Bananentransport Kenia

Panama Disease: Eine Pilzerkrankung auf dem Vormarsch.

Die Banane ist bedroht, zumindest wie wir sie kennen. Eine neue extrem aggressive Variante der Pilzerkrankung Panama Disease hat sich in Südostasien verbreitet und erreichte vor kurzem erstmals auch die arabische Halbinsel und Afrika. Als genetisch uniforme Klone haben Kulturbananen dem Erreger wenig entgegenzusetzen. Weltweit wird deshalb mit Hochdruck daran gearbeitet, die Banane zu retten. Vorrangiges Ziel ist es, mit allen zur Verfügung stehenden züchterischen Mitteln resistente Bananen zu entwickeln. So könnten etwa mit gentechnischen Methoden Resistenzgene aus Wildbananen in Kulturbananen übertragen werden.

Resistenztest mit Bananen

Resistenztest: An der Universität Wageningen werden Wildbananen aus aller Welt daraufhin getestet, ob sie resitent sind gegen die neue aggressive Variante des Erregers von Panama Disease.

befallene Bananenwurzel

So greift der Pilz an: Da er ein Bodenpilz ist, befällt er zunächst die Wurzeln. Der Transport von Wasser und Nährstoffen wird unterbrochen, die Pflanze verwelkt und stirbt ab.

Bananenstaude

Genetisch uniforme Bananen. Kultur-Bananen vermehren sich nicht geschlechtlich. Neue Pflanzen entstehen aus frischen Trieben, sind also genetisch identische Klone.

Foto: Charles T. Bryson, USDA Agricultural Research Service, Bugwood.org

Wildbanane

Wildbananen enthalten zahlreiche große Samen, so dass die Früchte mehr oder weniger ungenießbar sind.

Foto: Warut Roonguthai/Wikimedia

Karte Ausbreitung TR4

Der Pilz auf dem Vormarsch. Ausgehend von Südostasien breitet sich Tropical Race 4 (TR4) weiter aus.

Grafik: harrytoon

Banane: Zahlen und Fakten
- Weltweite Produktion. 105 Mio. t
- davon nur etwa 16 Mio. t für den Export
- Wichtigste Export-Regionen: Zentral- und Südamerika
- Einfuhr nach Deutschland vor allem aus Ecuador, Kolumbien, Costa Rica
- Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland: 12 kg
- Pro-Kopf-Verbrauch (Kochbananen) in einigen afrikanischen Ländern: 100 kg

Großes Foto oben: Neil Palmer, CIAT

Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von zwölf Kilogramm ist die Banane nach Äpfeln das beliebteste Obst der Deutschen. Für Konsumenten außerhalb der tropischen Anbauregionen ist es selbstverständlich, dass die Früchte der Kulturbananen keine Samen haben und deswegen einfach und praktisch zu verzehren sind. Das liegt daran, dass die männlichen Blüten der Bananenpflanzen steril sind und die weiblichen Blüten Früchte bilden, ohne vorher befruchtet worden zu sein (Parthenokarpie).

Vermehrt werden Bananenpflanzen vegetativ, das heißt, neue Pflanzen entstehen aus jungen Trieben. Kulturbananen sind also genetisch identische Klone, die weltweit angebaut werden. Das macht sie besonders anfällig für Krankheiten und deren schnelle Verbreitung.

Wie verletzlich der im Wesentlichen auf eine Kultursorte beschränkte Plantagenanbau ist, hat sich schon einmal gezeigt. In den 1950/60er Jahren wurde die damals hauptsächlich für den Export angebaute Bananensorte Gros Michel durch die Pilzerkrankung Panama Disease nahezu vollständig vernichtet.

Auslöser für Panama Disease ist der Pilz Fusarium oxysporum f. sp. cubense, ein Bodenpilz, der die Bananenpflanzen über die Wurzeln angreift. Der Transport von Wasser und Nährstoffen wird unterbunden, die Pflanzen verwelken und sterben ab.

Damals wurde der Anbau mit Gros Michel eingestellt und weltweit seitdem die weniger anfällige Sorte Cavendish kultiviert. Doch eine dauerhafte Lösung war das offenbar nicht.

Eine neue, extrem virulente Variante des Erregers (TR4, Tropical Race) greift nun auch die Cavendish-Banane an. TR4 wurde erstmals schon vor etwa 25 Jahren in Taiwan gefunden. Seitdem breitet sich der Erreger in Südostasien aus und vernichtet dort ganze Plantagen. Vor kurzem erreichte er Pakistan, die arabische Halbinsel in Oman, Libanon, Jordanien sowie das afrikanische Mozambik. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis er auch in den süd- und mittelamerikanischen Anbauregionen ankommt. 80 Prozent der Exportbananen kommen von dort.

Anfang 2014 warnte die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen vor TR4 als einer weltweiten Bedrohung des Bananenanbaus. Nicht nur die für den Export bestimmten Kulturbananen sind betroffen, auch viele lokale Sorten und auch Kochbananen, die etwa in Ostafrika ein Grundnahrungsmittel sind. Und dieses Mal ist kein Ersatz in Sicht.

Weltweit werden deshalb große Anstrengungen unternommen, um die Banane zu retten. An der Universität Wageningen wird zurzeit mit Hochdruck daran gearbeitet, natürliche Resistenzen in Wildbananen zu finden. Aus aller Welt werden Bananenmuster nach Wageningen geschickt, um sie auf TR4-Anfälligkeit zu testen. Von etwa 150 getesteten Mustern waren bislang zehn vollständig resistent.

Es gibt also natürliche Resistenzen in den genetischen Ressourcen der Banane, aber bis man diese nutzen kann und neue resistente Bananensorten zur Verfügung stehen, wird es noch etliche Jahre dauern.

Bis dahin wird der Pilz sich weiterverbreiten. Im Gegensatz zu anderen Pilzkrankheiten ist eine Bekämpfung mit chemischen Mitteln (Fungizide) nicht möglich. Und da seine Sporen Jahrzehnte im Boden überdauern, können einmal befallene Flächen nicht mehr für den Bananenanbau genutzt werden.

Neben dem vorrangigen Ziel, resistente Bananen zu entwickeln, verfolgen die Wageninger Wissenschaftler deshalb ein ganzes Bündel von Maßnahmen, um kurzfristig die weitere Verbreitung von TR4 zu verhindern und die Bananenproduktion aufrechtzuerhalten. Dazu gehören Strategien wie den Pilz genauestens zu erforschen, um die Krankheit sehr schnell zu erkennen und die Sporen im Boden zu reduzieren, vor allem aber für geeignete Quarantänemaßnahmen zu sorgen. Denn der Pilz wird vor allem durch den Menschen verschleppt.

Resistente Bananen zu erzeugen ist eine schwierige Aufgabe. Da Kulturbananen vegetativ vermehrt werden und komplexe Vererbungsmuster haben, lassen sie sich nicht einfach mit resistenten Wildbananen kreuzen. Deshalb werden in Wageningen auch gentechnische Verfahren eingesetzt. Man versteht heute einige der natürlichen Abwehrmechanismen, mit denen Pflanzen es schaffen, Pilz- und andere Krankheiten zu überstehen. Die daran beteiligten Gene können in die heute genutzten Sorten eingebracht werden.

Auch ein cisgener Ansatz wird verfolgt, bei dem Resistenzgene aus Wildbananen, also nur arteigene Gene aus dem Erbmaterial von Bananen, in Kulturbananen eingebracht werden.