Orangen am Baum 2

Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen, Mandarinen, Grapefruit, Pampelmuse)

Forschungsschwerpunkt Bakterienresistenz
Freilandversuche EU: 8 (Spanien 7, Italien 1) (1996-2008)
USA: 47 (1999-2019)
Argentinien, Mexiko, Brasilien

Bis auf einige Ausnahmen sind alle Zitrusgewächse frostempfindlich und ertragen nur wenige Minusgrade. Sie werden in gemäßigten und subtropischen Klimaregionen angebaut, so u. a. in den USA, Südamerika, Südafrika, Australien und den Mittelmeerländern. Verluste durch Schaderreger und Unkräuter werden auf 20 Prozent des potenziellen Ernteertrages geschätzt.

Am häufigsten angebaut werden Orangen, es folgen Mandarinen, Clementinen, Zitronen und Grapefruits. 2018 wurden auf etwa 11,1 Millionen Hektar 152 Millionen Tonnen Zitrusfrüchte produziert.

Alle Zitruspflanzen (Citrus spp.) können sich unter natürlichen Bedingungen miteinander kreuzen. Dadurch ist eine große Vielzahl an Arten und Varianten entstanden.

Die meisten Zitrusfrüchte werden roh verzehrt oder verarbeitet zu Saft, Obstkonserven, Fruchtzubereitungen und Marmelade.

Beispiele Forschung und Entwicklung (Gentechnik, neue Züchtungsverfahren)

Citrus Greening

Citrus Greening. Die Früchte bleiben klein und unreif. Die Bekämpfung der Krankheit ist schwierig. Es werden große Mengen an Insektiziden gegen die Blattflöhe eigesetzt, oft hilft nur ein sofortiges, systematisches Abholzen der befallenen Bäume.

Foto Dr.Susan E.Halbert FDACS/DPI

Großes Foto oben: inaquim/123RF

Resistenz gegen Citrus Greening. Große Schäden beim Anbau von Zitrusfrüchten verursacht ein Bakterium (Liberibacter), das durch Blattflöhe verbreitet wird und eine als Citrus Greening bezeichnete Krankheit auslöst. Bei infizierten Zitrusbäumen ist der Transport von Nährstoffen beeinträchtigt. Dadurch bleiben die Früchte klein und unreif. Die Züchtung resistenter Bäume ist bisher nicht gelungen, da man im Genpool der Zitrusfrüchte keine gegen Liberibacter wirksamen Resistenzgene gefunden hat.

Auf Initiative der US-Orangen-Anbauer wird derzeit mit molekularbiologischen Verfahren intensiv an neuen Lösungen gegen Citrus Greening gearbeitet. Man versucht Mechanismen, mit denen sich andere Organismen gegen Bakterien wehren, auch für Zitruspflanzen zu nutzen.

Ein Ansatz ist es, Zitruspflanzen gentechnisch so zu verändern, dass sie einen Eiweißbaustein (Peptid) bilden, der die Zellwände der Bakterien zerstört. Andere Forschergruppen haben in verschiedenen Pflanzenarten nach Genen gesucht, die gegen ähnliche Bakterienkrankheiten gerichtet sind und auch Orangenbäume gegen Citrus Greening schützen könnten.

Ergebnisse aus Freilandversuchen mit Orangenbäumen, in die Gene aus Spinat übertragen wurden, sind vielversprechend. Eine mögliche Markteinführung ist aber noch Jahre entfernt. Selbst in den USA bestehen Zweifel, ob die Konsumenten gentechnisch veränderte Orangen oder den daraus hergestellten Saft akzeptieren werden. Deshalb wird auch versucht, ein Virus (Citrus tristeza virus), das Zitrusfrüchte befällt, mit dem Spinatgen auszustatten. Mit den gv-Viren infizierte Stecklinge sollen das Bakterium angreifen. Die Orangenpflanzen selber enthalten dann keine fremde DNA. Unter eingegrenzten freilandähnlichen Bedingungen wurde dieser Ansatz bereits getestet. Nun sollen die gv-Viren sich auch im Freiland bewähren, ein entsprechender Antrag wurde Anfang 2017 gestellt.

Da die Krankheit durch den Zitrusblattfloh übertragen wird, beruht ein weiterer Ansatz darauf, die Insekten mit Hilfe eines viralen Vektors zu bekämpfen. Auch hierbei werden Citrus tristeza Viren gentechnisch verändert und zwar so, dass sie die Aktivität eines Gens in den Insekten blockieren (RNAi), wenn diese die virale Erbinformation aufnehmen. Die Viren besiedeln die Nährstoffleitbahnen der Citrus-Pflanzen, an denen die Zitrusblattflöhe saugen. Die Blockade des Gens führt zu verkürzten Flügeln. Die Flugunfähigkeit der Insekten soll die Übertragung von Citrus Greening begrenzen.

Zur Bekämpfung von Citrus Greening wird inzwischen auch mit der neuen Methode CRISPR/Cas gearbeitet. Damit könnten etwa bestimmte Genbereiche, an die das Bakterium in der Pflanze „andockt“, ausgeschaltet oder verändert werden.

Wissenschaftler der Universität Florida fanden heraus, dass ein bestimmtes Gen (NPR1) eine wichtige Rolle beim Schutz der Pflanze vor Infektionen spielt. Dieses Gen ist auch in Zitruspflanzen vorhanden, seine Aktivität wird aber durch andere Gene unterdrückt. Diese regulatorischen Gene sollen nun mit der Genschere so verändert werden, dass sie das NPR1-Gen nicht mehr in seiner Wirkung hemmen.

Auch zur Bekämpfung von Zitruskrebs, der durch das Bakterium Xanthonomas citri ausgelöst wird, wird CRISPR/Cas eingesetzt. So haben Wissenschaftler der Universität Florida in Orangen ein Gen stillgelegt, das Zitrusbäume anfällig für Zitruskrebs macht. Die Orangenbäume wurden bereits von der US-Landwirtschaftsbehörde als Nicht-GVO eingestuft (Am I regulated process).

Resistenz gegen Viren. Argentinische Wissenschaftler haben mit Hilfe der RNAi-Methode in Orangenpflanzen (Citrus sinensis) eine Resistenz gegen das Citrus psorosis Virus erreicht.

Resistenz gegen Blattläuse durch Übertragung von Lektin-Genen aus Schneeglöckchen; Lektine sind natürliche Abwehrstoffe der Pflanzen gegen Insekten.