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Rekordernte Indien
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Autor:  Franz Behringer [ Di 13.05.2014 21:04 ]
Betreff des Beitrags:  Rekordernte Indien

Landwirt S. Sethumadhavan hat im Bundesstaat Tamil Nadu eine Rekordernte Reis von 24 Tonnen pro Hektar eingefahren. Üblich sind (laut dem Reisforschungsinstitut von Tamil Nadu) - bei der genutzten, herkömmlichen Sorte CR 1009 - nur 6 Tonnen.

Miracle grow: Indian rice farmer uses controversial method for record crop
http://www.theguardian.com/global-devel ... ecord-crop

Autor:  fafner [ Mi 14.05.2014 14:24 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Rekordernte Indien

Zitat:
According to the official Tamil Nadu register, Sethumadhavan would have earned about 98,000 rupees (£970) if he grew the rice conventionally on his five acres of land. Instead the farmer's additional income from the SRI crop was 26,500 rupees.
Das macht also eine Erlössteigerung von 27%.

Herr Beringer, können Sie noch kurz erläutern, wie aus einer angeblich 4-fachen Erntemenge nur gut 1/4 mehr Geld für Herrn Sethumadhavan herausspringt?

Autor:  NilRecurring [ Mi 14.05.2014 18:47 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Rekordernte Indien

Es ist großartig, dass Kleinbauern Erfolg mit SRI haben und ich begrüße selbstverständlich Anbaumethoden, welchen es Bauern mit begrenzten Resourcen erlauben ihren Profit zu steigern. Dennoch tendieren die Artikel von John Vidal dazu, absolut keinen Sinn zu ergeben.

Zitat:
[...]it has consistently produced higher average yields than conventional rice farming. It needs fewer seeds, and less water and chemical fertiliser.


Die ersten drei Punkte sind korrekt, allerdings passt der letzte nicht so recht ins Bild. Mit höheren Erträgen werden folglich mehr Nährstoffe abgetragen die durch Dünger wieder zurück in den Boden gebracht werden müssen. Warum ertragsreichere Methoden anders als ertragsreichere Sorten davon ausgenommen sein sollten verstehe ich nicht.

Weiterhin, und das wurde ja auch schon angesprochen, ergibt es keinen Sinn, dass eine Methode, die an Input spart und in extremen Fällen ein 300% Ertragsplus über den Erwartungen ermöglicht, nur solch niedrige Gewinne mit sich bringt.

Autor:  Franz Behringer [ Mi 14.05.2014 20:53 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Rekordernte Indien

NilRecurring hat geschrieben:
Die ersten drei Punkte sind korrekt, allerdings passt der letzte nicht so recht ins Bild. Mit höheren Erträgen werden folglich mehr Nährstoffe abgetragen die durch Dünger wieder zurück in den Boden gebracht werden müssen. Warum ertragsreichere Methoden anders als ertragsreichere Sorten davon ausgenommen sein sollten verstehe ich nicht.
.

Bei dieser Methode bleiben die Nährstoffe im Boden erhalten:

SRI methodology is based on four main principles that interact with each other:
Early, quick and healthy plant establishment
Reduced plant density
Improved soil conditions through enrichment with organic matter
Reduced and controlled water application
http://sri.ciifad.cornell.edu/aboutsri/ ... index.html

Autor:  Langelüddeke [ Do 15.05.2014 11:02 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Rekordernte Indien

Hochzuschätzender Herr Behringer,

Auch wenn das Ganze mit Gentechnik mal wieder nichts zu tun hat: Ich habe ich versucht ein bißchen zu recherchieren und dabei sogar Spaß gehabt.

Aber ehrlich: 24 t/ha Reis-Ertrag: Das klingt sehr nach Märchen aus tausendundeiner Nacht. Vor allem wenn der normale Ertrag der verwendeten Sorte CR 1009 bei 6 t/ha liegt. Diese Sorte wird beschrieben als "short, bold, high tillering, non lodging": kurz (gemeint ist der Halm), kräftig, bildet viele Seitentriebe und neigt nicht zum Lagern. (http://sites.tnau.ac.in/trri/ci).

Zunächst einmal ein paar landesweite Ertragszahlen aus dem Jahr 2012 zum Vergleich, entnommen der FAO Statistik: USA 8.35, Süd-Korea 7,58, Japan 6,74, China 6,74, Taiwan 6,54, Vietnam 5,63, Sri Lanka 3,88, Philippinen 3,84, Indien 3,59, Kambodscha 3,08 t/ha.

In der von Ihnen angegebenen Literaturstelle wird berichtet, dass der Bauer die SRI-Methode (System Rice intensification) verwendet hat, die angeblich in Madagaskar vor vielen Jahren entwickelt wurde. Die zeichnet sich durch bestimmte Anzucht- und Verpflanzungsmethoden aus und durch bestimmte sparsame Bewässerungspraktiken. Dazu fand ich eine Studie "Effects of SRI practices on hybrid rice performance in Tamil Nadu, India", in der das System beschrieben wird und in der verschiedene Saat- und Bewässerungspraktiken vergleichen werden. Klingt sehr vernünftig, was die gemacht haben. Aber nicht unbedingt so umstürzend. Dann fand ich ein "SRI Fact Sheet India" mit Ertragsvergleichen zwischen konventionell angebautem Reis und SRI-Reis, meist mit deutlichen Ertragsvorteilen für SRI. Die Erträge hielten sich aber alle im Bereich bis maximal 8,4 t/ha.

Der von Ihnen genannte Bauer scheint aber nicht der erste SRI-Wunder-Bauer gewesen zu sein, denn bei Wikipedia fand ich unter dem Stichwort SRI diesen Eintrag: "Von Bauern im Bezirk Nalanda des indischen Bundesstaates Bihar wurden durch die SRI-Methode 2011 die Erträge von vorher 4 bis 5 Tonnen auf 17 bis 22,4 Tonnen pro Hektar (2011) gesteigert. SRI gilt daher vielen als bedeutsamste landwirtschaftliche Entwicklung der letzten 50 Jahre.“

Naja. Wenn das alles so fantastisch wäre: Warum haben sich die tollen Chancen dieser Methode nicht rumgesprochen? Dass sie "dismissed by academic researchers" ist, wie es in Ihrer Quelle heißt, kann doch kein Hinderungsgrund gewesen sein. Zeit genug war ja eigentlich, dass die Vorteile bekannt werden konnten. Zeit genug für eine tolle Zweite Grüne Revolution wäre ja wohl gewesen. oder?

Mal davon ganz abgesehen: Die Pflanzen dieser Sorten werden als kurz und kräftig beschreiben. Anders wäre es gar nicht möglich dass sie Erträge bis zu 6 t/ha oder etwas mehr liefern kann. Zur Erinnerung: Die alten oft als so wundervoll gepriesenen Landsorten kamen auf Erträge von 1 bis 2 t/ha: Sie hatten lange dünne nicht sehr kräftige Halme und wenig Körner in der Rispe. Und auf höhere Düngergaben reagierten sie mit noch mehr Halm, aber nicht mit mehr oder größeren Körnern. Das änderte sich gründlich mit den Hochertragssorten. Die haben kurze starke Halme, die in der Lage sind, mehr Körner zu tragen und die vor allem nicht vor der Ernte ins Lager gehen, was beim Reis nun wirklich nicht erwünscht ist: Dann liegen die zu erntenden Rispen nämlich im Wasser. Die genannte Sorte ist ganz offenbar eine Hochertragssorte. Hochertragssorte heißt zunächst einmal: Eine Sorte mit hohem Ertragspotential. Das kann die Pflanze aber nur bei günstigen Wachstumsbedingungen nutzen. Dazu gehören unter anderem auch genügend verfügbare Nährstoffe im Boden.

Vor Jahren hörte ich von einem IRRI-Manager, dass die natürliche Grenze für Ertragszunahmen der Reispflanze im Bereich von etwa 12 bis maximal 15 t/ha liegt, das bedeutet: man kann noch so intelligent kreuzen und noch so viel düngen, mehr geht nicht. Ich kann ich mir bei bestem Willen nicht vorstellen, wie dann indische Bauern so fantastische Erträge erzielen konnten. Allein mit der Methode SRI kann es ja wohl nicht passiert sein. Auch nicht, wenn sie noch so viel organische Düngemittel verwendet haben. Merkwürdig um nicht zu sagen: absurd finde ich Ihre Behauptung, bei dieser Methode blieben die Nährstoffe im Boden erhalten. Das sind Träumereien. Denn durch die abgeerntete Pflanze werden, egal wie hoch der Ertrag ist, dem Boden natürlich Nährstoffe entzogen. Irgendwie stellen Sie die Logik auf den Kopf. Und das erklärt immer noch nicht, wie der Bauer zu seinem Super-Extra-Ertrag gekommen ist. Ein bißchen mehr Details als nur tolle Fanfarenstöße wären da sehr hilfreich und informativ. Fehlen aber völlig. Oder hat der Bauer einfach zwei Ernten pro Jahr zusammengezählt? Wäre ja denkbar. Oder sollten da etwa irgendwelche Inder nicht richtig gerechnet haben? Eigentlich traue ich Indern gutes Rechenvermögen zu. Immerhin hatten Inder vor hunderten von Jahren die Null erfunden. Darauf waren unsere Vorfahren noch nicht gekommen.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Langelüddeke

Autor:  Reinhard Szibor [ Do 15.05.2014 15:38 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Rekordernte Indien

Das erinnert mich an ein Gedicht, das wir in der Schule lesen mussten.
"Die Erziehung der Hirse"
Sie finden es hier ganz unten: http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/200 ... t-im-blog/

Autor:  ProBiotech [ Di 21.10.2014 09:28 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Rekordernte Indien

Hallo zusammen,

die Geschichte von der (Wunder)-Anbaumethode SRI wurde heute morgen im Radio auf SWR2-Wissen eine breitem Publikum erzählt: http://url9.de/VOq
Tenor:
"Ausgerechnet in den ärmsten Regionen Indiens fahren Bauern Ernten ein, von denen ihre Kollegen in Industrieländern nur träumen können: Ihre Rekorderträge von Reis, Zwiebeln, Weizen oder Kartoffeln gelingen ohne teure Spritzmittel, gentechnisch verändertes Saatgut oder Kunstdünger."
Ich bin kein Experte, was Anbaumethoden und Ertragsteigerungen angeht, aber irgendwie wundert es mich doch sehr, dass bei so einem phänomenal durchschlagenden Erfolg dieser Methode deren weltweiter Siegeszug noch auf sich warten läßt. Anscheinend sind mal wieder die bösen Konzerne und die konventionelle Landwirtschaft daran schuld? Interessant auch, dass in dem Bericht eine sehr merkwürdige Begründung dafür geliefert wird, warum in demselben Dorf, in dem die armen Bauern so erfolgreich mit SRI ihre Erträge stiegern, der -einzige?-Großbauer nicht mit SRI arbeitet: summa summarum in etwas folgendermaßen "es wäre für Ihn zu mühsam"...!??? Alos bei der Aussicht seine Erträge zu vervielfachen soll er auf den Gewinn verzichten wollen....hmmm, sehr seltsam....

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