Mais, Befall Maiszünsler 2

Mais-Futtermittel: Mehr Schädlinge, mehr Mykotoxine

Bei starkem Schädlingsbefall sind Maispflanzen anfälliger für Pilzinfektionen. Die Folge: Futter- und Lebensmittel sind stärker mit Pilzgiften belastet. Wirksame Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung haben daher oft den positiven Nebeneffekt, den Gehalt an Mykotoxinen zu senken. Das trifft auch auf gentechnisch veränderten Bt-Mais zu, dessen Anbau in Deutschland verboten ist. Verschiedene Untersuchungen bestätigen, dass Bt-Mais die Mykotoxingehalte in Futter- und Lebensmitteln reduzieren kann.

Wie viele Gräser- und Getreidearten wird auch Mais von Schimmelpilzen der Gattung Fusarium befallen. Einige dieser Pilze produzieren Mykotoxine. Wird damit kontaminierter Mais verfüttert, können diese hochgiftigen Substanzen bei den Tieren zu gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, etwa zu einer verminderten Fruchtbarkeit oder Verdauungsproblemen. Mykotoxine können auch der menschlichen Gesundheit schaden. Für drei verschiedene Mykotoxine gibt es in der EU gesetzlich festgelegt Höchstwerte.

Maiszünsler

Maiszünsler: Der bedeutendste Maisschädling in Europa. Die Larven bohren sich in die Maispflanzen. Je wirksamer dessen Bekämpfung ist, um so weniger Fraßspuren gibt es, durch die Pilzerreger in die Pflanze eindringen können.

Maiskolben, Maiszünsler

Maiskolben: Die Spuren des Maiszünslers. Fraßverletzungen haben oft Pilzbefall zur Folge. Einige Pilzarten produzieren Mykotoxine. Diese extrem giftigen Substanzen gelangen ins Tierfutter.

Rinder, Futter

Kranke Kühe: Mykotoxine im Maisfutter (hier: Silage) führen zu Verdauungsproblemen bei den Kühen.

Fusarien-Pilze, die Produzenten dieser Gifte, können über die Narbenfäden der weiblichen Blüte in eine Maispflanze gelangen, aber auch als Folge von Fraßverletzungen, die der Pflanze durch Schadinsekten zugefügt werden. Im Inneren der Maispflanze breiten sich die Pilze aus.

Wie stark eine Maispflanze von Pilzen befallen wird und ob es als Folge davon zu einer Produktion von Mykotoxinen kommt, hängt von vielen Faktoren ab. Feuchtigkeit und Temperatur im Verlauf der Vegetationsperiode, Bodenbearbeitung oder die Anfälligkeit der Sorte spielen eine Rolle, aber auch der Erntezeitpunkt.

Das komplexe, noch nicht vollständig verstandene Geschehen macht es im Einzelfall schwierig, die Mykotoxinbildung zu kontrollieren. Erwiesen ist aber, dass ein starker Befall mit Fraßschädlingen zu einer höheren Mykotoxinbelastung führt.

Gentechnisch veränderter Bt-Mais wird weltweit in vielen Ländern genutzt, um die Pflanzen vor dem Befall durch den Maiszünsler, den Hauptschädling im Maisanbau, zu schützen. Die Vermutung, dass damit auch die Mykotoxin-Belastung reduziert werden könnte, wurde inzwischen mehrfach bestätigt.

Eine 2008 in den USA erschienene Studie (Felicia Wu, Universität Pittsburgh) wertete zahlreiche Untersuchungen aus verschiedenen Ländern aus, die sich mit dem Zusammenhang von Bt-Pflanzen und Mykotoxingehalten in den Ernteprodukten beschäftigt haben.

  • Zehn von dreizehn Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Bt-Mais weniger mit Mykotoxinen belastet ist als die jeweilige konventionelle Vergleichssorte. Das trifft für bestimmte Mykotoxin-Typen zu (DON Deoxynivalenol, ZEA Zearalenon, FUM Fumonisin).
  • Bei Aflatoxinen, einer besonders giftigen Mykotoxin-Gruppe, ist der verringernde Effekt von Bt-Mais weniger deutlich. Er zeigt sich nur bei drei von sieben Studien. Aflatoxine werden von verschiedenen Aspergillen-Arten produziert, die nicht nur über Fraßspuren, sondern vor allem über die Narbenfäden in die Pflanze gelangen.

Auch in Deutschland wurde 2007 an mehreren Standorten der Einfluss verschiedener Zünsler-Bekämpfungsstrategien - darunter auch Bt-Mais MON810 - auf den Mykotoxingehalt untersucht.

  • Zwar variierten die Ergebnisse nach Standort, Sorten, Versuchsanordnung und dem jeweiligen Mykotoxin-Typ - doch die Tendenz ist eindeutig: Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Stärke des Befalls durch den Maiszünsler und dem Mykotoxingehalt.
  • Beim Anbau von konventionellem Mais ohne Zünslerbekämpfung wurden sowohl der stärkste Schädlingsbefall als auch die höchsten Mykotoxingehalte festgestellt. Dieser Effekt war deutlicher an Standorten mit starkem Zünslerbefall.
  • Chemische oder biologische Verfahren der Zünslerbekämpfung, etwa der Einsatz von Insektiziden oder von Schlupfwespen (Trichogramma), können sowohl die Zahl der Zünslerlarven wie die Mykotoxinbelastung reduzieren.
  • An allen Standorten zeigten die eingesetzten Bt-Maissorten die besten Ergebnisse: Zünsler wurden nur vereinzelt in den Beständen gefunden. Auf fast allen Versuchsfeldern wurden bei den Bt-Maispflanzen geringere Mykotoxinwerte gemessen als bei den herkömmlich bewirtschafteten Vergleichsparzellen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine 2012 erschienene tschechische Studie. Bei starkem Schädlingsbefall kann Bt-Mais dazu beitragen, den Gehalt an Mykotoxinen zu senken.