgenen Lachse (Markenname: AquAdvantage) in weiter Ferne.

FDA: Keine Sicherheitsbedenken, aber langes Zögern vor der Zulassungsentscheidung

Nachdem 2009 in den USA Richtlinien für die Zulassung und Sicherheitsbewertung von Lebensmitteln aus gv-Tieren in Kraft getreten waren, wurden sie bei den gv-Lachsen erstmals angewandt: Nach dem Gutachten der amerikanische Lebensmittelbehörde FDA unterscheiden sie sich die bis auf das neu eingeführte Merkmal nicht von ihren konventionellen Verwandten. Geprüft wurden etwa Geschmack, Farbe und Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Fettsäuren, Eiweißen und anderen Nährstoffen. Der Verzehr von gv-Lachs sei für die Gesundheit unbedenklich.

Zudem habe AquaBounty nachweisen können, dass die eingeführten Gene stabil von Generation zu Generation vererbt werden und die gentechnische Veränderung keine Auswirkungen auf die Tiergesundheit habe.

Viele Umweltgruppen und Fischereiverbände lehnen die Zulassung der gentechnisch veränderten Lachse jedoch aus anderen Gründen ab. Sie befürchten, dass die transgenen Fische aus den Tanks der Zuchtfarmen entweichen und die in den freien Gewässern lebenden weniger großen Artgenossen verdrängen könnten. Dieses Risiko schätzte die FDA bei Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen jedoch als gering ein. Zudem würde das Unternehmen bei einer Zulassung nur unfruchtbare weibliche Tiere vermarkten, die in geschlossen, nicht in natürlichen Gewässern gelegenen Aquakulturen aufgezogen würden. Dann wäre eine Fortpflanzung in freier Natur kaum möglich.

Im September 2010 präsentierte die FDA ihre Ergebnisse im Rahmen einer öffentlichen Anhörung. Dabei kamen auch weitere wissenschaftliche Experten, das Unternehmen sowie Umwelt- und Verbraucherorganisationen zu Wort.

Die Mehrheit der Fachexperten schätzte die gv-Lachse als sicher ein. Es gab jedoch auch Kritik an einigen Studien, da deren Datenbasis zu klein gewesen sei. Besonders die Vertreter der Verbraucherorganisationen hatten darauf hingewiesen, dass die gv-Lachse nicht ausreichend auf Allergierisiken geprüft worden seien und empfahlen, noch weitere Untersuchungen durchzuführen.

Nach weiteren Verzögerungen veröffentlichte die FDA Ende 2012 das Ergebnis einer weiteren Umweltverträglichkeitsprüfung. Eine Aufzucht von gv-Lachsen soll nur in Fischfarmen mit abgeschlossenen Tanks ohne Verbindung zu offenen Gewässern erlaubt werden. Jede Anlage muss von der Behörde geprüft und für diesen Zweck zugelassen werden. Bis Ende April 2013 konnte die Öffentlichkeit dazu Stellung nehmen.

Noch 2013 will die FDA über eine endgültige Zulassung der AquAdvantage-Lachse entscheiden.

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