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Minister Schmidt auf neuen Wegen?
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Autor:  Langelüddeke [ Mi 06.08.2014 16:00 ]
Betreff des Beitrags:  Minister Schmidt auf neuen Wegen?

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat sich von der Jewish Voice from Germany interviewen lassen (http://jewish-voice-from-germany.de/cms ... d-reality/). Überschrift: Romanticism and Reality.

Interessant, was er zum Thema Grüne Gentechnik sagt, insbesondere zum Thema Forschung.

Zitat:
I support the continued development of genetic research in Germany – which, incidentally, was originated in Germany. The fact that BASF Crop is now mainly in the US is the consequence of an iconoclastic attitude toward research here. I cannot accept that. We must have space for genetic research, just as in other research areas, so long as it is ethically justifiable and limitable in its effects.


Er spricht zwar nicht ausdrücklich auch von Freilandversuchen, schließt sie aber nicht aus. Interessant seine Abneigung gegen die "iconoclastic attitude toward research", also gegen die Bilderstürmerei. Das unterscheidet sich deutlich von früheren Äußerungen prominenter CSU-Politiker (Seehofer und vor allem Söder), die Forschung allenfalls im Labor oder Gewächshaus zulassen wollen, aber um Himmels Willen nicht im Freiland. Ob er wohl seinen Parteihäuptling vorher gefragt hat?

Und früher - es ist noch nicht lange her - hatte er sich mal ganz anders geäußert, z.B. als er gerade Minister geworden war (http://www.rp-online.de/politik/christi ... -1.4052849). Und noch im Mai hat er sich in einer Pressemitteilung damit gebrüstet: "Gentechnik: Der Weg zum nationalen Anbauverbot ist bereitet". Wie er diesen "Erfolg" mit seinem Plädoyer für die Forschung unter einen Hut bringen will, ist mir schleierhaft. Oder vertraut er darauf, dass dieses Pro-Forschungs-Plädoyer in einer abgelegenen Zeitschrift nicht bekannt wird? Bin neugierig was da in Zukunft zu erwarten ist. Ich wurde von einem Bekannten darauf aufmerksam gemacht.

Autor:  Hoffmeister [ Do 07.08.2014 16:47 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Minister Schmidt auf neuen Wegen?

Hallo Herr Langelüddeke,

Sie setzen da in etwas Hoffnung, was es so heutzutage bei einem Politiker in der Demokratie mit Verhältniswahlrecht nicht mehr gibt, nämlich Wahrhaftigkeit oder anders ausgedrückt, für eine Überzeugung auch einzustehen, wenn sie mal nicht mehrheitsfähig ist. Wenn der „begnadete Politprofi“ und Parteichef Seehofer der Meinung ist, mit einer Anti-Gentechnikhaltung könnte man noch mehr Stimmen für die CSU holen, dann siegt im Minister im Interesse der persönlichen Karriere die Parteiräson. Auch der Dobrindt kann einem ja fast schon leid tun, dass er die Maut durchkämpfen muss, die in einer EU rechtspolitisch Stuss ist – übrigens ebenso wie ein opt out – Regelung für den GVO-Anbau, von der sich aber sein extrempopulistischer Chef vor der letzten Wahl Stimmen erhoffte. Frau Aigner hat vor Ihrer Ministerkarriere auch mal anders über das Thema gesprochen. Und von der gelernten Physikerin Merkel hätte man auch etwas anderes erwartet als ausgerechnet die sicheren deutschen Kernkraftwerke zu 100 % stillzulegen oder trotz hier und da angeklungener anderer Meinung zur grünen Gentechnik einer nicht-wissenschaftsbasierten opt out – Regelung zuzustimmen. Wenn etwas als nicht mehrheitsfähig eingestuft wird, wird nicht etwa versucht diese Mehrheit entsprechend der eigenen Überzeugung zu beeinflussen, sondern es wird sich angepasst. Treffender als kürzlich hätte sie das heutige Credo eines Berufspolitikers nicht ausdrücken können: “Für mich ist immer wichtig, dass ich mir alle möglichen Entscheidungsoptionen, wie man es machen könnte, durchspiele, wie entwickelt sich das, und was würde das bedeuten, wer würde was dazu sagen, wer würde was vielleicht darüber schreiben, wer würde das kritisieren.” Eine eigene Meinung haben und dafür noch öffentlich einzustehen? Fehlanzeige ! Der Erfolg gibt ihr scheinbar recht. Aber was soll`s, die Bürger haben in der Demokratie die regierenden Politiker, die sie verdienen.

Autor:  Langelüddeke [ Mo 25.08.2014 09:52 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Minister Schmidt auf neuen Wegen?

Hallo Herr Hoffmeister,
Ich hatte ja darauf aufmerksam gemacht, dass der Herr Minister mal so und dann wieder anders redet. Bei Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_ ... geordneter) habe ich gefunden, dass er als Bundestagsabgeordneter unter anderem von 1994 bis 1998 Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe war. Mit seiner zitierten Äußerung zum Thema Forschung hat er wohl eine ganz andere Leserschaft im Auge gehabt als die heimischen Wähler. Da drängt sich natürlich der fatale Eindruck einer gespaltenen Minister-Zunge auf. Und der eines Fähnchen-nach-dem-Wind-Hängers. Eben deswegen hatte ich hier auf seine widersprüchlichen Äußerungen hingewiesen.

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