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sie können es nicht lassen
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Autor:  Hoffmeister [ Mi 11.07.2012 15:36 ]
Betreff des Beitrags:  sie können es nicht lassen

Da werden wieder einmal Ergebnisse einer noch nicht veröffentlichten Studie hyperventiliert, ohne dass die Ergebnisse überhaupt vorliegen und eine Bewertung möglich machen. http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/h ... -1.1406344.
Aber die Schlussfolgerungen stehen jetzt schon fest: Glyphosat akkumuliert über die Nahrungskette, weil es im Urin von Angestellten, Journalisten und Anwälten zu finden sei. Selbst wenn dem so ist, nirgendwo steht etwas über die Konzentrationen (der berühmte Würfelzuckernachweis im Bodensee ?). Nur die Schlussfolgerungen liegen quasi im Urin: Anreicherung über die Nahrungskette. Die Beteuerungen der Industrie und dann wohl auch sämtlicher Zulassungsbehörden taugen nichts. Da macht es auch nichts, dass die Ausscheidung der vielleicht minimalen Mengen über die Nieren eigentlich ein gutes Zeichen ist. Die beprobten Anwälte werden jetzt in heller Aufregung sein und bestimmt über eine Klage wegen Körperverletzung durch die Lebensmittelhersteller nachdenken. Die Ösis sind auch schon draufgesprungen, allerdings natürlich lediglich im Zusammenhang mit GVO. http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_ ... gentechnik.
Ich glaube die „freiheitlichen Gesundheitssprecher“ wissen nicht, was sie mit dem Verbotsantrag den eigenen konventionellen Landwirten antun, wenn der Antrag denn durchkommt.
Übrigens ist das ganz schlechter wissenschaftlicher Stil, einer Tageszeitung (es ist nicht zufällig die Süddeutsche ?) vorab Ergebnisse mitzuteilen, ohne dass eine peer reviewed – Veröffentlichung vorliegt.

Autor:  fafner [ Mi 11.07.2012 16:06 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

Die Frau hat ja jetzt gute Chancen auf eine "Wistleblowerkarriere" a la Pusztai, Huber usw. ...

Ich wette, man hat auch schon mal Koffein im Urin nachgewiesen. Das ist immerhin - im Gegensatz zu Glyphosat - als gesundheitsschädlich deklariert und LD50-mäßig mehr als 20x so gefährlich.

Autor:  Hoffmeister [ Mi 11.07.2012 16:27 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

Ja, ja und die „Kandidatin“ für diese Karriere war auch schon früher im richtigen Milieu unterwegs: http://www.augsburger-gesundheitsverein ... t-belastet
Und was macht sie sonst noch so ? http://www.multikraft.com/de/mikroorgan ... ueger.html

Autor:  fafner [ Mi 11.07.2012 16:38 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

Das Unternehmen Multikraft hat geschrieben:
Was aber sind Effektive Mikroorganismen? Effektive Mikroorganismen - auch EM genannt - sind eine spezielle Mischung von Mikroorganismen, die regenerative Prozesse unterstützen und fäulnisbildende Prozesse unterdrücken. Diese Mischung wurde vor etwa 30 Jahren auf Okinawa (Japan) entwickelt.

Die wichtigsten Mikroorganismen in EM sind Milchsäurebakterien, Hefen und Photosynthesebakterien. Alle Mikroorganismen werden vor Ort in der Natur gesammelt und speziell gezüchtet. Natürlich gentechnikfrei.
Klar.

Autor:  Jochen B. [ Do 12.07.2012 09:39 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

Das Thema wurde schon vor einem halben Jahr HIER aufgegriffen:

http://www.ithaka-journal.net/herbizide-im-urin

Nach dieser und der aktuellen Panikmache bekommt man den Eindruck, als ob Sikkation von Brotgetreide gängige Praxis wäre.
Angefangen wird gleich mit einer gar erschröcklichen Erkenntnis:
Zitat:
An einer deutschen Universität wurden Urinproben der städtischen Bevölkerung auf Belastungen mit Glyphosat untersucht. Alle Proben wiesen erhebliche Konzentrationen des Herbizidwirkstoffes auf, sie lagen um das 5 bis 20fache über dem Grenzwert von Trinkwasser.



Ich vermute, dass es noch mehr Stoffe im Urin gibt, welche den Grenzwert für Trinkwasser überschreiten. Schließlich dient der Urin dazu, den Körper über die Nieren zu entgiften. PSM-Rückstände auf Lebensmitteln sind ja schon Jahrzehnte eines der Lieblingsthemen von greenpeace und anderen Spendenbettelkonzernen. Dass sie vorhanden sind, hat noch nie jemand abgeleugnet und deshalb muß man froh sein, dass sie im Urin zu finden sind. Weil das der Beleg dafür ist, dass sie sich nicht im Körper anreichern, sondern ausgeschieden werden. Um genau zu sein: In Rattenversuchen wurden 90% des Glyphosats über den Kot und 10% über den Urin ausgeschieden. Auf dieser Basis kann man nun rechnen.

Zitat:
In allen Urinproben dieser Personengruppen wurde im Dezember 2011 Glyphosat nachgewiesen. Die Werte schwankten von 0,5 bis 2 ng Glyphosat pro ml Urin (Trinkwassergrenzwert: 0,1 ng/ml).


Wieso hier nanogramm/milliliter anstatt microgramm/Liter genommen werden, ist unwichtig. Jedenfalls beträgt der Grenzwert im Trinkwasser den 10-Milliardsten Teil. Und basiert auf der technischen Nachweisgrenze. Ein Mensch scheidet zwischen 1 und 1,5 Liter Urin am Tag aus. Das sind bei den genannten Werten dann zwischen 0,5 und 3 Microgramm Glyphosat. Rechnen wir mal mit 2 Microgramm. Aus der Tatsache, dass 10% des Glyphosats über den Urin ausgeschiden werden und der Rest über den Darm errechnet sich eine Aufnahme von 20 microgramm über die Nahrung.
Der Grenzwert bei Weizen/Brot beträgt 10 Milligramm/kg. Bei einem durchschnittlichen Brotkonsum von 200 gramm am Tag dürften also 2 mg Glyphosat aufgenommen werden. Das ist das hundertfache der angeblich bei den Propanden festgestellten Menge.
WO also liegt das Problem?

Richtig lustig ist dieser Abschnitt:

Zitat:
Die Adresse des untersuchenden Universitätslabors, die Analysewerte und die Evaluation der Analysemethode liegen der Redaktion vor. Aufgrund von nicht unerheblichem Druck durch Vertreter der Agrochemie und der Befürchtung, dass die Arbeit des Labors zu stark beeinträchtig werden könnte, werden die kompletten Analysereihen erst im Laufe des Jahres veröffentlicht


Mitte letzten Jahres war das Thema Botulismus/Glyphosat im Zusammenhang mit Frau Dr. Krüger ein großes Thema beim MDR. Die damals bei dem Landwirt angeblich festgestellten Werte sind völlig unmöglich und wären nur durch direkte Einnahme von RoundUp nachvollziehbar. Gerüchten zufolge gibts bei besagtem Landwirt noch mehr Probleme (Glöckner lässt grüßen). Zumindest ist es um das Thema still geworden und auch die NGOs halten sich auffällig zurück. Ein sicheres Indiz dafür, dass die Geschichte stinkt. Aber kein Anlass für den MDR, den Mist aus dem Netz zu nehmen.

http://www.mdr.de/exakt/download2778-download.pdf

bei dem guten Mann wurden 5,6 milligramm nachgewiesen. Was bei 1,5 Liter Urin und einer Urinausscheidungsquote von 10% einer Aufnahme von 80mg entspricht.
Grenzwert beim Soja ist 20mg. Der wird kontrolliert und das heißt: Selbst wenn der Landwirt Soja oder Brot mit erreichtem Grenzwert (völlig unwahrscheinlich) verspeist hätte, so wären das 4kg(Soja) bis 8kg(Brot) gewesen.
Das naheliegendste wären Sojaproben gewesen. Hat Frau Krüger sicher gemacht.. aber die Ergebnisse sind nirgends publiziert.
1 Milliliter handelsübliches Glyphosat enthält 360 mg Wirkstoff. Mit der völlig ungefährlichen Aufnahme von stark 0,2 milliliter aus dem Kanister sind die Werte erreichbar.

Autor:  Hoffmeister [ Do 12.07.2012 12:54 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

Hallo Herr B.

vielen Dank für die schönen Rechenexempel. Solche Plausibilitäts-Betrachtungen sind natürlich eines Qualitätsblattes wie der Süddeutschen unwürdig. Es ist ein schönes Besipiel dafür, wie allein mit Meldungen wie "PSM im Urin gefunden und mehrmals höher als im Trinkwasser erlaubt" auf Dummenfang gegangen wird. Aber wahrscheinlich sind die Journalisten wirklich so dumm bzw. mangelt es ihnen an naturwissenschaftlichen Grundlagen und Umrechnungskünsten, um die ihnen präsentierten Zahlen einordnen zu könne. Anders sieht das schon bei den "Umweltexperten" von greenpeace und Co. und erst recht bei einer Universitätsprofessorin aus. Da kann man getrost davon ausgehen, dass die sich über die Banalität der Zahlen im klaren sind und mit der Verbreitung von Meldungen trotz dieser Banalität bewusst täuschen wollen.

Autor:  Jochen B. [ Fr 20.07.2012 10:24 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

http://www.derwesten.de/wr/region/westf ... 97961.html

Zitat:
Wissenschaftler vermuten, dass Pflanzenschutz-Klassiker wie „Round Up“ krank machen. Im Magen-Darm-Trakt werden durch den Wirkstoff Glyphosat „gute“ Bakterien abgetötet, glauben sie.


Zitat:
Das weltweit am häufigsten eingesetzte Pflanzenschutzmittel „Glyphosat“ steht im Verdacht, längst nicht so ungefährlich zu sein, wie bisher behauptet


Zitat:
Die Leipziger Wissenschaftler fürchten, dass so auch das frisch ausgebrachte Glyphosat über die Körner in Lebensmittel gelangen könnte.



Zitat:
Meine persönliche Meinung ist: Das Zeug ist kreuzgefährlich“, sagt Prof. Dr. Monika Krüger, Leiterin des Leipziger Instituts für Bakteriologie und Mykologie


Zitat:
Krügers Hypothese: Glyphosat ist dafür verantwortlich, dass das bakteriologische Gleichgewicht in der Magen-Darm-Flora der Tiere gestört wird


Seralini -Carrasco- Huber- Krüger-Wissenschaft


**edit***

Zusatz:

http://leipzig.nachrichten.com/aktuell/tag/glyphosat/

Zitat:
Uni Leipzig sieht Gefahrenpotenzial in weit verbreitetem Herbizid

Boahh... ich muß meine Vorstellungen über den Begriff "Universität" wohl überdenken.
Was ist eine Uni für ein Konstrukt, um als Ganzes eine fest definierte Sichtweise zu haben???? ^^

:-)

Autor:  fafner [ Fr 20.07.2012 10:46 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

Daß Glyphosat auch auf (bestimmte) Bakterien wirkt, ist unbestritten. Nur: wie genau "stört" es denn "das bakteriologische Gleichgewicht in der Magen-Darm-Flora der Tiere"? Gibt es überhaupt ein "ungestörtes Gleichgewicht"? Und was genau, welcher Mechanismus macht es "kreuzgefährlich"? Vielleicht ein "Bauchgefühl"? Von einer Wissenschaftlerin kann ich da doch bitte mal genaueres erwarten.

Autor:  Jochen B. [ Fr 20.07.2012 10:53 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

http://www.agrarzeitung.de/blog/agrarsp ... zlos-43497

Zitat:
Jüngster Vorwurf aus München: Analysen aus Nordrhein-Westfalen hätten 2011 zum Teil unzulässig hohe Rückstände in Brot- und Futtergetreide gezeigt. Daten, mit denen die Vorwürfe untermauert werden, sind jedoch nicht zugänglich.


Es wird Bezug genommen auf :

http://umweltinstitut.org/gentechnik/ak ... -1019.html

Zitat:
Daraufhin antwortete der Leiter des Referats „Pflanzenproduktion, Gartenbau“, Martin Hannen:

Im vergangenen Jahr seien Getreideflächen, die vor der Ernte mit glyphosathaltigen Herbiziden behandelt wurden, gezielt untersucht worden. Offenbar wurden im Brotgetreide Glyphosat-Rückstände gefunden, die sich unterhalb der Grenzwerte – die unserer meiner Meinung nach viel zu hoch sind – befinden. Bei Futtermitteln habe es sogar Grenzwertüberschreitungen gegeben.



Diese Passage scheint mir etwas sehr suspekt. Durch den Doppelpunkt wird ein wörtliches Zitat von Hannen suggeriert. Der Text und die fehlenden Anführungsstriche lassen aber auf eine Umweltinstitut-eigene Definition des Zitates schließen.
Was war der Anlass, nicht korrekt zu zitieren? Ich wollte es genau wissen.

Meine mail vom 16.07. an Herrn Hannen:

Zitat:
Sehr geehrter Herr Hannen,



Im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion um Glyphosatrückstände in Lebensmitteln und Sikkation von Getreide wird auf dieser Seite auf Aussagen von Ihnen Bezug genommen:



http://umweltinstitut.org/gentechnik/ak ... -1019.html



Sind die Ergebnisse der Futtermitteluntersuchungen mit den Grenzwertüberschreitungen veröffentlicht?

Oder könnten Sie mir die Daten senden?



Im Voraus vielen Dank



Mit freundlichen Grüßen




Die Antwort kam per autoreply
Zitat:
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin erst Montag den 30.07.2012 wieder im Buero erreichbar...........


werde dann nochmal anfragen..

Autor:  DNA [ Sa 21.07.2012 09:20 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen FAO-Bericht

http://www.fao.org/docrep/015/ap016e/ap016e.pdf

Ein Workshopbericht, der sich zu lesen lohnt, wie ich meine. Einerseits sind negative ökologische oder gesundheitliche Folgen unbelegt, andererseits mehren sich die Bericht zu den möglichen positiven ökonomischen und auch gesundheitlichen Folgen. GM-crops sind ein gutes Geschäft.

Die Bauern können zwischen 30 und 90% des benefits für sich realisieren: "The data presented in the workshop
show that HT soybeans generate 3 billion USD per year, distributed between the consumers/processors (50%), the adopting farmers (28%) and the innovating biotechnology sector (22%)."

...auch der Bauer in Europa: "Bt maize is the only GM crop grown in the EU in significant amounts (mainly in Spain). Detailed
surveys in Spain report gains for farmers of +195 EUR/ha/year mainly due to the increase in yield and reduced insecticide use."

Jeder andere profitiert auch: "Models estimate that world food price increases would be significantly higher in the absence of GM cultivation, by 10% to 30% depending on the crop and the underlying assumptions. This price effect benefits all consumers globally through trade."

Das, was die ganze Sache teuer macht sind nicht ökologische oder gesundheitliche sondern einzig sozio-ökonomische Gründe, der angebliche Wunsch nach GVO-Freiheit. "The total additional costs of coexistence and product segregation systems can rise to almost 13% of production turnover for non-GM rapeseed oil while they represent only 0.6% in the case of a frozen pizza producer."

Und zum Thema Wahlfreiheit und Gesundheit - was nicht wirklich verwundert:
"Firstly, the actual purchase behaviour of consumers regarding GM food products does not correspond to their stated attitude when questioned on the subject; and secondly, when GM food products are available on the shelves, consumers are generally willing to buy them."....und genau das ist der Grund, warum die pressure-groups die Hosen voll haben."

...und die Gesundheit? Aus meiner Erfahrung im südlichen Afrika kann ich sagen, dass die Mykotoxinbelastung ein Gesundheitsproblem darstellen, auch wenn die Regierungen das nicht gern hören, weil es die eigene Unfähigkeit und mangelnde Ausbildung entlarvt. Deshalb verweist der Bericht gerade auf diese Zielgruppe: "Although the current GM crops (first generation) were not designed to provide health benefits, studies provide evidence that concentrations of certain mycotoxins are significantly lower in Bt maize than in its conventional isogenic line (linked to reduced insect damage). These mycotoxins can cause adverse
health effects in humans. Therefore, consumers, especially in developing countries where mycotoxin contamination is higher, could benefit from the adoption of Bt maize."

Es gibt also eigentlich auch 15 Jahre nach der Einführung von GV-Nutzpflanzen immer noch keinen vernünftigen Grund, auf diese Technologie zu verzichten. Und wer haftet eigentlich für entgangenen Gewinn oder für nicht realisierte gesundheitliche Vorteile?
Warum soll der eine Bauer für den Schaden des Öko-Bauern aufkommen, aber nicht umgekehrt? Warum sollen die Hersteller für die möglichen gesundheitlichen Folgen ihres Produktes haften (find ich völlig ok), die Verhinderer möglicher gesundheitlicher Vorteile aber nicht?
Ich wage mal die kühne Behauptung, dass der Verzicht auf DDT (Malaria) und GVOs (WFP, Mykotoxine) mittlerweile mehr Menschenleben gekostet hat als deren Einsatz. Also auch auf der moralischen Ebene finde ich nicht viel Material für "dagegen" sein.
Schönes Wochenende
André

Autor:  Jochen B. [ Mi 15.08.2012 07:00 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

http://www.mdr.de/fakt/glyphosat100.html

Die Sau wird weiter durchs Dorf getrieben.
Es war zwar nichts Neues, was da gestern in "Fakt" an Weltuntergangsszenario publiziert wurde, aber irgendwie muß man ja bestrebt sein, das Thema in den Köpfen zu verankern.
Und ich bin mir mittlerweile sicher: Die Krüger WILL den Nobelpreis.. koste es, was es wolle!

Autor:  Sebastian Fettig [ Mi 15.08.2012 09:53 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

Den alternaiven Nobelpreis bekommt sie ja mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch.

Grüße

Sebastian

Autor:  Hoffmeister [ Mi 15.08.2012 12:22 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

Sebastian Fettig: wieso auch ? Mit dieser Arbeit qualifiziert sie sich ausschließlich nur für den ideologie-lastigen alternativen Nobelpreis.

Aber Schluss mit Lästern und zurück zu den Fakten:

Man mag es kaum glauben, aber ein alter Bekannter hat sich der Problematik auch bereits angenommen:
Curr Microbiol. 2012 May ;64 (5):486-91 22362186
Effects of Roundup(®) and glyphosate on three food microorganisms: Geotrichum candidum, Lactococcus lactis subsp. cremoris and Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus.

Emilie Clair, Laura Linn, Carine Travert, Caroline Amiel, Gilles-Eric Séralini, Jean-Michel Panoff

„….The presented results evidence that Roundup(®) has an inhibitory effect on microbial growth and a microbicide effect at lower concentrations than those recommended in agriculture. Interestingly, glyphosate at these levels has no significant effect on the three studied microorganisms. Our work is consistent with previous studies which demonstrated that the toxic effect of glyphosate was amplified by its formulation adjuvants on different human cells and other eukaryotic models. Moreover, these results should be considered in the understanding of the loss of microbiodiversity and microbial concentration observed in raw milk for many years.“

Wie immer geht es nicht um den Wirkstoff an sich, sondern um die Formulierungshilfsstoffe wie Detergenzien, von denen wie bei jedem profanen Spülmittel auch ohne Experimente angenommen werden darf, dass sie aufgrund von Membranschädigungen im wirklichkeitsfremden Petrischalenversuch auf Zellen eine Wirkung haben.
Und natürlich dürfen die zwar vorsichtig formulierten, aber dennoch sehr weitreichenden Spekulationen nicht fehlen, wenn es um die Auswirkungen von Glyphosat geht.

Ob Frau Professorin Krüger hier ihre Inspirationen bekommen hat ?
http://farmwars.info/?p=8543

Und was sagt die seriöse Wissenschaft zu den Auswirkungen von Glyphosat auf Mikroorganismen ?

In der folgenden Arbeit wurde Glyphosat eingesetzt, um gezielt die bekannte Wirkung auszunutzen, eine Hemmung der pflanzlichen und mikrobiellen Biosynthese aromatischer Aminosäuren herbeizuführen.

http://www.biochemj.org/bj/409/0193/4090193.pdf

„Trp biosynthesis was also inhibited by glyphosate (Figure 3B).
A glyphosate concentration of 10 mM had no effect on the
growth, but 30 mM inhibited the growth of L. lactis strain PA1001
in CDM.“

Lactococcus ist eine mit den Lactobacillus eng verwandet Gattung der bakteriellen Firmicutes-Ordnung. Ergebnisse bei Arten dieser Gattung sind also sehr wahrscheinlich auch auf Laktobazillen übertragbar.

Glyphosat mit einer Stoffmengenkonzentration c von 10 mM hemmt also das Wachstum von Lactococcus lactis nicht. Dann rechnen wir mal:

Molekulargewicht von Glyphosat: 169,07 g / mol
Da die Stoffmengenkonzentration c der Quotient von Stoffmenge n und Volumen V ist, bedeuten 10 mM , dass in einem l Wasser 1/100 mol gelöst sind. Umgerechnet auf das Molekulargewicht von Glyphosat sind das 1,69 g pro l.

Grenzwert von Glyphosat für Weizen/ Brot: 10 mg/kg, also rund 1/170 der Konzentration bei der noch keine Hemmung von Lactobacillus lactis auftritt.

Diese Betrachtung verweist alle Vermutungen über eine Beteiligung von Glyphosatrückständen an der Hemmung von Mikroorganismen im Darm oder in Milchprodukten in das Reich der Spekulationen oder besser der Phantasien.

Zitat aus der MDR-Sendung:
„Denn der Studie zufolge tötet Glyphosat gesundheitsförderne Bakterien wie Lactobazillen und Bifidobakterien ab“
Diese Behauptung aus einer nicht zugänglichen Studie ist wissenschaftlich gesehen eine Zumutung und unlauter, weil es in den Rückstandkonzentrationen um die es in der gleichen „Studie“ geht, nie und nimmer zu einer Hemmung von Mikroorganismen wie Lactococcen oder Lactobacillen kommen kann.

Autor:  Sebastian Fettig [ Mi 15.08.2012 15:19 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

Auch nicht im Sinne von zusätzlich sondern, dass sie den auch verdient.

Autor:  DNA [ Di 21.08.2012 18:08 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

Pusztai hat eine miese Fütterungsstudie im Lancet veröffentlicht - man hätte sie ihm um die Ohren hauen können, man hätte ihn nicht rauswerfen müssen.
Es reicht, Seralini als geltungssüchtige Möchtegernkoryphäe zu entlarven - sein Feldzug hat für mich fast autistische Züge.

Frau Krüger äußert sich öffentlich nicht (mehr?) und es ist unklar, was sie gesagt hat und was die Journaille draus gemacht hat (Ihr Kommentar: "Journalisten schreiben viel, was nicht immer stimmen muss."). Es ist eine Hypothese, dass ein PSM die Mikroflora verändert, so verändert, dass z.B. C. botulinum besser wachsen kann. Die kann man verifizieren oder falsifizieren...wenn der experimentelle Ansatz schlau ist. Frau Krüger hat eine Studie nach eigenen Angaben bereits seit 3 Monaten eingereicht - warten wir mal ab, ob sie ihre Hypothes bestätigen kann. Natürlich wird die presse darüber dann nicht schreiben...aber dann sollte man auch diesen Baum mal anbellen - da möchte ich Thorben unterstützen: das ist schlechte journalistische Arbeit.
Mich überzeugt die Hypothese auch nicht - aber in diesem Kontext ist Deine Rechnung, Thorben, zwar präzise aber auch eine Milchmädchenrechnung, da es um Verschiebungen im Gefüge geht, nicht um die Toxizität für Laktobazillen. An dieser Hypothese ist zunächst nichts unseriöses. Ich halte es durchaus für plausibel, dass es in einem Ökosystem Organismen gibt, die auf bestimmte Substanzen sehr sensitiv reagieren, selbst aber einen großen Einfluss auf die Wachstumschancen anderer Arten haben, weil sie z.B. selbst Antibiotika produzieren. Ich kann mir da weder Glyphosat noch Detergenzien vorstellen, deren Wirkung unspezifisch ist - aber es ist auch nicht meine Hypothese.

Statt auf Frau Krüger als Ziel auszumachen, sollte man dem mdr, der Süddeutschen oder der Westfälischen Rundschau den FAO-Bericht erläutern und aufarbeiten. Der ist immerhin veröffentlicht.
Beste Grüße
André

Autor:  Hoffmeister [ Mi 22.08.2012 09:54 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

DNA
Naja, Frau Krüger hat sich ja nicht zum ersten mal sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Siehe weiter oben. Ich denke, hier geht jemand mit einer zugegeben sehr guten Analytik im ng-Bereich hausieren und möchte das überall angewandt wissen, ohne auf die Bedeutungslosigkeit dieser Kleinstmengen eines noch dazu harmlosen Wirkstoffes hinzuweisen.
Aber noch einmal zum eigentlichen Thema Botulismus: Wie ich von fachkundiger Seite erfahren konnte, gibt es einige Tierärzte, insbesondere um die Göttinger Schule eines Helge Böhnel, die von der These des viszeralen Botulismus als Auslöser von Problemen in Rinderställen so überzeugt sind, dass für sie nur noch Clostridium botulinum als Übeltäter in Frage kommt. Und als Begründung für diese These werden wahlweise die Gärreste von Biogasanlagen ausgemacht oder eben wie jetzt ein Pflanzenschutzmittel. Die Ursachen für das Problem der existenzgefährdenden Verluste in Rinderställen sind jedoch auch nach Meinung des BfR wesentlich komplexer und wie praktische Tierärzte oft bestätigen eher in Hygienezuständen und in der Futtermittelgewinnung und –aufbereitung begründet. Klar kann da wie bei dem Fall Glöckner auch C. botulinum eine Rolle spielen, aber Eintrag und Anreicherung des ubiquitären Keims sind häufig eine Managementfrage. Natürlich möchte keiner sich anhören, dass vermutlich schlechtes Management für den Gesundheitszustand der Tiere verantwortlich ist, sondern irgendetwas von außerhalb, was selber nicht beherrschbar ist: z.B. der Bt-Mais (Fall Glöckner) oder Gärreste aus Biogasanlagen (als Hypothese durchaus tauglich, aber bisher gibt es keine belegten Zusammenhänge) oder wie eben jetzt ein Pflanzenschutzmittel.
Erschwerend für die Klärung der gewagten Hypothesen kommt hinzu, dass die Analytik nicht trivial ist.
Gute Zusammenfassungen siehe hier: http://www.kompost.de/index.php?id=452& ... d5d50628aa
http://www.dvg.net/pdf/Botulismus-Stellungnahme.pdf
http://www.tiho-hannover.de/fileadmin/u ... m10_1_.pdf

Autor:  Jochen B. [ Mi 22.08.2012 11:20 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

Kurze Anmerkung:

Biogasanlagen als Botulismusverbreiter sind nur noch ein Thema bei diversen Bürgerinitiativen.
Es gibt mittlerweile mehrere Untersuchungen, welche eine Reduktion der Erreger in Biogasanlagen selbst im mesophilen Bereich belegen.

Autor:  Jochen B. [ So 02.09.2012 20:23 ]
Betreff des Beitrags:  Das BfR nahm Stellung

http://www.bfr.bund.de/cm/343/hat-glyph ... d-tier.pdf

Autor:  Hoffmeister [ Mo 03.09.2012 14:10 ]
Betreff des Beitrags:  Re: sie können es nicht lassen

Und wieder werden die unseriösen Untersuchungen von Seralini, Carrasco & Co. recycelt, um dann mit Rückstandsmessungen weit unter dem Grenzwert Werbung für Bio zu machen.
http://web.de/magazine/gesundheit/ernae ... reide.html
Immerhin zeigt die Diskussion auf landlive.de / Landwirtschaft, dass viele nicht mehr auf den Dummenfang reinfallen. Allerdings mag das nur für die Landwirte zutreffen, die Konsumenten von Ökotest sind in der Regel von Landwirtschaft- und Naturwissenschaft unbescholtene Bürger. Und da kann man noch erfolgreich fischen gehen.

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