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Report München
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Autor:  Langelüddeke [ Sa 22.02.2014 10:59 ]
Betreff des Beitrags:  Report München

Der Beitrag von Report München am 18.02.2014 mit dem Titel
Die EU und der Wundermais: Die zweifelhaften Versprechen der Genlobby
war wirklich umwerfend und wird auch schon in bestimmten Medien oder von bestimmten Personen zitiert. Ich hatte einen Tag später folgende E-Mail an den Bayrischen Rundfunk geschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren,
Also das war ja mal wieder ein wunderbarer Beitrag des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens! Das fängt schon viel versprechend an mit der Überschrift "Die EU und der Wundermais: Die zweifelhaften Versprechen der Genlobby". Da fragt man sich als Normalbürger Wer oder was ist denn das: die "Genlobby"? Haben oder brauchen Gene eine Lobby? Mit Lobbyistenbüro in Berlin? Und wer hat denn bitte einen "Wundermais" angepriesen??? Ich habe die Diskussion verfolgt, kann mich aber an diesen Ausdruck überhaupt nicht erinnern. Habe ich da etwas versäumt?

Dann erfährt man aber ganz schnell, worum es eigentlich geht: Die Bösen mit ihren falschen Versprechungen. Die wollen das Hungerproblem allein mit der verdammten und überall verpönten und verfemten Gentechnik lösen. Behauptet zumindest "Report". Um diesen Versprechungen die Maske abzureißen, fahren also Reporter zum Recherchieren und Rapportieren nach Brasilien. Erst in den Bundesstaat Santa Catarina, dann nach Paraná. Ist ja ein schönes und interessantes Land. Mit enorm viel Maisanbau - 14 Millionen Hektar! Das ist mehr als die ganze deutsche Ackerfläche. Und wen treffen sie da? Richtig! Den Herrn Professor Andrioli! Einen der Lieblingswissenschaftler aller Gentechnik-Kritiker. DIE Stimme der südamerikanischen Agrarwissenschaft - jedenfalls aus Sicht aller aufrechten Kämpfer gegen die Gen-Lobby. Und der zeigt uns dann, was passiert, wenn Landwirte all zu sehr und allzu naiv den Versprechungen großer Firmen vertrauen: Der angebliche Wundermais von Pioneer Hi-Bred hat es doch tatsächlich geschafft, Resistenzen zu produzieren! Toll! Nach nur zwei Jahren! Denn genmanipulierte Pflanzen müssen ja Resistenzen produzieren. Wozu sind sie denn sonst da? Und dramatisch zeigt uns der Professor, was die resistent gewordenen Würmer für Schäden anrichten. Da hätte ich dann aber doch mal gern gewusst, um welchen Schädling es sich eigentlich handelt. Das sagt uns der Herr Professor aber nicht. Also schaue ich im Internet nach, was Pioneer dazu angibt. Demnach garantiert oder verspricht dieser 1507-Mais mit dem schönen Namen Herculex "the broadest spectrum of above-the-ground insect pest control on the market. These pests include

- European corn borer (das ist der bei uns vorkommende Maiszünsler),
- southwestern corn borer,
- black cutworm,
- western bean cutworm,
- lesser corn stalk borer,
- southern corn stalk borer,
- sugarcane borer,
- corn earworm, and
- fall armyworm.

Immerhin ein beeindruckendes Spektrum. Welcher dieser Schädlinge tummelt sich denn nun auf den brasilianischen Maisfeldern? Da lässt der Herr Professor sehr demonstrativ einen Wurm, genauer eine Raupe, über ein Maisblatt krabbeln, und zeigt uns außerdem, wie eine befallene Maispflanze aussehen kann. Aber wie das Mistvieh heißt, verschweigt er uns. Schade, das hätte ich von einem Wissenschaftler in dieser Position, Regierungsberater immerhin, ja eigentlich erwarten können. Haben die Report-Reporter nicht danach gefragt? Oder waren sie nicht neugierig genug nach der langen Reise? Handelt es sich bei dieser namenlos geblieben Raupe - nennen wir sie mal X?Y - vielleicht um ein Exemplar aus der Liste des von Pioneer genannten Spektrums? Oder gibt es in Brasilien noch andere?

Unbestreitbar, für die Bauern ist diese Resistenz ein Problem, nicht nur ein ärgerliches, sondern auch ein wirtschaftliches. Da kommt aber gleich die nächste Frage: Was haben die Bauern eigentlich gemacht, bevor Pioneer den Herculex auf den brasilianischen Markt gebracht hatte? Hat da diese(r) X?Y noch irgendwo im Verborgenen gewartet, nur um dann über den köstlich mundenden Genmais herfallen zu können? Könnte es nicht mit diesem Schädling ein Problem gegeben haben, das Pioneer mit Herculex zu lösen versprach? Nur der schönen Pioneer-Versprechungen wegen haben die Bauern doch diesen Mais nicht angebaut, oder? Also noch einmal: Was können sie gemacht haben? Sie haben doch nicht etwa Insektizide gespritzt? Hat sich der Herr Professor dazu nicht geäußert? Und sind Ihre Reporter nicht auf die Idee gekommen, danach zu fragen?

Und wenn es um den 1507 geht: Der wird doch auch in seinem Ursprungsland USA angebaut. seit Jahren. Schon 2001 hatten Pioneer und Dow die Zulassung in Europa beantragt. Und seit 2005/2006 ist er tatsächlich zum Import und zur Verwertung als Futter- oder Lebensmittel zugelassen. Da müssten doch auch Erfahrungen vorliegen, oder?? Kann der brasilianische Professor dazu nichts sagen? Oder haben Ihre Reporter auch danach nicht gefragt? Oder interessiert Nord-Amerika nicht? Weil man da nicht so gut das Hungerproblem zur Sprache bringen kann?

Ach ja, fast hätte ich's vergessen. Da gibt es das zentrale landwirtschaftliche Forschungsinstitut EMBRAPA (Empresa Brasileira de Pesquisa Agropecuária) mit Hauptsitz in der Hauptstadt Brasilia. Waren Ihre Report-Reporter nicht mal auf die Idee gekommen, deren Fachwissenschaftler zu interviewen? Dort wird immerhin im Bereich Bio- und Gentechnologie geforscht.

Alles in Allem: Ein objektiver Bericht? Der müsste wohl anders aussehen. Und hätte es nicht um die EU-Zulassung des 1507 eine so fürchterliche Diskussion gegeben, hätten Ihre Reporter wohl kaum einen Ausflug nach Brasilien gemacht. So haben sie sich wunderbar für die Anti-Gentechnik-Lobby instrumentalisieren lassen. Super! Dafür dürfen wir auch brav unseren TV-Beitrag zahlen.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Langelüddeke

Autor:  Michael Haß [ Fr 04.07.2014 12:29 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Report München

Hallo,

am kommenden Dienstag um 21:45 Uhr strahlt die ARD den Beitrag "Die Propagandaschlacht um die Gentechnik" aus - steht zu befürchten, dass sie eben jene im Sinne der "Gentechnikgegner" noch befeuert:

http://programm.daserste.de/pages/progr ... 29ADC04680

Wie Politik und Verbraucher manipuliert werden
Film von Hendrik Lowen und Astrid Halder

"Wenn man den Versprechen der Gentechnik-Industrie glaubt, gilt eines der größten Probleme der Menschheit schon als gelöst: die Welternährung. Viele Millionen Euro haben Agrartechnik-Riesen in Kampagnen für Politiker, Bauern und Verbraucher gesteckt. Sie behaupten, dass sich mit Gentechnik größere Erntequoten auf kleineren Feldern erzielen ließen, und das mit weniger Pestizid. 
Doch vielerorts kommen Zweifel auf: Erträge mit gentechnisch verändertem Saatgut gehen oft nach wenigen Jahren zurück - die Natur wehrt sich und bildet Resistenzen. Die Folge: Es muss mehr gespritzt und gedüngt werden, um die gleichen Erträge wie zuvor mit herkömmlichen Saatgut zu bekommen. 
Je stärker die Kritik an der Gentechnik zunimmt, desto mehr erhöhen die Gentech-Konzerne den Druck. Um weiterhin Märkte erschließen zu können, vertrauen sie nicht mehr allein auf ihre eigene Lobbyisten, sondern spannen gleich ganze Regierungen mit ein. 
Die Reportage gewährt Einblick in umstrittene Lobbykampagnen. Die Reporter untersuchen auf ihrer Reise durch Deutschland, Europa, USA und Südamerika, ob die Versprechen der Gentechnik gehalten werden - oder nicht. Und sie zeigen, welche Rolle das Ziel der Profitmaximierung an der gesamten Wertschöpfungskette spielt - vom Samen über Pestizide bis zum landwirtschaftlichen Endprodukt."

Autor:  Frankenstein [ Fr 04.07.2014 15:08 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Report München

Scheint ja wieder mal eine richtige Schmierenkomödie zu werden ... :(

Autor:  Langelüddeke [ Mi 09.07.2014 16:18 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Report München

Ja, das war wirklich eine Schmierenkomödie. Richtig ARD-würdig.

Interessant: Der Beitrag kam von Report München, von denselben Autoren Astrid Halder und Hendrik Lowen, die im Februar den wunderbar aufschlussreichen Beitrag "Die EU und der Wundermais. Die zweifelhaften Versprechen der Genlobby" produziert hatten.

Das geht schon los mit der Behauptung, die USA seien das Mutterland der Gentechnik. Ich war immer der Meinung, dass Deutschland das Mutterland sei. Schließlich wurde 1983 am Kölner Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung das Verfahren der Gen-Übertragung auf eine höhere Pflanze entwickelt.

Und dann geht's ab ins schöne Iowa, wo der "Gen-Anbau" oder der "Gentechnik-Anbau" blüht. Oiii! Wie liebe ich diese journalistische Sorgfalt im Umgang mit der deutschen Sprache! Aber es geht eben auch um die Resistenzen gegen Roundup. Das ist nichts Neues. Und natürlich sind die schuld, die versprochen haben, dass es bei Glyphosat wegen des Wirkungsmechanismus keine Resistenz geben könne. Da hätten die Reporter ruhig Monsanto erwähnen sollen. Wer sonst konnte solche Versprechen machen? Denn das soll Monsanto tatsächlich mal von sich gegeben haben, weswegen die für diesen Unsinn Verantwortlichen noch heute ordentlich Prügel verdient hätten. Noch besser: Mal eine Saison abkommandieren auf Farmen zum Unkrautzupfen in Roundup-Ready-Feldern. Kurios bei der Vorstellung des Farmers ist seine Behauptung, früher, bevor er Roundup gespritzt hätte, hätte er die Unkräuter ausgerissen. Als ob es früher, vor dem Roundup-Ready-Zeitalter, keine Herbizide gegeben hätte.

Was dann im Bericht vorkommt, über wirkliche oder angebliche Pressionen der US-Regierung, kann ich nicht beurteilen. Schlimm wird es aber, wenn es nach Südamerika geht, nach Argentinien und Brasilien: Um die schlimmen Folgen der Flugzeug-Applikation von Roundup für die vom Sprühnebel Betroffenen. Manchmal wird auch nur von Sprühen ohne Produkt-Nennung geredet, und man kann da hinein interpretieren, dass auch andere Pflanzenschutzmittel angewendet wurden - auf den großen Feldern. Da soll es Orte geben, in denen jede zweite Familie Verluste hatte, wo Agrochemie zu Todesfällen führte. Da wimmelt es von Gehirntumoren bei Kindern, von Leukämie und natürlich Krebs. Diese Vorwürfe sind im Prinzip seit Langem bekannt. Offenbar werden ganz normale Vorsichts-Vorschriften bei dieser Art der Applikation zu großzügig ausgelegt. Aber natürlich ist die böse Gentechnik daran schuld, wer denn wohl sonst? Dann tritt wieder der Professor Andrioli auf, der belegt, dass Bt-Mais nicht hilft. Wobei dieses Mal unterschlagen wird, um welchen Bt-Mais es sich handelt, ob um MON 810 oder den für Europa neuen 1507, oder vielleicht noch einen anderen. Nicht ganz unwichtig: Die enthalten unterschiedliche Bt-Proteine. Aber das erfährt der Zuschauer nicht. Wozu auch? Das ist alles Gentechnik und deshalb Pfui. Dann aber wird endlich mal der wichtigste Schädling beim Namen genannt: Spodoptera frugiperda, der Fall Army Worm. Der soll nach amerikanischen Untersuchungen ähnlich empfindlich gegenüber MON 810 und 1507 sein, was natürlich nicht ausschließt, dass relativ schnell Resistenz auftritt. Dann aber, so heißt es in dem Beitrag, müssen die Landwirte Pestizide spritzen, auf gut Deutsch also Insektizide. Was hatten diese armen gen-geschädigten Landwirte eigentlich gegen diesen Schädling gemacht, bevor sie Bt-Mais anbauen konnten? Die haben doch wohl nicht Insektizide gespritzt?

Dann wird ein neues Kapitel im Kampf um die Zulassung in Europa aufgeschlagen, richtig drehbuchmäßig. Kapiert habe ich das nicht. Denn es geht um die jetzt endlich nach jahrelangen Kämpfen erreichte Opt-Out-Regelung, dass nämlich eine neue gentechnisch veränderte Pflanze trotz einer EU-Anbau-Zulassung EU-weit verboten werden kann. Fast hatte ich den Eindruck, dass die Verfasser des Beitrags sich von dem Grünen-Abgeordneten Harald Ebner haben bereden lassen. Wie diese Neuregelung den Konzernen nützen soll, verstehe ich nicht. Da schaue ich noch einmal zur Vergewisserung auf die Überschrift "Wie Politik und Verbraucher manipuliert werden" und erinnere mich daran, dass zum Beispiel das Zulassungsverfahren für die Amflora-Kartoffel der BASF 14 Jahre dauerte, und für den 1507-Mais von Pioneer und Dow fast eben so lang. Da kann ich bei bestem Willen nicht erkennen, dass die Politik von der Gentechnik-Lobby manipuliert wurde.

Und wie ist es mit der Manipulation der Verbraucher? Werden sie etwa zu freudigen Konsumenten von Produkten der Gen-Lobby überredet? Aber da wird ihnen eingeredet, dass Produkte von Tieren, die "Gen-Soja" zu fressen bekommen haben, Gentechnik enthielten. So werden im Beitrag Verbraucher gefragt, und die antworten wunschgemäß ablehnend. Manipulation der Verbraucher? Ja klar. Aber nicht von Seiten der Gen-Lobby.

Alles in Allem: Mal wieder ein aufschlussreicher Bericht des Bayerischen Fernsehens, geplant zur besten Sendezeit. Missbrauch unserer Fernsehgebühren für die Anti-Gentechnik-Propaganda. Dummer Zufall für die Programm-Macher, dass da gerade das Halbfinalspiel der Fußball-WM begann.

Autor:  ThorstenS [ Do 10.07.2014 08:03 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Report München

Sehr einseitige Berichterstattung mit vielen Fehlern.
Den "Reportern" ist anscheinend nicht bekannt, dass es außer RoundUpReady ansonsten noch LibertyLink gibt (Glufosinat), wenn die US-Farmer patriotisch lieber das Produkt des US-Konzerns kaufen, dann kommt es logischer Weise zu einer Selektion.
Würde man das auf deutschen Feldern machen, dann würde nichts anderes passieren, Unkräuter wie Ackerwinde würden die Glyphosatbehandlung größtenteils überstehen und aussaaten, nach wenigen Jahren sind die Felder dann voll mit dem Unkraut.

Das Problem an der Sache ist das lange Warten auf weitere Alternativen, die ja jetzt am Markt sind.
Ich meine gesehen zu haben, dass der Farmer eine Saatguttüte in die Kamera hält mit der neuen Technologie, Dicamba Toleranz, damit wird er in der zweiten Behandlung sein Unkraut los.

Und wie haben die Betriebe vor RoundUpReady-Kulturen ihre Felder unkrautfrei gehalten?
Gepflügt wird in den Staaten eher selten, also dürfen wir wohl davon ausgehen, die haben damals Glyphosat vor der Aussaat gespritzt, damit die Altverunkrautung weg ist.
Jetzt wird es nach der Saat gespritzt und neu auflaufendes Unkraut nach der Saat gleich mit bekämpft.

Ich finde es auch sehr interessant, dass der gezeigte Farmer vor RR-Soja sein Unkraut mit der Hand entfernt hat... Hat er sein Organic-Farming aufgegeben, weil er einen Vorteil in der Gentechnik sieht?

Wie würden die ganzen Landschaften in der USA oder in Brasilien nach wenigen Jahren aussehen, wenn dort intensive Bodenbearbeitung praktiziert werden würde?
Wind- und Wassererosionen würden unbrauchbare Steppen zur Folge haben, gerade Humus wird abgetragen.

Zu mindest waren die Reporter auf ihrer neuen Reise dieses mal bei der Embrapra, leider viel das Interview sehr kurz aus, es wurde nicht genauer auf den Schädling eingegangen.
Laut Medienberichten aus Brasilien ist dieser Schädling, wegen dem in einigen Provinzen der Notstand ausgerufen wurde, der ist in der EU meldepflichtig und es wird ebenfalls der "Notstand" ausgerufen, trat er 2012 zum ersten mal auf und war vorher in Brasilien nicht vorhanden. Das der "1507" verträgt ist ja nicht unbekannt, damit wird Pioneer wohl auch nicht geworben haben, dass der alle möglichen Kulturen befällt und nur mit wenigen Insektiziden bekämpft werden kann wird auch vergessen zu erwähnen. Auch ist der Schädling gegen viele Insektizide resistent.
Aber laut Andrioli befällt der anscheinend nur gv-Kulturen und verschmäht alle anderen...


http://www.paraguay-rundschau.com/index ... m-in-bahia

http://pflanzengesundheit.jki.bund.de/i ... poreid=232

Autor:  Jochen B. [ Do 10.07.2014 08:56 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Report München

Das Thema wird auch auf Topagrar diskutiert

http://www.topagrar.com/news/Home-top-N ... 87148.html

Dazu meine Frage an die Genetiker:
Meines Erachtens ist die Ausführung von Herrn Niemann (AbL-Sprecher) zur Epistase absoluter Quatsch. Oder können die eingebrachten Gene wirklich ertragsrelevante Gene stoppen oder anderweitig beeinflussen?

Um es hier gleich zugänglich zu machen: Auf den Einwand
Zitat:
Bei GVO handelt es sich nicht um eigenständige Sorten, sondern ganz normalen Sorten werden bestimmte Eigenschaften durch Gentechnik aufgesattelt. Diese Eigenschaften beeinflussen die ertragswirksamen Parameter in keiner Weise. Diesbezüglich verhalten sich alle Varianten völlig gleich



brachte er folgendes Zitat aus wikipedia:

Zitat:
Kleine Nachilfe in Sachen Gentechnik-Aufsattelung auf sonst "unbeeinflusste" und "eigenständiger Sorten"Epistase laut Wikipedia: Epistase (Griechisch für bremsen, stoppen) ist eine Form der Gen-Interaktion. Sie liegt vor, wenn ein Gen die Unterdrückung der phänotypischen Ausprägung eines anderen Gens bewirken kann. ... In der allgemeineren Definition des Begriffes bedeutet Epistase die Interaktion von Genen zwischen Allelen an unterschiedlichen Genloci. Damit ist die Epistase ein Phänomen der nicht-additiven genetischen Varianz, so dass Erbträger nicht einfach eine „Mischung“ aus den Allelen der Elterngeneration sind. Anders gesagt liegt Epistase genau dann vor, wenn die Effekte verschiedener Loci abhängig voneinander sind, die Kovarianz der Beiträge also von Null verschieden ist. Durch diese Interaktionseffekte entsteht eine zusätzliche Variation zwischen Eltern- und Filialgeneration. Wenn durch den ARD-Beitrag also eine Diskussion wie diese angeregt wurde, dann waren die GEZ-Beiträge zumindest hier nicht "traurig-verbraten", sondern gut angelegtes Geld.




Zur Bestärkung zitiert er Christoph Then:

Zitat:
http://www.keine-gentechnik.de/dossiers/efsa-gentechnik-risikobewertung-in-der-eu/interview-mit-christoph-then.html … Beim Eingriff in das Erbgut mit den Mitteln der Gentechnik wird die natürliche Genregulation ausgetrickst, die Aktivität der Gene wird künstlich erzwungen. Zugleich wird DNA über die Arten hinweg übertragen, zum Teil werden die Gene sogar künstlich synthetisiert. Diese Manipulation bleibt nicht ohne Folgen: Oft werden ungewollt auch die Aktivität pflanzeneigener Gene und der Stoffwechsel der Pflanzen verändert. Diese Effekte müsste man in Experimenten systematisch überprüfen, um herauszufinden, welche Reaktionen unter verschiedenen Umweltbedingungen tatsächlich auftreten. Es gibt verschiedene Publikationen, die zeigen, dass sich gentechnisch veränderte Pflanzen, wenn sie unter Stress geraten, ganz anders verhalten als Pflanzen aus konventioneller Züchtung. Konventionell gezüchtete Pflanzen können sich auf extreme Umweltreize oft besser anpassen, weil ihre natürliche Genregulation nicht gestört ist. … Bei der Mutationszüchtung hängt der Erfolg der Züchtung ganz wesentlich von den Wechselwirkungen der Mutationen mit anderen Genen der Pflanze und vom System der Genregulierung insgesamt ab. Mutationszüchtung beruht also auf den allgemeinen Mechanismen der Evolution – das ist bei Gentechnik nicht der Fall. Deswegen sind auch die Risiken grundsätzlich verschieden.


Autor:  Hoffmeister [ Do 10.07.2014 15:46 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Report München

Ach Herr Langelüddeke, Ihre differenzierenden Kommentare und Nachfragen sind doch viel zu komplex für die Journalisten von Report und widersprechen zudem ihrem Verkaufsmodell. Und das ist Krawalljournalismus erster Güte. Da kann man sich schon fragen wie es ein öffentlich-rechtlicher mit seinem Auftrag hält und inwiefern Gebühren gerechtfertigt sind.
an Jochen S: Wenn das mit der Epistase (nur ein Problem bei gv-Sorten ?) und der Beeinflussung ertragsrelevanter Gene zutreffen würde, hätte keine gv-Sorte die Chance zugelassen zu werden, denn allein wegen einer transgenen Eigenschaft wird keine Sortenzulassung erteilt, sondern nur bei Nachweis eines höheren landeskulturellen Wertes, d.h. wenn die Sorte besser ist als alle davor. Also wie schon vermutet bullshit.
Ebenso die Ausführungen des Experten Then zum Unterschied von Mutationszüchtung und Gentechnik. So reden nur Leute, die keinen eigentlichen Sachverstand haben.
Beispiele dafür:
„Beim Eingriff in das Erbgut mit den Mitteln der Gentechnik wird die natürliche Genregulation ausgetrickst.“
Wir hatten hier schon das Beispiel mit den freigesetzten transgenen Petunien, das Dirk Büssis sehr ausführlich behandelte (jeder, der uns mag, kriegt unser 1 x 1 gelehrt). Hier hat die natürliche Genregulation in Form der Methylierung ganz schön zugeschlagen, aber weil das im Zusammenhang mit Gentechnik passierte, ist das auch wieder schlecht und ein Beispiel für „unberechenbar“.
„Bei der Mutationszüchtung hängt der Erfolg der Züchtung ganz wesentlich von den Wechselwirkungen der Mutationen mit anderen Genen der Pflanze und vom System der Genregulierung insgesamt ab.“ Wenn mit ESM – Behandlung eine Punktmutation z.B. in einer Stärkesynthase oder in Verzweigungsenzymen gesetzt wird und z.B. ein Stop-codon entsteht, so wird kein funktionierendes Genprodukt bzw. Enzym mehr gebildet. Die Folge könnte Zuckermais oder die Amylose-freie Kartoffel sein. Wo bitte schön, ist da der Erfolg von einer Wechselwirkung mit anderen Genen und vom System der Genregulation abhängig ? Zudem weiß man nicht, was die ESM-Behandlung sonst noch so angerichtet hat, aber es ist ja nach Herrn Then ein Mechanismus der Evolution. Schlimm ist nur, dass so viel gerührter Quark so oft zitiert wird, vermutlich weil es gut klingt mit Worten wie natürliche Genregulation (gut) und künstlich erzwungene Aktivität (schlecht), Emotionen bedient und daher so einleuchtend scheint.

Autor:  Stefan Rauschen [ Do 10.07.2014 19:38 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Report München

hier wieder mal etwas zu ganz natürlichen vermischungen von GVO.

mittlerweile bröckelt die gesetzliche Definition dessen, was ein GVO ist, dahin:

http://www.nature.com/nature/journal/v5 ... E-20140710

Autor:  fafner [ Do 10.07.2014 19:43 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Report München

Wird die Gegner nicht überzeugen. Die werden sich dann mehr und mehr darauf zurückziehen, zwischen "natürlichem" und "künstlichem" HGT zu unterscheiden, ganz nach ihrem Gusto.

Autor:  Dirk Büssis [ Fr 11.07.2014 00:34 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Report München

Lieber Jochen,

da trägt jemand ganz besonders dick auf mit völlig falsch verstandenem Wikipedia-Wissen. Das fängt mit der Begrifflichkeit an: Stasis heißt das Erreichen eines Gleichgewichtes (Griechisch für bremsen, stoppen ist Quark), während Krise einen Wendepunkt beschreibt (also an alle Journalisten: Krise ist nicht, wenn alles schief geht, sondern beschreibt nur den Wendepunkt, der aussagt: stirbt der Patient oder wird er gesund). Epistase beschreibt den stabilen Einfluss von Genprodukten auf andere. Die können positiv oder negativ sein, wenn sie denn tatsächlich passieren und sich phänotypisch ausprägen. Das ist mit dem bedeutungsschweren Halbsatz "die Kovarianz der Beiträge also von Null verschieden ist" gemeint. Nicht mehr und nicht weniger.

Was der selbsternannte Experte bis hier offenbar nicht begriffen hat, ist, dass eine gentechnische Veränderung grundsätzlich dominant ist, da ein rezessives Allel fehlt. Die gentechnische Veränderung ist quasi ein neuer Locus auf welchem Chromosom auch immer, welche dominant vererbt wird (in allen Nachkommen).

Richtig ist, dass ein epistatischer Einfluss der dominanten gentechnischen Veränderung in einer gentechnisch veränderten Pflanze nicht ausgeschlossen werden kann. Er kann aber auch in einer konventionell gezüchteten Pflanze nicht ausgeschlossen werden, im Gegenteil. Bei einer konventionell gezüchteten Pflanze werden wesentlich mehr Fremdgene übertragen, als bei einer gentechnischen Veränderung (hunderte bis tausende undefinierte Gene im Gegensatz zu ein bis zwei definierte Gene).

Der Unterschied ist: bei konventionell gezüchteten Pflanzen schaut niemand nach. Gentechnisch erzeugt Pflanzen werden auf "Herz und Nieren" geprüft. Und dabei würden epistatische und negative Effekte auffallen. Siehe Thread Pleiotrope Effekte bei transgenen Pflanzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Büssis

Autor:  ThorstenS [ Fr 11.07.2014 08:37 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Report München

http://s1rmusic.wordpress.com/2014/03/0 ... entechnik/

Dort ist eine Infografik.

http://s1rmusic.files.wordpress.com/201 ... =625&h=484

Kommt das hin?

Autor:  Stefan Rauschen [ Di 15.07.2014 08:56 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Report München

Vereinfacht: ja!
Sicherlich könnte man diskutieren, was "affected" genau heisst (indirekt oder direkt). Aber diese "indirekten Effekte", von denen die Gentechnik-Gegner immer reden, treten natürlich auch bei den anderen Züchtungsmethoden auf. Nur interessiert es da keinen. Und es ist glaube einfach zu sehen, dass beim Mischen von ganzen Genomen oder dem Mutagenieren durch Strahlung oder Chemie auch diese indirekten Effekte ständig auftreten - und gar nicht erst untersucht werden.

Warum auch, schließlich haben diese Methoden eine "history of safe use". Beim Züchten durch Kreuzen ist diese jahrtausende Jahre lang.
Trial and Error war das von Beginn an. Heute allerdings können wir im Unterschied dazu viel besser verstehen und untersuchen, was wir da technisch machen und welche Auswirkungen das hat. Und irgendwie gruselt das alle. Obwohl eigentlich das alte eher gruseliger sein müsste.

Autor:  Dr. C. Happach-Kasan [ Mi 23.07.2014 11:13 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Report München

Nur zur Ergänzung:

Nicht nur die USA versucht Einfluss auf Entscheidungen in anderen Ländern zu nehmen. Auch die Regierungen anderer Staaten versuchen Einfluss zu nehmen. Sie schicken z. B. ihre Botschafter in die Büros der für ein Themengebiet zuständigen Abgeordneten und lassen sie dort den Standpunkt ihrer Regierung vortragen und um Unterstützung bei deutschen Abgeordneten für ihren Standpunkt werben. Parallel gibt es solche Gespräche sicher auch auf Behörden- und Regierungsebene. Im Übrigen, das ist ihre Aufgabe.

Mit freundlichen Grüßen

Christel Happach-Kasan

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