Gv-Mais Anbau in Spanien

Nur Mais, nur Spanien. Anbau von Gentechnik-Pflanzen in der EU

Seit Jahren wird in der EU nur eine einzige gentechnisch veränderte Nutzpflanze angebaut: Bt-Mais MON810 und inzwischen nahezu ausschließlich in Spanien. Nach mehreren rückläufigen Jahren stiegen die dort mit gv-Mais bewirtschafteten Flächen 2024 wieder deutlich an Auch 2025 gab es einen leichten Zuwachs. MON810-Mais – noch immer die einzige für den Anbau in der EU zugelassene gv-Pflanze – wird neben Spanien nur noch in Portugal ausgebracht, auf sehr kleinen, weiter abnehmenden Flächen.

Anbau gv-Pflanzen in der EU 2025

Nur Spanien: Anbauflächen von gv-Pflanzen in der EU 2006-2025. (Weitere Länder mit Anbau bis 2013: Tschechien, Rumänien, Slowakei, Polen)

Quelle: Landwirtschaftsministerium Spanien, USDA/Gain Reports EU; AgBio GM Monitor

Der Anteil von gv-Mais an der gesamten spanischen Maisproduktion schwankt in den letzten Jahren zwischen knapp 20 und 30 Prozent.

Nach einigen rückläufigen Jahren wurde 2024 in Spanien wieder deutlich mehr Mais ausgesät. Damit stiegen auch die Flächen, auf denen MON810-Mais ausgebracht wurde, um 40,8 Prozent auf 69.000 Hektar an. Im Jahr darauf blieben Maisproduktion und Gv-Mais-Anteil auf einem ähnlichen Niveau. Für 2025 verzeichnet die spanische Landwirtschaftsbehörde einen leichter Zuwachs um 0,9 Prozent auf 70.000 Hektar. Knapp ein Viertel der spanischen Maiserzeugung wird mit gentechnisch verändertem Mais erwirtschaftet.

Besonders viel Bt-Mais steht auf den Feldern in Aragon, Katalonien und Navarra im Nord-Osten Spaniens sowie in der Extremadura. Vor allem in diesen Regionen hat der Schädlingsdruck durch den Maiszünsler wieder zugenommen. Noch immer schützt das im MON810 gebildete Bt-Protein die Maispflanzen vor einem Schädlingsbefall und den dadurch verursachten Ertragsverlusten. Seit gut 25 Jahren nutzen spanische Landwirte dieses Konzept im Maisanbau, ohne dass sich bisher resistente Schädlinge entwickelt haben. Das Resistenzmanagement, das die spanischen Landwirte praktizieren, funktioniert offenbar Refugien-Konzept.

In Portugal sind die mit Bt-Mais bestellten Flächen weiter gesunken, nach 1000 Hektar im Vorjahr sind es 2025 nur noch 630 Hektar. Zehn Jahre zuvor waren es noch 8.500 Hektar.

Viele europäische Länder: Ausstieg aus dem Anbau von Gentechnik-Pflanzen

In Tschechien und der Slowakei wurde zuletzt 2016 Bt-Mais auf sehr niedrigem Niveau angebaut. In Polen war zwar der Handel mit MON810-Saatgut verboten, es wurde aber aus den Nachbarländern eingeführt und zuletzt 2012 auf einer Fläche von 4000 Hektar angebaut. Seit 2013 ist der Anbau von MON810-Mais in Polen verboten.

In Frankreich und Deutschland wurde 2008 bzw. 2009 die nach EU-Recht erteilte Zulassung für gentechnisch veränderten Bt-Mais (MON810) ausgesetzt. Französische Landwirte hatten 2007 Bt-Mais auf etwa 22.000 Hektar ausgesät, in Deutschland wurde 2008 auf etwas über 3.000 Hektar gv-Mais angebaut. Auch in Bulgarien, Österreich, Griechenland, Italien, Luxemburg und Ungarn wurde der Anbau von MON810-Mais verboten.

Karte zum Anbau von gv-Pflanzen in der EU, Ausstiegsklausel

Grafik: pigurdesign
Daten: Eu-Kommission, USDA/Gain Report EU

Opt out: Nationale Verbote

Seit 2015 wird den EU-Ländern und Regionen die Möglichkeit eingeräumt, den Anbau von gv-Pflanzen auf ihrem Territorium von vornherein zu verbieten. Das betreffende Land bleibt dann aus dem Geltungsbereich der Zulassung einer gv-Pflanze ausgenommen. Mit dieser Ausstiegsklausel wurde das „Selbstbestimmungsrecht“ der EU-Mitgliedstaaten in Bezug auf den GVO-Anbau rechtlich verankert.

Zurzeit sind in der EU Anbau-Zulassungen für sechs Mais-Events beantragt (Erneuerung MON810, BT11, TC1507, GA21, 59122 (Herculex), TC1507 x 59122). Die Verfahren befinden sich seit Jahren in der Schwebe: Die wissenschaftlichen Sicherheitsbewertungen sind abgeschlossen, doch die politischen Zulassungsbeschlüsse kommen nicht zustande,

17 Mitgliedsländer (Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Kroatien, Österreich, Malta, Niederlande, Polen, Slowenien, Ungarn, Zypern) und vier Regionen (Wallonie, Nordirland, Wales, Schottland) haben die Ausstiegsklausel bislang genutzt.

MON810-Mais wurde bereits 1998 zum Anbau in der EU zugelassen – bis heute die einzige gv-Pflanze. Nach zehn Jahren wurde eine Erneuerung fällig und damit eine weitere Sicherheitsbewertung auf Basis neuer, aktueller Daten. Diese wurde 2012 abgeschlossen. Obwohl sich keine Hinweise auf Sicherheitsbedenken fanden, haben EU-Kommission und Mitgliedstaaten über die erneute Anbauzulassung für MON810 bis heute politisch nicht entschieden. Damit hat - wie in solchen Fällen gesetzlich vorgeschrieben - die frühere MON810-Zulassung aus 1998 weiter Bestand. Neue Bt-Mais-Events, viele besser und präziser als der bald 30 Jahre alte MON810, dürfen in der EU weiterhin nicht angebaut werden.

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