Futtermittel: Ohne Sojaimporte geht es nicht

Europa produziert zu wenig eiweißreiche Futterpflanzen für seine Nutztiere und ist deswegen auf die Einfuhr großer Mengen an Sojabohnen angewiesen. Und die sind im Regelfall „mit Gentechnik“: In den wichtigsten Erzeugerländern in Nord- und Südamerika werden fast nur noch gentechnisch veränderte Sorten angebaut. Weltweit liegt der Gentechnik-Anteil an der Sojaproduktion bei knapp achtzig Prozent.

Soja: Handelsströme 2017

Die Welt der Sojabohnen: Die großen Handelsströme, Stand 2017. Inzwischen ist China das mit Abstand wichtigste Importland, weit vor der EU - auch wenn durch den derzeitigen Handelskrieg zwischen den USA und China die Sojalieferungen aus den USA eingebrochen sind. Die EU führte 2017 knapp 35 Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot aus Nord- und Südamerika ein - überwiegend gentechnisch verändert.

Sojabohnen-Importe in die EU 2017/18 und 2018/19

Der Import von Sojabohnen aus den USA ist in der zweiten Jahreshälfte 2018 um mehr als hundert Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Um amerikanische Zölle auf europäische Importe vorerst abzuwenden, hatte die EU-Kommission in einem „Deal“ mit US-Präsident Trump entsprechende Abnahme-Zusagen gemacht. Kamen 2017/18 etwa 40 Prozent der Sojabohnen aus den USA, so waren es 2018/19 74,5 Prozent.

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Ohne Gentechnik! Und wo kommt das ganze Futter her?

2017 wurden knapp 35 Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot aus Nord- und Südamerika in die Europäische Union verschifft - rein rechnerisch 68 Kilogramm für jeden EU-Bürger. Ohne diese Importe wäre die Erzeugung tierischer Lebensmittel auf dem derzeitigen Niveau nicht möglich. Denn Europa produziert zu wenig eiweißreiche Futterpflanzen, um die großen Nutztierbestände - vor allem Schweine und Geflügel, aber auch Rinder - ernähren zu können.

Inzwischen haben sich in allen Erzeugerländern gentechnisch veränderte (gv-) Sojabohnen durchgesetzt: In den USA, Argentinien, Paraguay und auch in Brasilien, dem für Europa wichtigsten Produzenten, sind sie zum Standard geworden. Offenkundig bringt das System aus gv-Sorten und dem dazu passenden Herbizid vor allem bei der Unkrautbekämpfung den Landwirten wirtschaftliche Vorteile. Daran hat auch die vor allem in Südamerika zunehmende Kritik an einem übermäßigen Herbizideinsatz wenig geändert.

Wenn gv-Sojabohnen einmal zugelassen sind, dann gibt es in diesen Ländern keine besonderen gesetzlichen Vorschriften, die Landwirte und Händler beachten müssen: Im Regelfall wird in der Sojabranche nicht nach „mit“ und „ohne“ Gentechnik unterschieden - weder bei der Aussaat und Ernte, noch bei Transport, Lagerung und Verarbeitung. Standard-Sojarohstoffe, wie sie auf den internationalen Agrarmärkten gehandelt werden, bestehen daher zu einem nicht unerheblichen Anteil aus gv-Sojabohnen.

Der allergrößte Teil des Welthandels mit Sojabohnen und -schrot (ca. 90 Prozent) entfällt auf die Länder, in denen fast nur noch gentechnisch veränderte Sojabohnen angebaut werden. Inzwischen hat China die EU als weltweit größter Soja-Importeur abgelöst.

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