Glyphosat

Herbizid-Wirkstoff zur Unkrautkontrolle; wird als Komplementärherbizid in Verbindung mit gentechnisch veränderten Pflanzen eingesetzt. (Markenname: Roundup)

Glyphosat wird auf die Blätter gespritzt und in der Pflanze weitertransportiert. Die Wirkung über den Boden ist sehr gering. Glyphosat hemmt ein bestimmtes, für den Stoffwechsel der meisten Pflanzen erforderliches Enzym (EPSP-Synthetase). Dieses Enzym wird zur Herstellung von lebenswichtigen aromatischen Aminosäuren benötigt. Können diese infolge der Einwirkung von Glyphosat nicht gebildet werden, stellt die Pflanze das Wachstum ein und stirbt nach drei bis sieben Tagen ab.

Glyphosat wirkt gegen fast alle Pflanzenarten toxisch und wird seit Mitte der 1970er Jahre weltweit als sogenanntes Breitbandherbizid eingesetzt (z.B. zur Unkrautbekämpfung an Bahndämmen). In der Landwirtschaft wird es unter anderem vor oder kurz nach der Aussaat oder zwischen Ernte und erneuter Aussaat ausgebracht – insbesondere bei der pfluglosen Bodenbearbeitung.

Zur Unkrautkontrolle im Ackerbau wird Glyphosat seit den 1990er Jahren vor allem auch als Teil des Herbizidresistenz- (HR-)Systems RoundupReady eingesetzt. Insbesondere bei Mais, Soja, Raps und Baumwolle sind Nutzpflanzen verfügbar, die eine gentechnisch vermittelte Toleranz gegenüber Herbiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat besitzen. Dazu wurde ein aus dem Bodenbakterium Agrobacterium tumefaciens isoliertes Gen auf die Pflanzen übertragen. Auf diese Weise wird eine bakterielle Form des Enzyms EPSP-Synthetase gebildet, dessen pflanzliche Variante von Glyphosat gehemmt wird. Das bakterielle Enzym ist jedoch gegenüber Glyphosat unempfindlich, so dass die gentechnisch veränderten Pflanzen eine Behandlung mit Glyphosat ohne Schaden tolerieren.

Seit einigen Jahren werden vermehrt resistente Unkräuter beobachtet, so dass die Wirksamkeit des Herbizids nur durch den Einsatz weiterer Herbizide aufrechterhalten werden kann. Dadurch hat der Herbizideinsatz insgesamt wieder zugenommen.

Verglichen mit anderen Herbiziden gilt Glyphosat als umweltverträglich, da es im Boden gebunden und relativ schnell abgebaut wird. Auch besteht nach Auffassung der für die Risikobewertung zuständigen Behörden bei bestimmungsgemäßer Anwendung kein gesundheitliches Risiko für den Menschen. Die Toxizität von Herbiziden auf der Basis von Glyphosat kann aber durch die Verwendung bestimmter Netzmittel (Tallowamine) beeinflusst werden.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte Glyphosat im März 2015 als für den Menschen wahrscheinlich krebserregend ein. Seitdem steht der Wirkstoff verstärkt in der öffentlichen Kritik.

Im November 2015 veröffentlichte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Neubewertung von Glyphosat, wonach es unwahrscheinlich sei, dass Glyphosat eine krebserregende Gefahr für den Menschen darstellt. Auch der Gemeinsame FAO-/WHO-Sachverständigenausschuss für Pestizidrückstände (JMPR) veröffentlichte im Mai 2016 seine Neubewertung mit der gleichen Schlussfolgerung. Beide Gremien bewerteten anders als die IARC das tatsächliche Risiko, wobei die Art der Nutzung (Exposition) miteinbezogen wird.

Die aktuelle EU-Zulassung für Glyphosat wurde 2002 erteilt und sollte Ende 2015 auslaufen. Da die EU-Kommission für eine erneute Zulassung keine mehrheitliche Unterstützung durch die Mitgliedstaaten erhielt, verlängerte sie die Zulassung zunächst bis zum 30.Juni 2016 und nach Ablauf dieser Frist um weitere 18 Monate. Bis dahin sollte die Europäische Chemikalienagentur ECHA ein Gutachten darüber abgeben, ob Glyphosat Krebs auslösen kann. Mitte März 2017 bewertete die ECHA Glyphosat als nicht krebserregend. Ende November 2017 verlängerte die EU-Kommission die Zulassung von Glyphosat um fünf Jahre. 18 von 28 Ländern stimmten dafür, neun dagegen, eines enthielt sich.

Siehe auch

Komplementärherbizid Herbizidresistenz