Weizenfeld, Sonne

Trockentoleranter Gentechnik-Weizen: Zulassung für den Anbau in Argentinien

Gentechnisch veränderter Weizen steht noch in keinem Land der Welt auf den Feldern. Das könnte sich bald ändern. Das Biotech-Unternehmen Bioceres hat für seinen HB4-Gentechnik-Weizen in Argentinien die Anbauzulassung erhalten. Dieser Weizen kommt vor allem mit Trockenstress besser klar als herkömmlicher Weizen. HB4-Sojabohnen wurden bereits vor fünf Jahren zugelassen, der Anbau steht unmittelbar bevor.

Im Februar 2020 gab das argentinische Biotech-Unternehmen Bioceres die Ergebnisse eines begrenzten Freilandversuchs mit gentechnisch verändertem HB4-Weizen (IND-00412-7) bekannt. Dieser von Bioceres als „Öko-Weizen“ bezeichnete gv-Weizen lieferte auf etwa 400 Hektar auch unter verschiedenen schwierigen Umweltbedingungen wie z.B. Trockenstress hohe Erträge. Die lagen im Vergleich mit anderen Weizensorten, die zur Kontrolle angebaut wurden, um acht bis 22 Prozent höher.

Nun hat das argentinische Landwirtschaftsministerium grünes Licht für den Anbau von HB4-Weizen gegeben. Argentinien ist der wichtigste Weizenproduzent Lateinamerikas. 2019 wurden 19 Millionen Tonnen geerntet, etwa 70 Prozent davon werden exportiert.

Laut Bioceres wurden in Vorbereitung auf die Markteinführung bereits 7000 Hektar HB4-Weizen versuchsweise ausgepflanzt. Ob der kommerzielle Anbau in Argentinien in absehbarer Zukunft starten kann, hängt allerdings - insbesondere bei einer symbolisch aufgeladenen Kulturpflanze wie Weizen - von der Akzeptanz in den Importländern ab. In keinem Land der Welt war bisher der Anbau oder der Import von Gentechnik-Weizen erlaubt. Die Zulassung steht deshalb unter dem Vorbehalt, zunächst wichtige Abnehmer argentinischen Weizens, allen voran Brasilien, von HB4-Weizen zu überzeugen und zu den entsprechenden Zulassungen zu bewegen. 45 Prozent der argentinischen Weizenernte gehen nach Brasilien.

HB4-Weizen ist schon seit vielen Jahren in der Entwicklung. Daran beteiligt ist neben Bioceres die französische Firma Florimond Desprez sowie auch die argentinische Technik- und Wissenschaftsbehörde. Es wurde noch mit klassischer Gentechnik ein fremdes Gen übertragen. Das HaHB4-Gen stammt aus der Sonnenblume und gehört zu einer Gruppe von Genen, die an Stressreaktionen von Pflanzen beteiligt sind. Sie helfen der Pflanze extreme Umwelteinflüsse wie z.B. Wassermangel auszugleichen. Wie das genau bei Weizen funktioniert, ist noch weitgehend unbekannt. Fest steht: HB4-Weizen bietet auch unter Anbaubedingungen, die normalerweise den Weizen-Ertrag verringern würden, einen Ertragsvorteil. Das wurde in zahlreichen Freilandversuchen bestätigt, die seit 2009 in Argentinien, Paraguay und den USA durchgeführt wurden. Auch in Spanien gab es 2018 eine Freisetzung mit HB4-Weizen.

HB4-Weizen enthält außer dem HaHB4-Gen ein weiteres fremdes Gen aus einem Bakterium (bar), das eine Toleranz gegenüber dem Herbizid Glufosinat bewirkt.

Anbauzulassungen Soja Südamerika und Zulassungen EU

Anbau-Zulassungen für gv-Sojabohnen in Südamerika und entsprechende Importzulassungen in Europa. 14 von 20 in Südamerika angebauten gv-Sojabohnen sind in der EU für den Import zugelassen, vier weitere sind beantragt. Auch für die HB4-Sojabohne wurde vor kurzem ein Antrag gestellt, der aber von der EFSA noch nicht akzeptiert wurde.

Großes Foto oben: Mykola Mazuryk, 123RF

Mit einer anderen HB4-Pflanze ist man unterdessen schon viel weiter. Auch die HB4-Sojabohne wurde ursprünglich in Argentinien entwickelt und unter dem Dach von Verdeca , einem Zusammenschluss von Bioceres (Argentinien) und Arcadia Biosciences (USA) vermarktet. Sie wurde bereits 2015 für den Anbau in Argentinien zugelassen. Inzwischen sind in Argentinien, Brasilien und seit 2019 auch in den USA und Paraguay die mehrstufigen Zulassungsprozesse abgeschlossen und ein Anbau in absehbarer Zeit zu erwarten. Die HB4-Sojabohne ist somit in den wichtigsten Ländern des globalen Sojamarktes zugelassen. In den vier Ländern werden auf etwa 90 Millionen Hektar Sojabohnen angebaut, davon zwischen 94 und 100 Prozent gentechnisch verändert.

Bioceres geht davon aus, dass schon bald der kommerzielle Anbau mit der „Öko-Sojabohne“ beginnen kann. Allerdings fehlt immer noch die Importzulassung von China, dem bei weitem wichtigsten Abnehmer für Sojabohnen aus Nord- und Südamerika.

Es wird nun angestrebt u.a. in Zusammenarbeit mit dem Agro-Unternehmen Dow AgroSciences das HB4-Merkmal mit auf dem Markt befindlichen herbizidtoleranten Sojabohnensorten zu kombinieren, um so die Erträge unter verschiedenen Umweltbedingungen zu verbessern. Laut Zulassungsdatenbank International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA) ist bereits ein Kombination von HB4 mit der gv-Sojabohne GTS 40-3-2 (Glyphosat-Toleranz) in Argentinien, Brasilien und den USA zugelassen.

In der EU wurde vor kurzem für die Sojabohne HB4 (IND-00410-5) ein Antrag auf Importzulassung gestellt. Der wurde allerdings noch nicht von der zuständigen europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) akzeptiert. Die EU importiert jährlich mehr als 30 Mio Tonnen Sojabohnen und –schrot, davon mehr als 85 Prozent aus Brasilien, Argentinien und den USA.

Pflanzen gegen Trockenheit zu wappnen, wird in Zeiten des Klimawandels ein immer dringlicheres Ziel in der Pflanzenzüchtung. Lediglich zwei weitere gentechnisch veränderte trockentolerante Pflanzen wurden bisher zugelassen. Das ist zum einen Monsantos DroughtGard-Mais in den USA sowie trockentolerantes Zuckerrohr in Indonesien, das von staatlichen Forschungseinrichtungen entwickelt wurde. Bei beiden wurden mit klassischer Gentechnik einzelne bakterielle Gene eingeführt, die die Pflanze bei Trockenstress stabilisieren. Da Trockentoleranz ein sehr komplexes Merkmal ist, an dem viele Gene beteiligt sind, stoßen jedoch die klassischen Züchtungsmethoden - Kreuzungszüchtung ebenso wie die klassische Gentechnik - schnell an ihre Grenzen. Deshalb werden in Zukunft neue molekularbiologische Techniken - auch die Genschere CRISPR/Cas eine wichtige Rolle spielen.

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