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2,4-D resistenter Mais
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Autor:  stranger [ Di 01.05.2012 19:07 ]
Betreff des Beitrags:  2,4-D resistenter Mais

Hallo!

Wohin die Reise beim Einsatz von Gentechnik im Pflanzenbau geht, zeigt folgender Artikel.
Die Behauptung, gentechnisch veränderte Planzen würden den Einsatz von Herbiziden
senken, ist mittelfristig schlicht eine Mär.

[01.05.2012]
Das Landwirtschaftsministerium der USA (USDA) will einen Gentechnik-Mais von Dow AgroScience zulassen, der gegen das hoch umstrittene und giftige 2,4-D resistent ist. Wie der Informationsdienst Gentechnik berichtet, soll er die Lösung für die Superunkräuter bieten, die sich durch den Anbau von glyphosatresistenten Gentechnik-Pflanzen verbreiten.

145 kritische Verbände hätten das USDA bereits aufgefordert, die Zulassung zu verhindern.
Sie befürchten zwangsläufig einen vermehrten Einsatz von 2,4-D-Herbiziden. Der Wirkstoff gilt als möglicherweise krebserregend für den Menschen. Schweden, Norwegen und Dänemark hätten den Einsatz von 2,4-D aufgrund aktueller Studien bereits verboten.

Wie das Portal weiter berichtet, sei klar, dass der Anbau der Gentechnik-Pflanzen zu einem drastischen Anstieg des Herbizideinsatzes und zur Bildung von immer neuen Superunkräutern führen werde. (ad)


Gruss Stranger

Autor:  Reinhard Szibor [ Di 01.05.2012 21:44 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 2,4-D resistenter Mais

Hallo Stranger,
es gibt keine Superunkräuter! Herbizidresistente Unkräter sind nur ein Problem für Landwirte, die GVOs anbauen und die entsprechenden Herbizide einsetzen. Alle Anderen merken das Problem gar nicht. Bei der mechanischen Unkrautbekämpfung gibt es keine Unterschied zwischen den sogenannten "Superunkräutern" und deren Ausgangsformen. Sogenannte Biobauern müssen sich also nicht aufregen.

Autor:  Hoffmeister [ Mi 02.05.2012 09:28 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 2,4-D resistenter Mais

Zu der Mär von den angeblichen Problemen mit „Superunkräutern“ hat Herr Szibor sich schon treffend geäußert. Es sind ausschließlich Probleme der so gern angefeindeten industriellen Landwirtschaft. Die Gegner müssten sich also die Fäuste reiben, anstatt so drastisch zu polemisieren.
Ich beschäftige mich mal mit dem Wahrheitsgehalt einer anderen Behauptung:
„Wie das Portal weiter berichtet, sei klar, dass der Anbau der Gentechnik-Pflanzen zu einem drastischen Anstieg des Herbizideinsatzes… führt.“
Um sich zu diesem Thema ein unabhängiges Bild zu verschaffen, reicht es eben nicht aus, Texte einer sich eindeutig gegen Gentechnik aussprechenden Quelle hier einzukopieren. Das Bild ist wesentlich differenzierter, wenn nicht gar falsch dargestellt. Ich empfehle folgende Quelle:
http://ageconsearch.umn.edu/bitstream/4 ... l%2019.pdf
Aus der Abbildung 5 geht hervor, dass trotz Anstiegs des Anbaus von Herbizid-toleranten Pflanzen in den USA zischen 1998 und 2007 von ca. 10 % auf über 50 % die eingesetzten Glyphosatmengen moderat stiegen (von 0,1 auf 0,6 pounds per acre, was auch nicht verwunderlich ist, handelte es sich doch um Glyphosat – tolerante Pflanzen), dafür aber der Einsatz anderer Herbizide auch deutlich zurückging (von 2,6 auf 1,6 pounds per acre). Wenn ich jetzt so plump argumentieren würde wie die oben zitierte Quelle, könnte ich eine Rechnung aufmachen: - 1 pound gegen + 0,5 pound, also eine deutliche Einsparung. Das geht aber ehrlicherweise nicht, weil man Äpfel mit Birnen vergleicht, denn die Wirkstoffmengen sind bei den verschiedenen Herbizidformulierungen sehr verschieden.
Und was schreiben die Autoren noch ? „In recent years, we have witnessed a significant trend toward replacing relatively hazardous active ingredients with less hazardous ones.“
Aus der Statistik der US-Landwirtschafts- und Umweltbehörde geht also eindeutig hervor, dass die pauschale Aussage, es würden mit dem Einsatz von HT-Pflanzen immer mehr und gefährlichere Herbizide eingesetzt, einfach nicht stimmt. Das mag in anderen Ländern mit weniger hoch entwickelter Landwirtschaft und ohne konsequente Auslegung sog. stewardship – Programme anders aussehen, aber in der vom Entwicklungsstand mit Europa eher vergleichbaren US-Landwirtschaft sind solche Parolen nicht haltbar.
Und was meint die EFSA zum speziellen Fall 2,4-D: „Based on the above calculations, EFSA concludes that the uses of 2,4-D on crops fully supported by data (footnote a in Table 4-1), are acceptable with regard to consumer exposure. For all remaining crops, major uncertainties remain due to the data gaps identified in section 3, but considering tentative MRLs or the existing EU MRLs in the exposure, calculation did not indicate a risk to consumers.“
http://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/doc/2431.pdf
„2,4-D was demonstrated to decline rapidly in soil. Further investigation of residues in rotational crops is therefore not required and relevant residues in these crops are not expected.“
Schweden, Norwegen und Dänemark mögen ihre Gründe für die Nichtzulassung haben (vielleicht die data gaps bei bestimmtgen Kulturen ?), aber von einer Gefährdung der Bevölkerung oder der Umwelt kann bei sachgemäßer Anwendung keine Rede sein. In Deutschland sind nach BVL-Datenbank 78 Präparate mit 2,4-D zugelassen, insbesondere für den Gartenbereich.

Autor:  Langelüddeke [ Fr 04.05.2012 10:06 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 2,4-D resistenter Mais

Zur Behauptung, 2,4-D sei „giftig“, möchte ich in aller Bescheidenheit und Demut darauf verweisen, dass jedes Pflanzenschutzmittel giftig ist. Es kommt immer auf die Dosierung an. „Dosis sola facit venenum“, d.h. allein die Dosis macht dass ein Ding Gift ist: Eine uralte Erkenntnis des Arztes Paracelsus (1493 – 1541), der dabei Pflanzenschutzmittel noch nicht im Blick haben konnte, sondern sicher eher an Arzneimittel dachte. Aber es macht sich natürlich immer gut, wenn man unliebsame Entwicklungen einfach mit dem Ausdruck „Gift“ belegt. Dann erübrigt sich jede weitere Diskussion.

So ganz nebenbei: Auch Kochsalz ist giftig, wenn man zuviel davon verzehrt. Und noch einmal ganz nebenbei: 2,4-D-haltige Herbizide sind in Deutschland auch zum Einsatz gegen Unkräuter im Zierrasen zugelassen. Also so brandgefährlich ist das Zeug wohl nicht.

Im übrigen gab es schon einmal eine intensive Diskussion zum Thema „Superunkräuter“ im Blog „Gute Gene, schlechte Gene“ (http://www.gute-gene-schlechte-gene.de/ ... unkrauter/).

Autor:  nature [ Fr 04.05.2012 12:42 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 2,4-D resistenter Mais

Hab auch gerade diesen kleinen Beitrag gelesen und deshalb direkt mal auf das Thema hier aufmerksam geworden. Gilt das jetzt tatsächlich nur für die USA oder soll das auch in D durchgesetzt werden? Die Amerikanischen Mägen sind doch sicher sowieso schon resistent genug gegen sowas.. ;)

Grüße

Autor:  Langelüddeke [ Sa 05.05.2012 09:39 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 2,4-D resistenter Mais

Auch in dem von „nature“ zitierten Beitrag von top agrar ist leider unkommentiert und unrecherchiert die Rede vom „hoch umstrittenen und giftigen“ 2,4-D. Die haben einfach die Formulierungen des Informationsdienstes Gentechnik“ übernommen, der für seine ständigen Ausfälle gegen die Grüne Gentechnik bekannt ist. Die Frage von „nature“ ob das in D – gemeint ist wohl Deutschland – durchgesetzt werden soll, kommt ein bißchen sehr früh. Dazu müsste die Firma Dow Agro Science eine Genehmigung zum Anbau in der EU beantragen. Und solche Anträge dauern bekanntlich Jahre. Eine Genehmigung zum Import und zur Verwertung als Lebens- oder Futtermittel ist schneller zu bekommen. Aber zunächst müsste der fragliche Mais in den USA oder in anderen Ländern angebaut werden. Für die Annahme, amerikanische Mägen seien resistenter „gegen so was“ als europäische, gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Gewisse europäische Verbraucher könnten allenfalls aus purer Angst Durchfall bekommen.

Autor:  stranger [ So 06.05.2012 16:54 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 2,4-D resistenter Mais

Um sich zu diesem Thema ein unabhängiges Bild zu verschaffen, reicht es eben nicht aus, Texte einer sich eindeutig gegen Gentechnik aussprechenden Quelle hier einzukopieren. Das Bild ist wesentlich differenzierter, wenn nicht gar falsch dargestellt.

Die Quelle ist bekanntlich top agrar und nicht das Bioland-Magazin. top agrar ist ja eher bekannt
als Zeitschrift für unsere Vollgasbauern, die im Trend der Zeit liegen. Die Redaktion wird es sich
wohl überlegen, welche Meldung sie veröffentlicht oder nicht.
Die Befürworter immer weiterer Spritzmittelorgien hier sollten sich u.U. mal die Frage stellen,
wo die im Artikel skizzierte Entwicklung hinführt oder endet.

Gruss Stranger

Autor:  Beobachter [ Mo 07.05.2012 08:41 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 2,4-D resistenter Mais

Es bringt uns hier nicht weiter über die Quelle(n) zu streiten, wenn die Tatsachen in dem Artikel erwiesenerweise nicht korrekt dargestellt worden sind (vergleiche Hoffmeister).

Übrigen auch Veröffentlichungen in Nature oder Science können falsch sein.

Sprich:
Nicht die Quelle, sondern der Wahrheitgehalt ist entscheidend!

Autor:  Hoffmeister [ Mo 07.05.2012 09:26 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 2,4-D resistenter Mais

Stranger: „Die Quelle ist bekanntlich topagrar“. Ist sie nicht !
Topagrar:
„Das Landwirtschaftsministerium der USA (USDA) will einen Gentechnik-Mais von Dow AgroScience zulassen, der gegen das hoch umstrittene und giftige 2,4-D resistent ist. Wie der Informationsdienst Gentechnik berichtet, soll er die Lösung für die Superunkräuter bieten, die sich durch den Anbau von glyphosatresistenten Gentechnik-Pflanzen verbreiten.“
Also eine Meldung über eine Meldung des „Informationsdienstes Gentechnik“. Eine Kommentierung seitens topagrar gibt es nicht. Und mit Portal ist eindeutig der sog. „Informationsdienst“ gemeint.
Was wohin führt, habe ich am Beispiel der USA gezeigt. Bitte mal mit den Fakten auseinandersetzen und nicht mit Unterstellungen arbeiten wie „deren Mägen seine resistent“, „Vollgasbauern“ und „Spritzorgien“. Es ist einfach unzutreffend, dass in den USA und schon gar nicht in Kannada mit ähnlicher GVO-Zulassungspraxis mit Pflanzenschutzmittel nur so „rumgesaut“ wird. Übrigens auch in Deutschland nicht, wo der integrierte Anbau mit Mitteleinsatz nach dem Schadschwellenprinzip die überwiegende Anbauform ist.
Und wohin führt folgendes ?: Wenn EU-Europa aufgrund der erfolgreichen Angstkampagnen bestimmter Interessengruppen den Weg zur „nachhaltigen“ Biolandwirtschaft ohne Pflanzenschutzmittel gehen möchte, dann bitte schön. Als Weizenlieferant fällt es ja schon bereits aus und ist von Australien abgehängt worden. Europa ist gegenüber Australien ein eigentlich begünstigter Agrarstandort. Wenn aufgrund von Luxus-Bedenken die Produktion weiter absackt, ist das bezüglich der steigenden Nahrungsnachfrage bei gleichzeitig notwendiger Erhaltung von Naturressourcen wie tropischer Regenwälder auf keinen Fall als nachhaltig oder sonst wie konstruktiv einzustufen. Genauso wenig nachhaltig ist im Übrigen der steigende Anbau von Bioenergiepflanzen.

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