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240 Tonnen Bt-Toxin im Rheingebiet ausgebracht
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Autor:  Dr. C. Happach-Kasan [ Sa 23.08.2014 10:41 ]
Betreff des Beitrags:  240 Tonnen Bt-Toxin im Rheingebiet ausgebracht

Zur Bekämpfung der Stechmücken (Schnaken) wird im Rheingebiet auf einer Fläche von 6000 Quadratkilometern der Wirkstoff von Bacillus thuringiensis israelis ausgebracht. Die süddeutsche Zeitung berichtet, dass in diesem Jahr 240 Tonnen Wirkstoff per Hand und oft mit dem Hubschrauber ausgebracht worden seien. Dies wird organisiert durch die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. .. 98 Gebietskörperschaften sind Mitglied und finanzieren die Bekämpfung der Stechmücken. 45 000 € im Jahr zahlt beispielsweise Wiesbaden dafür (wikipedia).
Da fragt man sich schon, warum der Anbau von Bt-Mais so schlimm sein soll, während doch das Versprühen des Wirkstoffes über Hubschraubereinsatz mit all den Möglichkeiten des Verdriftens geradezu herbeigesehnt wird. Es gibt heftige Kritik, wenn die Maßnahme zu spät erfolgt, die Insekten sich bereits verpuppt haben und daher den Wirkstoff nicht mehr aufnehmen können.

Im Frühjahr wurde über die Schnakenbekämpfung berichtet:
http://www.n-tv.de/panorama/Schnaken-ge ... 56841.html

Auf biosicherheit wird in einer Präsentation über Sporen- und Wirkstoffbildung von Bacillus thuringiensis informiert.

Die Kommunale Arbeitsgemeinschaft stellt sich vor:
http://www.biosicherheit.de/pdf/dokumen ... lexnat.pdf
http://www.kabsev.de/index.htm

Angenehme Lektüre
Christel Happach-Kasan

Autor:  fafner [ Sa 23.08.2014 11:59 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 240 Tonnen Bt-Toxin im Rheingebiet ausgebracht

Unter Mücken leidet halt jeder. Unter zerfressenem Mais nur der Landwirt. Der "grüne" Stadtmensch bekommt ja nur die 1a-Ware zu sehen. Die Schäden muß der Erzeuger wegstecken.

Autor:  Dr. C. Happach-Kasan [ Mo 25.08.2014 12:04 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 240 Tonnen Bt-Toxin im Rheingebiet ausgebracht

Kann mir jemand sagen, wie viel Bt-Wirkstoff von Bt-Mais auf einem Hektar produziert wird?

Bestimmte Organisationen haben immer wieder die Risiken des Bt-Wirkstoffes an die Wand gemalt. Bestehen diese Risiken nicht beim Ausbringen von 240 Tonnen des Wirkstoffes?

Was ist mit einer Resistenzbildung bei Insekten bei großflächiger Versprühung des Wirkstoffes? Ist eine solche Resistenzbildung schon beobachtet worden?

Mit freundlichen Grüßen

Christel Happach-Kasan

Autor:  Stefan Rauschen [ Mo 25.08.2014 14:07 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 240 Tonnen Bt-Toxin im Rheingebiet ausgebracht

Liebe Frau Happach-Kasan!

Die Expressionsdaten finden Sie in der Doktorarbeit von Hang Nguyen Thu https://ediss.uni-goettingen.de/bitstre ... sequence=1

Nehmen wir der Einfachheit halber mal 10 microgramm/Gramm an.

Zusammengenommen mit dem Ertrag von Mais http://www.maiskomitee.de/web/public/Fa ... tr%C3%A4ge

Ergibt das bei 10 Tonnen Maisbiomasse und 10 microgramm/g etwa 100g, wenn ich richtig gerechnet habe.

Autor:  Sebastian Fettig [ Mo 25.08.2014 14:15 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 240 Tonnen Bt-Toxin im Rheingebiet ausgebracht

Jetzt war Stefan schneller, aber wir kommen in etwa auf das Gleiche.

Im alten Forum hatte ich es mal nachgesehen, evtl. stimmt es ja noch:
"Für MON810 finde ich Bt-Konzentrationen im Blatt von 6,6 µg/g FG. Silomais hat einen Ertrag von 400-500 dt/ha. Wenn ich richtig rechne, ergibt das eine Bt-Gesamtmenge von ca. 300 g/ha. Für das Bt-Präparat Dipel sind zum Vergleich 600 g/ha empfohlen."

Zur Resistenzbildung habe ich keine Daten, gehe aber davon aus, dass bei einer einmaligen großflächigen Sprühaktion das Problem nicht auftritt. Resistenzen sind ja eher ein Thema, wenn dauerhaft behandelt wird. Daher kommt ja auch die (in dem Fall sogar nachvollziehbare) Kritik der NROs an der gv-Bt-Strategie, dass Bt-Pflanzen auch dann Bt bilden, wenn gar kein Schädlingsdruck vorliegt und unnötiger Selektionsdruck ausgeübt wird, der dann schneller zu resistenten Schädlingen führt.

Autor:  Dr. C. Happach-Kasan [ Mo 25.08.2014 14:25 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 240 Tonnen Bt-Toxin im Rheingebiet ausgebracht

Lieber Herr Rauschen, lieber Herr Fettig,

vielen Dank für die schnelle Information. Insgesamt ist also die Wirkstoffmenge pro Hektar beim Anbau von Bt-Mais geringer als bei einer äußerlichen Anwendung durch Versprühen z. B. mit dem Hubschrauber und sie ist gezielter.

Immerhin ist die Kommunale Akltionsgemeinschaft zur Schnakenbekämpfung schon seit 1976 aktiv. Es könnte sich schon lohnen nachzugucken, ob im Rhein-Main-Gebiet Mücken Resistenzen gegen den Wirkstoff ausgebildet haben.

Mit freundlichen Grüßen

Christel Happach-Kasan

Autor:  fafner [ Mo 25.08.2014 21:18 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 240 Tonnen Bt-Toxin im Rheingebiet ausgebracht

Dr. C. Happach-Kasan hat geschrieben:
Was ist mit einer Resistenzbildung bei Insekten bei großflächiger Versprühung des Wirkstoffes? Ist eine solche Resistenzbildung schon beobachtet worden?

Aus früheren Recherchen war mir noch in Erinnerung, daß die älteste Beobachtung wohl bei Plutella xylostella auftrat. Da wird oft auf die Arbeiten von J. Ferre verwiesen, z.B. http://www.pnas.org/content/88/12/5119.full.pdf (1991).

Autor:  Hoffmeister [ Di 26.08.2014 11:09 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 240 Tonnen Bt-Toxin im Rheingebiet ausgebracht

Sebastian Fettig schrieb: „Daher kommt ja auch die (in dem Fall sogar nachvollziehbare) Kritik der NROs an der gv-Bt-Strategie, dass Bt-Pflanzen auch dann Bt bilden, wenn gar kein Schädlingsdruck vorliegt und unnötiger Selektionsdruck ausgeübt wird, der dann schneller zu resistenten Schädlingen führt.“
Nachvollziehbar ist diese Kritik m.E. nicht, denn dem Selektionsdruck unterliegen nur Lepidopteren-Larven, denen die Maispflanze als Nahrungsgrundlage dient. Und da ist mir eigentlich nur der Maiszünsler bekannt, der ja auch mit Bt-Mais bekämpft werden soll. Nicht mal die am Phloem saugenden Aphiden unterliegen diesem sehr spezifischen Selektionsdruck. Im Übrigen krankt die Behandlung mit Bt-Präparaten auf der Grundlage von Bakteriensporen an der kurzen Wirkdauer, da UV-empfindlich. Das sog. Spritzfenster ist sehr klein. Da kann man in Analogie zur Bt-Diskussion in Zusammenhang mit gv-Pflanzen schon Fragen, inwiefern die „Belastung“ angemessen ist. Außerdem werden im Unterschied zum Bt-Mais, wo nur Fraßschädlinge betroffen sind, bei der Anwendung als Sporensuspension alle empfindlichen Lepidopteren geschädigt. Damit entpuppt sich das Argument der NRO`s gegen Bt-Mais als Scheinargument.
In Brandenburg tobt eine Diskussion zwischen Forst und Naturschutz, ob der flächenmäßige Einsatz im Forst gegen den Eichenprozessionsspinner oder die Kieferneule überhaupt Sinn macht und ob die kurzzeitigen Bekämpfungserfolge nicht eher Ergebnis natürlicher Einflüsse sind. Das ist die Sicht der Naturschützer. Der Forst wiederum beklagt, dass aufgrund des Verbots der Behandlung in Schutzgebieten der Erfolg nur kurzfristig ist, da eine Wiedereinwanderung in Behandlungsgebiete erfolgt. Die Diskussion kommt einem irgendwie bekannt vor, nämlich bei konventionellen Strategien der Bekämpfung des Maiszünslers: Zur wirksamen Eindämmung müssten alle Landwirte pflügen.

Autor:  Dr. C. Happach-Kasan [ Mo 08.09.2014 12:39 ]
Betreff des Beitrags:  Re: 240 Tonnen Bt-Toxin im Rheingebiet ausgebracht

Die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS) beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat im Februar eine Stellungnahme zu Bt-Toxinen abgegeben.

Februar 2014
"Stellungnahme der ZKBS zum wissenschaftlichen Kenntnisstand zur
Wirkung von Bt-Toxinen im Körper von Säugetieren"

Mit freundlichen Grüßen

Christel Happach-Kasan

http://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downl ... onFile&v=2

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