Lachs

Gentechnik-Lachs in den USA: Das unendliche Zulassungsverfahren

Fast zwei Jahrzehnte zog sich in den USA das Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Lachse hin. Im November 2015 gab die US-Lebensmittelbehörde nach langem Zögern grünes Licht. Besondere gesundheitliche Risiken bestehen nicht, doch Vermehrung und Aufzucht der Fische sind nur in abgeschlossenen Anlagen erlaubt. Ab 2018 soll der Lachs in Nordamerika doch noch auf den Markt kommen. Ob er ein Erfolg wird, scheint fraglich. Denn auch in den USA ist die sind die Vorbehalte gegenüber Genfood in den letzten Jahren stärker geworden.

Lachs, AquaBounty

Schneller groß: Gentechnisch veränderter Lachs (hinten) und normaler Atlantik-Lachs (vorn) mit gleichem Lebensalter.

Lachs, Frankenfish

„Frankenfish“: In den USA sind gentechnisch veränderte Lachse das Symbolprodukt der Gentechnik-Kritiker.

Fotos: Aquabounty

Gentechnisch veränderte Lachse: Eine lange Geschichte

1989: Kanadische Wissenschaftler haben Lachs gentechnisch verändert, so dass er mehr Wachstumshormone produziert.
1995: Erster Zulassungsantrag von AquaBounty für gv-Lachs in den USA
2001: Untersuchungen zu Sicherheitsaspekten
2009: Richtlinien der US-Lebensmittelbehörde FDA für Zulassung von gv-Tieren; Ergänzung des Zulassungsantrags für gv-Lachs
2010: FDA: Lebensmittel aus gv-Lachs sind unbedenklich
2012: FDA schließt erweiterte Überprüfung der Umweltsicherheit von gv-Lachsen ab.
2013: Kanada erlaubt die Produktion von jährlich 100.000 Fischeiern. Eine zertifizierte Fischfarm zur Aufzucht der gv-Lachse gibt es in den USA zu diesem Zeitpunkt nicht.
2015: Die US-Lebensmittelbehörde FDA erteilt die Zulassung der Lachsprodukte für den menschlichen Verzehr.
2016: Die FDA untersagt den Import von Produkten aus gv-Lachs, bis verbindliche Regeln zur Kennzeichnung erlassen sind.
2016: Auch in Kanada Zulassung für gv-Lachs als Lebensmittel.
2017: Zertifizierte Fischfarmen zur Aufzucht der gv-Lachse gibt es in Panama und Kanada. In den USA ist eine geschlossene Fischfarm ohne Verbindung zu offenen Gewässern in Bau, eine weitere in Planung.
2018 soll die Vermarktung von gv-Lachs in USA und Kanada beginnen. Dabei soll die besonders nachhaltige Produktionsweise („the world’s most sustainable salmon“) herausgestellt werden.

Ende der 1990er Jahre wurden die gentechnisch veränderten Lachse von der Firma AquaBounty Technologies entwickelt. Wissenschaftler des Unternehmens hatten zwei Gene in das Genom von Lachsen übertragen:

  • ein Gen für ein Wachstumshormon einer anderen Lachsart (Königslachs, Oncorhynchus tschawytscha)
  • ein Regulationsgen eines Fisches (Zoarces americanus), der an kalte Meeresregionen angepasst ist.

Normalerweise bildet der Lachs in kalten Gewässern bzw. im Winter keine Wachstumshormone. Daher haben die Wissenschaftler dem Gen für das Wachstumshormon ein Regulationsgen für Anti-Frost-Proteine vorgeschaltet. Anti-Frost-Proteine ermöglichen das Überleben in eiskaltem Wasser und sind daher bei niedrigen Temperaturen aktiv. Das Resultat: Die gv-Lachse wachsen ganzjährig und erreichen daher bereits innerhalb von 16 bis 18 Monaten ihr Schlachtgewicht von 18 Kilogramm. „Normale“ atlantische Lachse brauchen rund drei Jahre, um zu dieser Größe heranzuwachsen.

Vor fast zwanzig Jahren wurde der erste Zulassungsantrag für die gv-Lachse bei der amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA eingereicht, doch diese zögerte eine Entscheidung immer wieder hinaus. Lange Zeit schien eine Markteinführung illusorisch. Inzwischen waren die gv-Lachse (Markenname: AquAdvantage) in Nordamerika längst zum Symbolprodukt für die wachsende öffentliche Kritik an Genfood geworden. Der politische Rückhalt schwand.

FDA: Keine Sicherheitsbedenken, aber langes Zögern vor der Zulassungsentscheidung

Nachdem 2009 in den USA Richtlinien für die Zulassung und Sicherheitsbewertung von Lebensmitteln aus gv-Tieren in Kraft getreten waren, wurden sie bei den gv-Lachsen erstmals angewandt: Nach dem Gutachten der amerikanische Lebensmittelbehörde FDA unterscheiden sie sich bis auf das neu eingeführte Merkmal nicht von ihren konventionellen Verwandten. Geprüft wurden etwa Geschmack, Farbe und Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Fettsäuren, Eiweißen und anderen Nährstoffen. Der Verzehr von gv-Lachs sei für die Gesundheit unbedenklich.

Zudem habe AquaBounty nachweisen können, dass die eingeführten Gene stabil von Generation zu Generation vererbt werden und die gentechnische Veränderung keine Auswirkungen auf die Tiergesundheit habe.

Viele Umweltgruppen und Fischereiverbände lehnen die Zulassung der gentechnisch veränderten Lachse jedoch aus anderen Gründen ab. Sie befürchten, dass die Fische aus den Tanks der Zuchtfarmen entweichen und die in den freien Gewässern lebenden weniger großen Artgenossen verdrängen könnten. Dieses Risiko schätzte die FDA bei Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen als gering ein. Zudem würde das Unternehmen bei einer Zulassung nur unfruchtbare weibliche Tiere vermarkten, die in geschlossenen, nicht in natürlichen Gewässern gelegenen Aquakulturen aufgezogen würden. Dann wäre eine Fortpflanzung in freier Natur nicht mehr möglich.

Im September 2010 präsentierte die FDA ihre Sicherheitsbewertung im Rahmen einer öffentlichen Anhörung. Dabei kamen auch weitere wissenschaftliche Experten, das Unternehmen sowie Umwelt- und Verbraucherorganisationen zu Wort. Die Mehrheit der Fachexperten schätzte die gv-Lachse als sicher ein. Es gab jedoch auch Kritik an einigen Studien, da deren Datenbasis zu klein gewesen sei.

Anschließend unterzog die FDA die gv-Lachse einer weiteren, verschärften Umweltverträglichkeitsprüfung. Ende 2012 veröffentlichte sie das Ergebnis: Eine Aufzucht von gv-Lachsen soll nur in eigens dafür vorgsehenen Fischfarmen mit abgeschlossenen Tanks ohne Verbindung zu offenen Gewässern erlaubt werden. Jede Anlage muss von der Behörde geprüft und für diesen Zweck zertifiziert werden.

Es dauerte dann noch einmal fast zwei Jahre, bis die FDA grünes Licht für die AquAdvantage -Lachse erteilte. Sie „erfüllten die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Zulassung und ihr Verzehr ist gesundheitlich unbedenklich“, so die FDA. Doch zu kaufen waren solche Lachsprodukte immer noch nicht. Anfangs gab es keine zertifizierten Fischfarmen, später wollten die US-Behörden erst die politischen Debatten über die Kennzeichnung von GVO-Produkten abwarten. Inzwischen hat der US-Kongress USA zwar grundsätzlich für eine Kennzeichnung mit vielen Ausnahmen entschieden, doch in welcher Form sie auf Lachsprodukte anzuwenden ist, ist bislang nicht klar.

Dennoch: AquaBounty will endlich seinen Lachs verkaufen und den Lohn für die Beharrlichkeit einfahren. Ab 2018 sollen AquAdvantage-Lachsprodukte in USA und Kanada in die Supermärkte kommen. Dann soll eine Fischfarm in Albany (Indiana) jährlich 1200 Tonnen produzieren. Eine weitere sei in Planung, so das Unternehmen. Zudem könnten bereits zertifizierte Anlagen in Panama und Kanada ihren Betrieb aufnehmen. AquAdvantage solle als der „weltweit am nachhaltigsten produzierte Lachs“ vermarktet werden. Da er schneller wächst, benötige er ein Viertel weniger Futtermittel als in der konventionellen Zucht. Anders als in der Praxis heute üblich, wolle man keine Impfstoffe und Antibiotika verwenden.

Doch ob diese Strategie aufgeht und die skeptischen Verbraucher überzeugt? Die Geschichte vom gentechnisch veränderten Lachs ist offenbar noch immer nicht zu Ende.

Diskussion / Kommentare

Kommentare werden geladen…