Salmon, Lachs

Schnell wachsender Gentechnik-Lachs:
Nach 25 Jahren doch noch in den Supermärkten

Fast zwei Jahrzehnte zog sich in den USA das Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Lachse hin. Im November 2015 gab die US-Lebensmittelbehörde nach langem Zögern grünes Licht. Besondere gesundheitliche Risiken gebe es nicht. Vermehrung und Aufzucht der Fische sind nur in abgeschlossenen Anlagen erlaubt, weitab vom Meer. Im Oktober 2020 soll der Lachs nun auch in den USA auf den Markt kommen. In Kanada hat der Verkauf bereits 2017 begonnen, in Europa bleibt er auch auf längere Sicht verboten.

Lachsfilet

Filet von gv-Lachs: In Kanada seit 2015 auf dem Markt, in den USA ab Ende 2020.

Lachs-Farm in Albany (Indiana)

Lachsfarm in Albany (Indiana): Aufzucht von gv-Lachs in geschlossenen Anlagen.

Lachs, Frankenfish

„FrankenFish“: In den USA sind gentechnisch veränderte Lachse das Symbolprodukt der Gentechnik-Kritiker. - Großes Foto oben: Gentechnisch veränderter Lachs (links) und normaler Atlantik-Lachs (rechts) mit gleichem Lebensalter.

Fotos: Aquabounty; Heinz Leitner, 123RF

Ende der 1990er Jahre wurden die gentechnisch veränderten Lachse von der Firma AquaBounty Technologies entwickelt. Wissenschaftler des Unternehmens hatten zwei Gene in das Genom von Lachsen übertragen:

  • ein Gen für ein Wachstumshormon einer anderen Lachsart (Königslachs, Oncorhynchus tschawytscha)
  • ein Regulationsgen eines Fisches (Zoarces americanus), der an kalte Meeresregionen angepasst ist.

Normalerweise bildet der Lachs in kalten Gewässern bzw. im Winter keine Wachstumshormone. Daher haben die Wissenschaftler dem Gen für das Wachstumshormon ein Regulationsgen für Anti-Frost-Proteine vorgeschaltet. Anti-Frost-Proteine ermöglichen das Überleben in eiskaltem Wasser und sind daher bei niedrigen Temperaturen aktiv. Das Resultat: Die gv-Lachse wachsen ganzjährig und erreichen daher bereits innerhalb von 18 bis 20 Monaten ihr Schlachtgewicht von etwa sechs Kilogramm. „Normale“ atlantische Lachse brauchen deutlich länger und sind zudem kleiner.

Vor 25 Jahren wurde der erste Zulassungsantrag für die gv-Lachse bei der amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA eingereicht. Doch diese zögerte eine Entscheidung immer wieder hinaus. Inzwischen waren die gv-Lachse (Markenname: AquAdvantage) in Nordamerika längst zum Symbolprodukt für die wachsende öffentliche Kritik an Genfood geworden. Der politische Rückhalt schwand.

FDA: Keine Sicherheitsbedenken, aber langes Zögern vor der Zulassungsentscheidung

Nachdem 2009 in den USA Richtlinien für die Zulassung und Sicherheitsbewertung von Lebensmitteln aus gv-Tieren in Kraft getreten waren, wurden sie bei den gv-Lachsen erstmals angewandt: Nach dem Gutachten der amerikanische Lebensmittelbehörde FDA unterscheiden sie sich bis auf das neu eingeführte Merkmal nicht von ihren konventionellen Verwandten. Geprüft wurden etwa Geschmack, Farbe und Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Fettsäuren, Eiweißen und anderen Nährstoffen, auch eine veränderte oder erhöhte Allergenität. Ergebnis: Der Verzehr von gv-Lachs ist gesundheitlich unbedenklich.

Zudem habe AquaBounty nachweisen können, dass die eingeführten Gene stabil von Generation zu Generation vererbt werden und die gentechnische Veränderung keine Auswirkungen auf die Tiergesundheit hat.

Viele Umweltgruppen und Fischereiverbände lehnten die Zulassung der gentechnisch veränderten Lachse jedoch aus anderen Gründen ab. Sie befürchteten, dass die Fische aus den Tanks der Zuchtfarmen entweichen und die in den freien Gewässern lebenden weniger großen Artgenossen verdrängen könnten. Dieses Risiko schätzte die FDA bei Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen jedoch als gering ein. Zudem würde das Unternehmen bei einer Zulassung nur unfruchtbare weibliche Tiere vermarkten, die in geschlossenen, nicht in natürlichen Gewässern gelegenen Aquakulturen aufgezogen würden. Dann wäre eine Fortpflanzung in freier Natur nicht mehr möglich.

Im September 2010 präsentierte die FDA ihre Sicherheitsbewertung im Rahmen einer öffentlichen Anhörung. Nach einer weiteren, verschärften Umweltverträglichkeitsprüfung ordnete die Behörde an, dass eine Aufzucht von gv-Lachsen nur in eigens dafür vorgesehenen Fischfarmen mit abgeschlossenen Tanks ohne Verbindung zu offenen Gewässern erlaubt wird. Jede Anlage muss geprüft und für diesen Zweck zertifiziert werden.

Es dauerte dann noch einmal fast zwei Jahre, bis die FDA grünes Licht für die AquAdvantage-Lachse erteilte. Sie „erfüllten die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Zulassung und ihr Verzehr ist gesundheitlich unbedenklich“, so die FDA. Doch zu kaufen waren solche Lachsprodukte noch immer nicht. Erst gab es noch keine zertifizierten Fischfarmen, später wollten die US-Behörden erst die politischen Debatten über die Kennzeichnung von GVO-Produkten abwarten.

Dennoch: AquaBounty will endlich seinen Lachs auf den Markt bringen und den Lohn für die Beharrlichkeit einfahren. In Kanada sind 2017 die ersten fünf Tonnen verkauft worden - nach Angabe des Unternehmens innerhalb weniger Tage. Ein Jahr später folgten weitere zehn Tonnen. Anfangs wurden diese Lachse in einer kleinen zertifizierten Produktionsanlage in Panama großgezogen, inzwischen auch in einer kanadischen Anlage.

Im April 2018 erteilte die FDA die Zulassung für eine abgeschlossene Fischfarm in Albany (Indiana) mit einer jährlichen Produktionskapazität von 1200 Tonnen. Ein Jahr später wurde das bis dahin bestehende Importverbot aufgehoben. Nun darf in Kanada oder Panama aufgezogener gv-Lachs in die USA eingeführt werden. Inzwischen ist auch geklärt, dass die vom US-Kongress grundsätzlich beschlossene Kennzeichnung auch für den gv-Lachs gilt. Lebensmittel daraus müssen den Hinweis bioengineered tragen.

Drei Jahre später hat auch in den USA die kommerzielle Produktion von AquAdvantage-Lachs begonnen. Die erste „Ernte“ der Fischfarm in Indiana sollte Ende 2020 eingefahren werden und anschließend zunächst vor allem über die Gastronomie im Mittleren Westen vermarktet werden, so hatte es AquaBounty angekündigt. Doch dann kam COVID-19 und damit eine erneute Verzögerung.

AquAdvantage soll als der „weltweit am nachhaltigsten produzierte Lachs“ beworben werden. Da er schneller wächst, benötige er ein Viertel weniger Futtermittel als in der konventionellen Zucht. Anders als in der Praxis heute üblich, wolle man keine Impfstoffe und Antibiotika verwenden.

Doch ob diese Strategie aufgeht und die skeptischen Verbraucher überzeugt? Die Geschichte vom gentechnisch veränderten Lachs ist offenbar noch immer nicht zu Ende.

Vom Labor auf den Tisch : Eine unendliche Geschichte

1989: Kanadische Wissenschaftler entwickeln gentechnisch veränderten Lachs, der mehr Wachstumshormone produziert.

1995: Erster Zulassungsantrag von AquaBounty für gv-Lachs in den USA

2001: Untersuchungen zu Sicherheitsaspekten

2009: Richtlinien der US-Lebensmittelbehörde FDA für Zulassung von gv-Tieren; Ergänzung des Zulassungsantrags

2010: FDA: Lebensmittel aus gv-Lachs sind unbedenklich

2012: FDA schließt erweiterte Überprüfung der Umweltsicherheit von gv-Lachsen ab.

2013: Kanada erlaubt die Produktion von jährlich 100.000 Fischeiern.

2015: Die US-Lebensmittelbehörde FDA erteilt die Zulassung der Lachsprodukte für den menschlichen Verzehr.

2016: Die FDA untersagt den Import von Produkten aus gv-Lachs, bis verbindliche Regeln zur Kennzeichnung erlassen sind.

2016: Auch in Kanada Zulassung für gv-Lachs als Lebensmittel.

2017: Zertifizierte Fischfarmen zur Aufzucht der gv-Lachse gibt es in Panama (Aufzucht) und Kanada (Fischeier).

2017: In Kanada werden die ersten fünf Tonnen gv-Lachs verkauft, in den USA soll die Vermarktung 2020 beginnen.

2018: In Kanada sind weitere 10 Tonnen verkauft worden. Die FDA genehmigt eine Fischfarm in Albany (Indiana), die zunächst 1200 Tonnen gv-Lachs pro Jahr produzieren soll. Der Import (auch der Fischeier für die Produktion) ist weiterhin nicht erlaubt aufgrund der ungeklärten Kennzeichnung.

2019: Die FDA hebt das Importverbot auf. Gv-Lachs kann damit auch in USA produziert und vermarktet werden. Lebensmittel müssen als bioegineered gekennzeichnet werden.

2020: Die Fischfarm in Indiana geht in Betrieb, zunächst mit der Produktion von konventionellem Lachs. Die für Ende 2020 angekündigte erste Ernte von gv-Lachs verzögert sich infolge der SARS-CoV-2-Pandemie, ebenso die geplante Vermarktung über Gastronomiebetriebe.

In der EU ist für gv-Lachs kein Zulassungsantrag gestellt und auch nicht zu erwarten. Auch auf längere Sicht sind Produkte aus gv-Lachs in allen EU-Ländern verboten. Daran ändert sich auch mit dem zwischen der EU und Kanada vereinbarten CETA-Handelsabkommen nichts.



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