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Gentechnik bei Tieren:
Der Stand der Dinge

Für die menschliche Ernährung haben gentechnisch veränderte Tiere keine praktische Bedeutung. Im Bereich Medizin hingegen sieht das anders aus: Seit dem Jahr 2008 ist in Europa ein Medikament auf dem Markt, das in der Milch von transgenen Ziegen produziert wird.

Noch vor fünfzig Jahren gab eine deutsche Milchkuh durchschnittlich 1.000 Liter Milch im Jahr, heute sind es etwa 8.000. Es sind vor allem neue Verfahren in der Nutztierzüchtung, die zu dieser deutlichen Steigerung der Milchleistung beigetragen haben. Schon seit einiger Zeit ist die künstliche Besamung in der Rinderzucht Routine. Hochwertige Eigenschaften von Zuchtbullen können so an eine große Anzahl von Nachkommen weitergegeben werden. 90 Prozent der Milchkühe und 60 Prozent der Schweine werden heute mit Hilfe künstlicher Besamung erzeugt.

Reproduktions- oder
Fortpflanzungstechnologie

  • Künstliche Besamung, künstliche Befruchtung, Embryonentransfer

  • weit verbreitet

Gentechnik oder
Rekombinationstechnik

  • Verfahren, um neue (fremde) Gene in das Genom von Tieren einzuführen

  • praktische Anwendung bei Nutztieren nur im medizinischen Bereich

Genomforschung

  • Entschlüsselung der Funktion einzelner Gene, Merkmale auf genetischer Ebene

  • Anwendung: Gen-Tests in der Züchtung, Forschung

 


Bei der Maus hat man mit gentechnischen Anwendungen die meisten Erfahrungen.


Bei Rindern wird mit gentechnischen Verfahren etwa daran gearbeitet, die Qualität der  Milch, Wachstum, Fruchtbarkeit sowie die Krankheitsresistenz verbessern.


Leuchtende Zebrafische sind die ersten gentechnisch veränderten Haustiere, die vermarktet wurden. Foto: www.glofish.com


Auch an Insekten wird geforscht: Dieses transgene Moskito trägt ein Gen, das eine Resistenz gegen den Malaria-Parasiten vermittelt. Foto: PNAS

Künstliche Besamung, Embryotransfer: Reproduktionstechniken sind verbreitet

Dabei blieb es nicht: Später kamen künstliche Befruchtung von Eizellen "im Reagenzglas" (in vitro) und Embryotransfer hinzu. So unterschiedlich diese Techniken auch sind - im Kern geht es darum, die Fortpflanzung der Tiere zu kontrollieren und Nachkommen zu erzeugen, die möglichst viele als hochwertig eingestufte Eigenschaften besitzen.

Doch die Arbeit der Züchter ist durch die Gesamtheit der GeneGene der jeweiligen Tierart (GenpoolGenpool) begrenzt. Erst mit der Gentechnik wurde es grundsätzlich möglich, neue artfremde Gene als "Material" für die Züchtung zu nutzen.

Bereits 1980 gelang es zum ersten Mal, einen neuen DNADNA-Abschnitt in das Genom eines Säugetiers, der Maus, zu integrieren. Zwei Jahre später gaben Forscher bekannt, dass ihre transgenentransgenen Nager dank zusätzlicher Gene für Wachstumshormone schneller wuchsen und größer wurden.

Trotz dieser frühen Erfolgsmeldungen gibt es bis heute keine gentechnisch veränderten Nutztiere, die Milch, Fleisch oder Eier für die menschliche Ernährung liefern - und daran wird sich in naher Zukunft nichts ändern.

Dass gv-Rinder, Schweine, Schafe oder Hühner noch keine praktische Anwendung in der Landwirtschaft finden, hat im Wesentlichen zwei Gründe:

Verfahren mit geringer Erfolgsquote. Im vergangenen Jahrzehnt haben sich die Techniken, mit denen fremde Gene in das Erbgut von Nutztieren eingeführt werden, weiterentwickelt. Trotzdem sind die Verfahren nicht effizient, da man noch zu wenig über die Funktion und das Zusammenspiel der Gene in der frühen embryonalen Entwicklung weiß. Die Erfolgsquote ist gering und liegt bei den meisten Spezies zwischen zwei bis fünf Prozent. Lediglich bei Rindern sind 15 bis 20 Prozent der Nachkommen lebensfähig. Bevor es gelingt, ein transgenes Tier zu erzeugen, müssen zahlreiche EmbryonenEmbryonen "verbraucht" werden. Und wenn ein gentechnisch verändertes Tier heranwächst, können Krankheiten, Missbildungen und eine verkürzte Lebensdauer nicht ausgeschlossen werden.

Keine interessanten Gene. Die Ziele, welche die Züchter verfolgen, haben sich mit den neuen Technologien nicht verändert: Es geht um die Leistung der Tiere, eine höhere Qualität der Produkte und die Wirtschaftlichkeit der Tierhaltung, aber auch um gesunde, robuste, widerstandsfähige Tiere. Doch in aller Regel sind diese Eigenschaften nicht in einem einzelnen Gen codiert, sondern beruhen auf einem komplizierten Zusammenspiel mehrerer Gene. Die Gentechnik ist weit davon entfernt, durch Hinzufügen, An- oder Abschalten einzelner Gene "neue" Nutztiere mit veränderten Eigenschaften zu erzeugen. Anders als mit den Resistenzgenen bei Pflanzen ist es bei Nutztieren häufig schwierig, wirtschaftlich interessante Gene zu finden, die in das Genom eingeführt werden könnten.

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12. April 2012 [nach oben springen]

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