Maiszünsler 2

Bt-Mais in Spanien: Noch immer keine resistenten Schädlinge

(20.05.2016) Seit vielen Jahren wird in Spanien großflächig gentechnisch veränderter Bt-Mais angebaut. Dennoch haben sich dort bisher keine Schädlinge etablieren können, die gegen den Wirkstoff resistent geworden sind. Das hat selbst die Wissenschaftler erstaunt, die gerade die Ergebnisse einer systematischen Untersuchung dazu veröffentlicht haben.

Spanien ist das einzige Land in Europa, in dem die Grüne Gentechnik großflächig genutzt wird. Seit 1998 bringen viele Landwirte Bt-Mais aus, um damit den wichtigsten Schädling in Schach zu halten. In den Haupt-Anbauregionen im Nordosten stehen auf etwa drei Vierteln der Maisflächen gentechnisch veränderte Sorten. Ihr Anteil ist bis 2013 kontinuierlich gestiegen. In den beiden folgenden Jahren ging der Maisanbau in Spanien insgesamt zurück und damit auch die Flächen mit Bt-Mais. 2016 stiegen sie erneut deutlich an. Der Anteil gv-Sorten an der gesamten Maiserzeugung liegt nun bei 35 Prozent.

Spanien Anbau Bt-Mais

Anbau von Bt-Mais in Spanien in den drei wichtigsten Maisanbauregionen. Auf gentechnisch veränderten Bt-Mais entfallen gut 30 Prozent der gesamten spanischen Maiserzeugung.

Eulenfalter, Sesamia nonagrioides

Sesamia nonagrioides, eine Eulenfalter-Art, ist im Mittelmeerraum der wichtigste Maisschädling. Ähnlich wie der in Deutschland und Nordamerika vorkommende Maiszünsler bohren sich die Larven in die Maisstängel. Als Folge davon knicken die Pflanzen schnell ab und es können Pilze eindringen, die giftige Substanzen (Mykotoxine) bilden.
Foto: Ferran Turmo Gort, CC BY-NC-SA 2.0

Bei mehreren Befragungen hatten sich die meisten spanischen Landwirte zufrieden mit den Bt-Maissorten gezeigt. Nachdem sie sich einmal für dieses Bekämpfungskonzept entschieden hatten, blieben die meisten dabei. Gerade in Regionen mit starkem Schädlingsbefall kann es nicht nur die Kosten für Pflanzenschutzmittel reduzieren, sondern auch die durch die Fraßinsekten verursachten Ertrags- und Qualitätsverluste.

Große, meist bewässerte Flächen in einer Region, ein intensiver Anbau von Bt-Mais über viele Jahre, häufig kein Fruchtwechsel – gute Bedingungen für das, was Experten erwarten und von vielen Gentechnik-Kritikern immer wieder angeführt wird: Die Schädlinge werden mit der Zeit Resistenzen gegen das in den Maispflanzen wirksame Bt-Protein entwickeln – das Konzept würde dann unwirksam. Die Erfahrungen zeigen, dass unter bestimmten Umständen resistente Schädlinge schon nach wenigen Jahren auftreten können. Solche – bisher nur vereinzelten Fälle – sind aus USA, Indien, Brasilien, Südafrika und Puerto Rico bekannt.

Dennoch: Auch nach sechzehn Jahren Bt-Mais auf den Feldern gibt es in den spanischen Anbaugebieten bisher keine Hinweise auf Resistenzen beim Hauptschädling – eine Eulenfalter-Art - oder eine Abnahme seiner Empfindlichkeit gegenüber dem Bt-Protein.

Die Gründe für diesen überraschenden Befund hat eine gerade im Online-Journal PLOSone veröffentlichte Studie spanischer und amerikanischer Wissenschaftler genauer untersucht, darunter auch der bekannte gentechnik-kritische Ökologe und Insektenforscher David A. Andow von der University of Minnesota.

Mit Hilfe geeigneter Labortests (Bioessays) wurde ermittelt, ob und wie sich die Empfindlichkeit der auf den Feldern gesammelten Schädlingslarven gegenüber dem Bt-Protein über die Jahre verändert hat. Können sie mehr Bt-Protein vertragen bevor eine schädliche Wirkung zu erkennen ist, deutet das auf eine sich entwickelnde Resistenz hin. Mit mathematischen Modellen errechneten die Wissenschaftler Szenarien und Verläufe für eine mögliche Ausbreitung resistenter Schädlinge. Zudem flossen die seit 1998 regelmäßig erhobenen Daten aus den Monitoring-Programmen in die Untersuchung ein. Damit konnten über den gesamten Zeitraum des Bt-Mais-Anbaus (1998 bis 2013) für die drei großen spanischen Anbauregionen „Resistenz-Raten“ ermittelt werden, die ein Maß für die Empfindlichkeit der Larven darstellen.

In fast allen Jahren blieben die Resistenz-Raten niedrig. Meist stiegen sie nur leicht an – mit einer auffälligen Ausnahme: 2001 lagen die Resistenz-Raten deutlich höher, gingen jedoch in den nachfolgenden Jahren wieder auf ein niedriges Niveau zurück.

Die Studie führt diesen Effekt vor allem auf einen Wechsel der angebauten Bt-Maissorten zurück. Anfangs säten die spanischen Landwirte ausschließlich Bt176-Mais aus, das erste auf dem Markt erhältliche Bt-Mais-Event, das damals in der EU zugelassen war. Bei Bt176-Mais nimmt der in der Pflanze gebildete Bt-Protein-Gehalt im Laufe der Vegetationsperiode jedoch ab: Wenn der Mais reif wird, enthält er weniger Protein. Die zweite und dritte Generation der Schädlingslarven, welche später im Jahr schlüpfen, sind damit geringen Bt-Konzentrationen ausgesetzt. Dies kann die Entwicklung von Resistenzen fördern.

Ab 2003 wurde in Spanien der veraltete – und seit 2006 in der EU nicht mehr zugelassene – Bt176 durch eine andere Bt-Mais-Variante ersetzt: MON810. Dieser produziert gleichbleibend hohe Konzentrationen von Bt-Protein, die auch gegen weniger empfindliche Larven wirksam sind. Rechnerisch – nach dem mathematischen Modell der Studie – wäre beim Anbau von Bt176 bereits nach 18 Jahren mit einer Resistenz der Schädlinge zu rechnen, mit MON810 unter den tatsächlichen Anbaubedingungen in Spanien erst nach etwa fünfzig Jahren.

Dass sich noch keine resistenten Schädlinge in Spanien haben etablieren können, führt die Studie zudem auf die anfänglich geringe Anbaurate von Bt-Mais und ausreichend große Refugienflächen zurück. Solche in der Nähe von Bt-Mais angelegte Felder mit konventionellem Mais, auf denen sich nicht-resistente Schädlinge vermehren können, verzögern nachweislich die Ausbildung von Resistenzen. In Nord-Ost Spanien halten sich über neunzig Prozent der Landwirte an die Vorgabe, genügend Refugienflächen anzulegen.

Eine weitere Strategie, um einer Resistenzbildung vorzubeugen, wäre der Anbau von neuen Bt-Mais-Sorten, welche mehrere Varianten des Bt-Proteins enthalten und damit für die Schädlinge nur schwer zu überwinden sind. Solche Events sind zwar in Nord- und Südamerika für den Anbau zugelassen, nicht jedoch in der EU.

(Zahlen für 2016 nachträglich aktualisiert.)

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